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	<title>Anja Röhl</title>
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		<title>Euope, mon amour     &#8211;     Rezension</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 18:38:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das erste Stück des jungen Regisseurs Daniel Pfluger heißt »Europe mon amour«. Es wird zur Zeit in Berlin an der Neuköllner Oper gespielt. Pfluger hat sich zum Ziel gesetzt, die Mühen und die Kraft der oft noch sehr jungen Menschen, die nach Europa einwandern wollen, auf die Musiktheaterbühne zu bringen. Sein Stück nennt sich bescheiden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das erste Stück des jungen Regisseurs Daniel Pfluger heißt »Europe mon amour«. Es wird zur Zeit in Berlin an der Neuköllner Oper gespielt. Pfluger hat sich zum Ziel gesetzt, die Mühen und die Kraft der oft noch sehr jungen Menschen, die nach Europa einwandern wollen, auf die Musiktheaterbühne zu bringen.</strong></p>
<p>Sein Stück nennt sich bescheiden »Montage«, weil es aus Interviewpassagen zusammengestellt wurde. In Wahrheit ist es reine Poesie, verbunden mit politisch-aufrüttelnder Gestaltung. Die Musik wird ebenfalls montiert, überspringt die Genres, die Länder, die Epochen.</p>
<p><strong>Großartiges gelungen</strong></p>
<p>Dem Team mit Hub Hildenbrand (musikalische Leitung), Andrea Nolte ( Bühne und Kostüm), sowie Bernhard Glocksin, (Dramaturgie), sowie den beiden Schauspielern Atina Tabiel Razligh und Gerald Michel ist hier Großartiges gelungen. Und das auf der kleinen Bühne der Neuköllner Oper, wo die Schauspieler wie in einem schmalen Schlauch, rechts an der Wand, agieren, während die Zuschauer ihnen gegenüber, an den linken Rand gedrängt sitzen und dadurch eine dichte, Atmosphäre entsteht.</p>
<p><strong>Einen ins Wasser geworfenen Brief</strong></p>
<p>Die Bühne ist mit rätselhaften Dingen vollgestopft. Auf Wäscheleinen hängen Kleidungsstücke, kleine Zettel, Uhren, Armbänder, Spielsachen. Anhand der Gegenstände werden Erzählungen entwickelt, sie werden gleichsam aus dem Meer gefischt. Das ganze Drama des europäischen Frontex-Wahnsinns an den Rändern Europas wird hier verhandelt, die Inszenierung schafft es mit winzigen Gesten und Hinweisen – hier auf eine vom Touristenkind gefundene Sandale, da auf einen ins Wasser geworfenen Brief einer Mutter an ihren Sohn – die Zuschauer unsentimental in Bann zu ziehen, um bei ihnen Verständnis und Einsicht in die politisch gewollten Gewaltzustände, aber auch ihrer Gegenkräfte hervorzurufen. Dabei werden Mittel des Tanzes, der Musik und des Schauspiels sparsam und punktgenau eingesetzt.</p>
<p><strong>Am Ende hast du nichts mehr bei dir</strong></p>
<p>Ein Mann schildert seine Flucht aus Lagos. Fünfmal denselben Weg: »Auf den Dächern der überladenen LKW wird dir bewußt, daß du illegal geworden bist, du verlierst einen Teil deiner selbst, du wirfst deinen Ausweis weg, du wirfst deine Telefonnummern, deine Bilder, deine Schlüssel weg, am Ende hast du nichts mehr bei dir, was noch mit dir zu tun hat, riesig wird die Wand zwischen dir und deinem Ziel…« Am Ende gibt es einen wütenden Gesang: »Komm, laß uns das Meer verbrennen!</p>
<p><strong><em>Nächste Vorstellungen: 13.5., 17.5., 27.5. jeweils 20 Uhr</em></strong></p>
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		<title>Theater Ramba Zamba: Mit 200 Sachen ins Meer   &#8211;     Rezension</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 18:45:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Dem Ensemble am Ramba-Zamba-Theater ist eine besonders gute Inszenierung gelungen, ein Anti-Psychiatrie-Stück: „Mit 200 Sachen ins Meer“: Ein junger Mann kommt in die geschlossene Abteilung und begegnet dort Patienten, die ihn wieder aufbauen, einziger Verrückter: Der Cocktails schlürfende, Hawaiihemd tragende Arzt. Eine Karrikatur mit Tiefsinn. Die Bühne einfach, schwarz mit acht rollenden leeren Türrahmen, behängt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dem Ensemble am Ramba-Zamba-Theater ist eine besonders gute Inszenierung gelungen, ein Anti-Psychiatrie-Stück: „Mit 200 Sachen ins Meer“: Ein junger Mann kommt in die geschlossene Abteilung und begegnet dort Patienten, die ihn wieder aufbauen, einziger Verrückter: Der Cocktails schlürfende, Hawaiihemd tragende Arzt.</strong></p>
<p>Eine Karrikatur mit Tiefsinn. Die Bühne einfach, schwarz mit acht rollenden leeren Türrahmen, behängt auf der einen Seite mit einer schwarzen, auf der anderen Seite mit einer weißen Jalousie zum Hoch- und Runterziehen. Wer dahinter steht, ist nur noch wie „hinter Gardinen“ sichtbar, manchmal wird hindurchgelugt, manchmal wird die Jalousie hochgezogen, manchmal runtergelassen, oft werden die Türen als Raumteiler benutzt, manchmal an die Seite gestellt, manchmal wird mit ihnen getanzt. Ansonsten nichts. Ein leeres Fensterglas wird zu Anfang und zum Schluss, ohne Rahmen, von oben in die Mitte herabgelassen und von einem tanzenden Putzteufel zu Anfang und Ende des Stückes gewischt. Wie durch dieses Fenster blicken wir in die Geschichte dieser Menschen. Keine weiteren Requisiten außer die Kostüme. Ein „Neuer“ wird eingeliefert: Guten Tag?“ sagt er, Newton im Rollstuhl (Sven Normann), der ständig mit zwei Brillen hantiert, antwortet: „Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können“ und andere Weisheiten, dazu lässt er, wenn er lacht, seinen spastisch verkrümmten Körper wild im Rollstuhl aufbäumen. Dann bringt er einen köstlichen Song über den verordneten Optimismus à la Kreativität, der heutzutage in Psychiatrien `in´ ist, ebenso das Fasching feiern und andere Tollheiten, mit denen man die künstlich durch Haldol Betäubten wieder zu erwecken versucht. Diese interessieren sich aber mehr für den Schlüssel, mit dem sie `raus´ und die Liebe, wie sie die beim nächsten Mal besser hinkriegen könnten.</p>
<p><strong>Du verstehst nicht, was in dir ist</strong></p>
<p>Denn als nachts, wenn sie nicht schlafen können, alle ihre Geschichten zu erzählen beginnen, …„alles begann damit, dass ich plötzlich erwachte: Wie lange hatte ich schon nicht mehr die Haut einer Frau gestreichelt?“, fällt auf, dass nicht wenige nach einer gescheiterten Liebesbeziehung hier gelandet sind und anderen `natürlichen´ Ursachen, wie sie unsere „Gehorsamkeits-Gesellschaft“ so mit sich bringt, gegen die man sich nach Ansicht der Anstaltsbewohner auflehnen sollte, wie das Orakel dem Neuen klarmacht: „Du verstehst nicht, was in dir ist, geh‘, spiel mit den Hunden, wenn du den Wolf nicht kennst!“</p>
<p><strong>Was wird aus uns werden?</strong></p>
<p>Zu Beginn eher unauffällig, steigert sich die Intensität der Inszenierung kontinuierlich. Es wird immer mehr zu einem politischen Musiktheater mit Songs, die an die Dreigroschenoper und Georg Kreisler erinnern und die den `Patienten´ mehr und mehr Gesicht verleihen und Tiefe. Kay Langstengel, Autor und Musiker, der seit 2010 am Theater RambaZamba seine eigene Gruppe leitet, hat den Text seinen Schauspielern buchstäblich auf den Leib geschrieben, er sah sie beim Schreiben vor sich und sie haben sich alle darin wiedergefunden. Herausragend der große Monolog „Was wird aus uns werden?“, einem Rap-artigen Sprechgesang ähnlich, den Björn Wunsch (der Neue) mit fragenden Augen authentisch und eindringlich rüberbringt: „… Werden wir so geworden sein, wie wir wurden, weil wir nicht geworden sind, was wir werden sollen?“ Und am Ende: „&#8230;und werden wir werden, was wir werden würden, wenn wir werden, wie wir werden müssen, um das zu werden, was wir werden wollen?“ konterkarierender Kommentar dazu von Shaggy (Sebastian Kuhnt): „Geiler Scheiß. Der braucht nix von mir. Der ist auch so völlig durch.“</p>
<p><strong>Wenn die Gäste die Reste liegenlassen</strong></p>
<p>Wunderschön der Tanz des Putzteufels, der den Hygienewahn in medizinischen Institutionen karikiert, in Ermangelung eines Freundes oder einer Liebsten, tanzt Sascha Perthel auf wunderschöne Weise einen Walzer mit seinem Wischmob. Tobias Kreßmanns Nummer, wo er den „Neuen“ untersucht, ihm übergriffig auf der Brust herumkriecht, seine Knie auf Reflexe hin traktiert, ist herrlich zutreffend für die oft zu beobachtende ärztliche Arroganz. Ulrike Lührs Song: „Ick steh uff mir“ ist reif für die Oper, das Publikum ist vollständig gebannt, Christian Behrend gibt den `Wolf´, einen vor Kraft strotzenden Mann, der Zeugnis ablegt von seinem Lebenshunger, seinem Appetit, seiner unglaublichen Lebenslust: „Wenn die Gäste ihre Reste liegenlassen, nehm ich mir das Beste noch vom Tisch!“, aber das Highlight ist fraglos `Gingers Tanz´, „Wenn dein Leib sich im Dunkeln biegt“, eine Komposition von Enya Hutter, in diesem Stück zusammen mit Kay Langstengel die musikalische Leitung übernahm. Kolja Seifert, als ihr Freund Fred, der sie nicht verlassen hat, führt hier Sophie Schöffler in der Rolle der Ginger zu einem `integrativen Tanz´ besonderer Schönheit. Er holt die halbseitig gelähmte Freundin aus dem Rolli hoch, kickt ihn beiseite und bewegt die Stehende in sanftester Art in die eine und andere Richtung, hockt sich neben sie, nimmt sie leicht auf sein Knie und tanzt weiter mit ihr in minimalistischen, wie in sie überfließenden Bewegungen.</p>
<p><strong>Verbildlichung eines Liebesaktes</strong></p>
<p>Dieses ist ein Niederknien vor den Menschen, die andersfähig sind, und denen, die mit ihnen leben und sie verstehen, Verbildlichung eines Liebesakts. Menschen mit sogenannten Behinderungen wollen nicht betreut, gepflegt, behandelt und bespaßt werden, sie wollen ein selbstbestimmtes Leben führen und brauchen Menschen und Bedingungen, die ihnen das ermöglichen, hier wollen sie auch mithelfen, dieses einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Am Ende befreien sie sich mittels eines Schlüssels, den der Maniker Schraube (Heiko Fechner) immer schon in der Tasche trug. Der Schlussgesang wird von einer imaginären Klippe aus gesungen, wo die schäumende Gischt Newton und Goldie (Gabi Helmdach) ins Gesicht weht. Der Song: „Mit 200 Sachen ins Meer!“ steht für die Leidenschaft und das Risiko sich einem Leben `draußen´ hinzugeben und die Selbstbestimmung zu wagen.</p>
<p><em>Weitere Aufführungen <a href="http://www.theater-rambazamba.org/Theater/spielplan.php">hier</a></em></p>
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		<title>Kunger-Kiez-Theater: Miss Sara Sampson    &#8211;     Rezension</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 15:02:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Was kann an einer klassischen Dreiecksgeschichte heute noch interessant sein? Und was hat die Sache im Kunger-Kiez zu suchen? Das Kunger-Kiez-Theater „Für uns ist Theater ein Schutzraum, in dem wir uns entwickeln und zusammen Kunst schaffen. Wir wollen Menschen inspirieren und zum Staunen bringen“, hat ein Spiel im Spiel daraus gemacht, die jüngere Tochter aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was kann an einer klassischen Dreiecksgeschichte heute noch interessant sein? Und was hat die Sache im Kunger-Kiez zu suchen?</strong></p>
<p>Das Kunger-Kiez-Theater „<em>Für uns ist Theater ein Schutzraum, in dem wir uns entwickeln und zusammen Kunst schaffen. Wir wollen Menschen inspirieren und zum Staunen bringen</em>“, hat ein Spiel im Spiel daraus gemacht, die jüngere Tochter aus gutem Hause, eben verführt vom Alt-Playboy-Geschäftsmann Mellefont, unglückseligerweise gleich mit Eheversprechen, wird konterkariert durch die ältere, vorherige Geliebte  mit Kind, Maarwood, die den sich aus seinen Pflichten hinauswinden wollenden  Mellefont  nicht ohne Opfer hergeben will.</p>
<p><strong>Eitelkeit und Selbstsucht</strong></p>
<p>Gut gezeigt und damit durchaus in heutige Zeit transkribierbar, keiner der drei Personen liebt den anderen wirklich, es geht um nichts als Eitelkeit und Selbstsucht. Geschauspielert wird auf allen Seiten, Sara gibt die Naive, die geborene Hilflosigkeit, das Opfer mit Vaterkomplex, in Wahrheit mit dem Wunsch sich durch den Aufstieg zu einem reichen Geschäftsmann größtmöglich aufzuwerten. Maarwood die `femal fatale´,  gewieft in allen Finessen des Geschäfts der Männerverführung, will ihrer Rivalin die Suppe versalzen und Mellefont will eigentlich nur eine Erbschaft ergattern und Spaß haben.</p>
<p><strong>Unter Filmsternchen</strong></p>
<p>Das Stück wird unklar angesiedelt in der Theaterbranche, es könnte auch unter Filmsternchen spielen, die Diener, schon von Lessing als Ratgeber und wissende Unterschichtsmitglieder gezeichnet, sind hier im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt und fungieren ebenfalls als die Stichwort- und Ratgeber.</p>
<p><strong>Das Zeitlose:</strong></p>
<p>Selbst bei Auflösung aller bürgerlichen Formen von Heiratszwang und Konvention geht es um das Problem, zwei Frauen am Rande eines reichen Mannes zu zeigen, dem es nie um Liebe ging. Frauen sind für ihn nur unter dem Aspekt größtmöglichen Begehrens und der Abwechslung interessant,  allerdings hat er nicht mit ihrer Kraft gerechnet.</p>
<p><strong>Aufdeckung von Heuchelei</strong></p>
<p>So will Maarwood die fehlende Liebe wenigstens mit Pflichtabgaben an das Kind oder Rückeroberung als Geldgeber ausgleichen,   und Miss Sara spielt die kindlich-frauliche Opferrolle aus, so dass Mellefont vor sich selbst Angst bekommt. Dass es hier weniger um ein Liebesdrama als vielmehr um Aufdeckung von Heuchelei und der Ablehnung arroganter Macht geht, wird vom Kunger-Theater schnörkellos und sehr modern herausgearbeitet.</p>
<p><strong>Scheinwelt, die aus der Kiste kommt</strong></p>
<p>Kennen wir also solche Menschen? Ja, aus dem Fernsehen, aus der ganzen Glitzer-Glimmerwelt, die täglich in die Esszimmer der Entrechteten einfällt und die Hintergrundmusik für ihre kärglichen HartzIV-Mahlzeiten abgibt. Vor der die Kinder staunend sitzen, die vielen Stunden ihrer zwangsweisen Ruhigstellung zuhause. Eine moderne Scheinwelt, die aus der Kiste kommt und nicht mehr auf der Straße in goldenen Kutschen flaniert.  Diese als Scheinwelt zu entlarven, haben sich die Kungerkiezler zum Ziel gesetzt und dafür bildet die feurige Maarwood die beste Identifikationsperson. Schnoddrig, immer in bester Pose, gibt sie großartig die machtvolle Verliererin. Würdevoller hätte es auf keiner der großen Bühnen gezeigt werden können. Dementsprechend ist dem Ende fast die ganze Tragik entzogen, unspektakulär trägt Mellefont die Vergiftete ab, scheint sich kaum zu wundern.</p>
<p><strong>Lehre:</strong></p>
<p>Es rächt sich nur an sich selbst zu denken, es könnte passieren, dass die ehemaligen Opfer sich derselben  Mittel bemächtigen und so den Spieß umdrehen, durchaus zeitgemäß und mit vielen witzigen Einfällen. Herausragend als Maarwood: Anna Röpke. Unbedingt empfehlenswert! Nicht nur im Kunger-Kiez</p>
<p><em>Nächste Aufführungen: 5.5. und 6.5.12 20 Uhr, Kungerkieztheater <a href="http://theater.kungerkiez.de/">hier</a></em></p>
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		<title>Und dann kam der Regen  &#8211;  Filmrezension</title>
		<link>http://www.anjaroehl.de/und-dann-kam-der-regen-filmrezension/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 09:11:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die spanische Regisseurin Iciar Bollain ist eine, deren Namen man sich merken muss, ihre Filme sind von einer erstklassigen Qualität, von eine ungeheuren Sensibilität und von einer sozialpolitischen  Parteinahme für die Schwachen ganz und gar durchdrungen. Der Film „Öffne meine Augen“ von 2004 geht zB den Fragen nach, warum eine Frau mit einem Mann zusammen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die spanische Regisseurin Iciar Bollain ist eine, deren Namen man sich merken muss, ihre Filme sind von einer erstklassigen Qualität, von eine ungeheuren Sensibilität und von einer sozialpolitischen  Parteinahme für die Schwachen ganz und gar durchdrungen.</strong></p>
<p>Der Film „Öffne meine Augen“ von 2004 geht zB den Fragen nach, warum eine Frau mit einem Mann zusammen bleibt, der sie schlägt, warum sie ihn nicht verlässt und auch noch darauf besteht, dass sie ihn liebt, wie funktionieren diese psychischen Zusammenhänge? Seitdem ist er auf vielen internationalen Frauentagen, in der Frauen-Anti-Gewaltwoche im November und auf vielen Symposien gegen häusliche Gewalt immer wieder präsent. Kein anderer Film vor ihm hat das Thema „Häusliche Gewalt“ so stark aus Sicht beider Protagonisten gezeigt und damit einen Weg des Verständnisses gewiesen, der Betroffenen und Helfern nun weiterhelfen kann. Auch hier fiel schon Luis Tosar in seiner ungeheuer gut gegebenen Rolle in der Figur des   schlagenden Mannes auf.</p>
<p><strong>Zerrspiegel Kampf ums Wasser</strong></p>
<p>Im Film-im-Film-Epos &#8220;Und dann kam der Regen&#8221; spielt Luis Tosar den Regisseur eines Anti-Mainstream-Kolumbus-Films, der in Cochabamba gedreht wird und der dann dort in die Widersprüche der nachkolonialistischen Zeit verwickelt wird. Der Kampf um das eigene Wasser wird zum Zerrspiegel, in dem sich die Probleme der spanischen Ausbeutung, wie sie im Film retrospektiv gezeigt werden, wiederfinden. Den Machern des Films wird erst nach einer Weile die Kontinuität dieser Ausbeutung von Kolumbus bis heute klar und zu spät beginnen sie sich zögerlich zu beteiligen, wenn auch nur mit schwachen Hilfsaktionen. Wichtig: Ihr Kunstverständnis wird dabei reflektiert, ihre bürgerliche Existenz auf die Probe gestellt. Luis Tosar schafft es enorm gut, dieser zwiespältigen Entwicklung Ausdruck zu verleihen, ein Widerspruch bricht auf, in dem wir alle heute leben, wir engagieren uns gegen Unterdrückung, aber wir leben aber auf der Seite der Weltkugel, in den Ländern, wo davon profitiert wird. Was also tun, wenn einem die Weltausbeutung derart auf die Pelle rückt? Ein berührender Film ganz ohne Kitsch, ein unspektakuläres Denkmal für den indianischen Widerstand in Bolivien mit Verbindung zu unserem bequemen Leben, dass auf den zerbrochenen Knochen derer aufgebaut ist, die sich hier zunächst nur durch Bittgänge und Straßenblockaden wehren und deren Radikalisierung durch das drastisches Vorgehen der Staatsmacht Kalkül ist. Nichts ist so wie es scheint und man muss sich von allem ein eigenes Bild machen, beides zeigt der Film beispielhaft. Wasser ist Leben, wer den Zugang zum Wasser verbieten will, ist ein Mörder.  Siehe auch: <a href="http://www.berliner-wassertisch.net">www.berliner-wassertisch.net</a></p>
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		<title>Interview mit Gripschef Volker Ludwig    &#8211;    von Christof Meueler</title>
		<link>http://www.anjaroehl.de/interview-mit-gripschef-volker-ludwig-von-christof-meueler/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 17:31:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Übername aus:     28.4.12 / jw-Feuilleton Interview: Christof Meueler Der Staat soll das Grips-Theater retten! Am Mittwoch endete das Soli-Singen beim Flashmob am U-Bahnhof Wittenbergplatz mit einem Polizeieinsatz Foto: Björn Kietzmann Volker Ludwig, Jahrgang 1937, ist der Gründer und Geschäftsführer des Berliner Grips, dem bekanntesten deutschen Theater für Kinder (und Erwachsene) Das Grips-Theater kämpft wieder gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Übername aus:     28.4.12 / jw-Feuilleton </em></p>
<address>Interview: Christof Meueler</address>
<div>
<table summary="Designtabelle" width="50">
<tbody>
<tr>
<td><a> <img id="img37561" src="http://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=37561&amp;ext=.jpg" alt="Der Staat soll das Grips-Theater retten! Am Mittwoch endete das " /> </a></p>
<div>Der Staat soll das Grips-Theater retten! Am Mittwoch endete das Soli-Singen beim Flashmob am U-Bahnhof Wittenbergplatz mit einem Polizeieinsatz</div>
<div>Foto: Björn Kietzmann</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div>
<h5>Volker Ludwig, Jahrgang 1937, ist der Gründer und Geschäftsführer des Berliner Grips, dem bekanntesten deutschen Theater für Kinder (und Erwachsene)</h5>
<p><strong><em>Das Grips-Theater kämpft wieder gegen den Untergang. Herr Ludwig, Sie haben in einer Pressemitteilung erklärt, »es macht unendlich müde, 43 Jahre lang klinkenputzend um die nackte Existenz eines weltberühmten Theaters kämpfen zu müssen«. Wie fühlen Sie sich heute?<br />
</em></strong></p>
<p>Ich fühle mich nicht viel anders. Natürlich gebe ich als alter 68er die Hoffnung nie auf. Wenn das ein normaler Betrieb wäre, hätte ich schon längst hingeschmissen. Aber das kann ich nicht – denn wir sind für unser Publikum, das hauptsächlich aus Kindern und Jugendlichen besteht, da.</p>
<p><strong><em>Aber mit denen verdient man kein Geld.<br />
</em></strong></p>
<p>Bei unseren Schulvorstellungen kosten die Karten vier Euro für Grund- und fünf Euro für Oberschüler. Das ist das Problem. Das können wir uns eigentlich gar nicht leisten. Bei so einem Stück wie »Pünktchen trifft Anton« sind eine Vier-Mann-Band und auch noch zwei Gastschauspieler dabei, da ist das Endergebnis gleich null. Bei den Abendvorstellungen für Erwachsene kostet die Karte 20 Euro. Wenn wir weiterhin so wenig Geld bekommen wie jetzt, dann müssen wir die Schulvorstellungen abschaffen – und das wäre absolut gegen den Sinn unseres Theaters.</p>
<p><strong><em>Was brauchen Sie, um zu überleben?<br />
</em></strong></p>
<p>Wir müssen entschuldet werden und auf Dauer 150000 Euro pro Jahr mehr kriegen, damit wir wieder normal arbeiten können, und wir müssen endlich unseren Leuten eine Lohnerhöhung zahlen. Die spielen seit Jahren für minimales Geld. Für die Schauspieler der anderen Berliner Staatstheater, aber auch der Schaubühne, wurden die Gagen in den letzten zehn Jahren um acht bis zehn Prozent erhöht, nur unsere bekommen nichts. Offenbar ist man der Meinung, daß Kindertheatermacher weniger Geld brauchen als Erwachsenentheaterleute.Als würden die nur Kinderportionen essen, in Kinderbetten schlafen und noch bei den Eltern wohnen.</p>
<p><strong><em>Ist das Grips dem Berliner Senat egal?<br />
</em></strong></p>
<p>Wenn ich der Kulturverwaltung mitteile, daß wir jedes Jahr weniger Geld zur Verfügung haben, weil die Miete und andere Kosten gestiegen sind und wir dieses Jahr ein Defizit von mindestens 150000 Euro haben werden, das wir nicht aus eigener Kraft ausgleichen können, dann sagen die mir, ich soll froh sein, daß die Unterstützung, die wir bislang bekommen, nicht gekürzt worden ist. Wenn wir mehr Geld haben wollen, dann sollen wir uns an das Abgeordnetenhaus wenden. Das sagt mir auch der Regierende Bürgermeister Wowereit. Nach dem Motto: »Du weißt doch, der Kulturetat ist festgeklopft, ich bin nicht das Parlament.«</p>
<p><strong><em>Aber er hat doch eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus.<br />
</em></strong></p>
<p>Ja, aber das Abgeordnetenhaus hat das Haushaltsrecht. Offiziell sind Senat und Landesparlament zwei verschiedene Institutionen.</p>
<p><strong><em>Glauben Sie, es gibt beim SPD-CDU-Senat politische Animositäten?<br />
</em></strong></p>
<p>Nein, die alten Vorwürfe, von wegen wir wären zu links, gibt es nicht mehr. Wir sind von der CDU längst akzeptiert, aber es gibt unterschiedliche Interessen. Die CDU ist für die Boule­vardtheater und die SPD für freie Gruppen. Und dazwischen rutscht das Grips irgendwie raus. Ich wurde nicht mal angehört vom Kulturausschuß. Bei früheren Krisen des Grips war das anders.</p>
<p><strong><em>Doch die aktuelle Krise ist immer die schwerste?<br />
</em></strong></p>
<p>Das sagt sich leicht dahin, stimmt aber. Unser Theater befindet sich in der schwersten Krise seit 1986. Damals wären wir beinahe pleite gegangen, es fehlten uns 260000 DM, die wurden dann über das Parlament vom Senat aufgebracht. Westberlin war aber verhältnismäßig wohlhabend, hochsubventioniert. Heute fährt das Land Berlin seit Jahren einen harten Sparkurs, und wir brauchen fast doppelt soviel Geld, um zu überleben.</p>
<p><strong><em>Und Sie müssen sich drum kümmern, obwohl Sie schon in Rente sind?<br />
</em></strong></p>
<p>Was heißt hier Rente?! Bekomme ich nicht, ich muß immer weitermachen. Als Arbeitgeber darf ich nicht mal in die Künstler-Sozialkasse. Ich habe einen der höchsten Löhne in diesem Haus, nämlich 3000 Euro, aber ich muß davon alles selber bezahlen, Krankenkasse, Steuern und so weiter.</p>
<p><strong><em>Sind Ihnen Kinder als Publikum lieber als Erwachsene?<br />
</em></strong></p>
<p>Nein, wir mögen beide Zuschauergruppen. Es ist wunderschön, »Linie 1« für ein erwachsenes Publikum zu spielen, weil dann die ganzen ironischen Sachen funktionieren. Ich komme vom politischen Kabarett, und da lebt man ja von Ironie. Ironie funktioniert bei Kindern gar nicht. Und die gegenwärtige Ironie besteht darin, daß das Grips-Theater als Kindertheater weltberühmt ist, sich aber seinen Erfolg nicht mehr leisten kann. Es sei denn, das Parlament rettet uns. Der Hauptausschuß des Abgeordnetenhaus entscheidet am nächsten Freitag, dem 4. Mai.</p>
<p><strong><em>»Kindertheater für alle!«, am heutigen Samstag 20 Uhr. Lange-Grips-Nacht mit Gästen wie z.B. Lars Eidinger</em></strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Sein oder Nichtsein         &#8211;     Altonaer Theater  Hamburg  &#8211;   Rezension</title>
		<link>http://www.anjaroehl.de/sein-oder-nichtsein-im-altonaer-theater-hamburg-rezension/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 18:15:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[27.4.12 / jw- Feuilleton Sein oder Nichtsein« ist eine berühmte antifaschistische Verwechslungskomödie von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942, die im Polen unter deutscher Besatzung spielt. Über dieses Polen weiß man meist viel zu wenig. Erst kürzlich las ich den überaus bemerkenswerten »Bericht an die Welt« von Jan Karski, der als Kundschafter der polnischen Exilregierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><em>27.4.12 / jw- Feuilleton</em></p>
<p><strong>Sein oder Nichtsein« ist eine berühmte antifaschistische Verwechslungskomödie von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942, die im Polen unter deutscher Besatzung spielt.</strong></p>
<p>Über dieses Polen weiß man meist viel zu wenig. Erst kürzlich las ich den überaus bemerkenswerten <strong>»Bericht an die Welt« </strong>von<strong> <a title="Jan Karski" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Karski">Jan Karski</a></strong><a title="Jan Karski" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Karski">, </a>der als Kundschafter der polnischen Exilregierung in London unterwegs war. Die polnische Exilregierung leitete erst von Frankreich, dann von London aus eine vollständig parallele Untergrundgesellschaft an, mit Zehntausenden von illegalen Helfern. Von dieser Zeit legt Lubitsch’ Film Zeugnis ab, in dem eine Schauspieltruppe ihre Künste im Widerstanskampf erproben muß. Neuerdings wird der Filmstoff auch auf die Bühne gebracht. Zunächst im Gorki-Theater in Berlin, nun in Hamburg, im Altonaer Theater unter der Regie von Christian Nickel.</p>
<p><strong>Man nennt mich Konzentrationalager-Erhardt ?</strong></p>
<p>Der nicht so leicht zu machende Witz, (&#8230;man nennt mich Konzentrationslager-Erhardt?) dass die Karrikatur der Person des Gruppenführers Ehrhardt, einem echten, nicht verurteilten Nazi-Verbrecher nachempfunden, (Ludwig Hahn, nach dem Krieg Versicherungsvertreter in Hamburg, bis 1972 unbehelligt), schließlich von der Realität übertroffen wurde, gelang gut, ebenso wie die Figur des Grünberg, der hier sogar fast besser als im Film gegeben wurde. Weniger satirisch interpretiert, hatte er mehr Ernst, trat mit einem Kind zusammen auf, was Hilflosigkeit und Flucht und Versteckenmüssen besser verdeutlichte, sprach den Shylock-Monolog (wenn ihr uns stechet&#8230;sterben wir nicht?) jeweils passend zur dargestellten Szene etwas herausgerückt und verfremdend. Seine Figur wurde stärker als ein Gegengewicht eingesetzt.</p>
<p>Ein unspektakulär gemachtes Stück, das nachdenklich macht, obwohl es zum Lachen reizt. Thomas Oberender formuliert im Programmheft: »Suche nach dem Gefühl, das man haben könnte, die Suche nach der Haltung, die man haben könnte, die Suche nach einem Leben, das man lebt oder das uns lebt« <em></em></p>
<p><strong><em>Nächste Vorstellungen: 28.4., 2.5., 3.5., 4.5.</em></strong></p>
<h5></h5>
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		<title>Kultur und Schule in der Neuköllner Oper    &#8211;   Theaterstück und Diskussions-Veranstaltung</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 17:24:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[19.04.2012 / jw-Feuilleton / Seite 12 Wie steht es in Berlin um das Theater in Schulen? Darüber diskutierte am Dienstag abend ein Podium in der Neuköllner Oper. Vorher zeigten Teenager der Lilienthal-Oberschule im Stadtteil Steglitz das Stück »Kunststücke«, mit dem sie in diesem Jahr das TuSch-Festival (für »Theater und Schule«) gewannen. 30 Produktionen wurden dort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>19.04.2012 / jw-Feuilleton / Seite 12</em></p>
<p><strong>Wie steht es in Berlin um das Theater in Schulen? Darüber diskutierte am Dienstag abend ein Podium in der Neuköllner Oper.</strong></p>
<p>Vorher zeigten Teenager der Lilienthal-Oberschule im Stadtteil Steglitz das Stück »Kunststücke«, mit dem sie in diesem Jahr das TuSch-Festival (für »Theater und Schule«) gewannen. 30 Produktionen wurden dort aufgeführt, alle in Zusammenarbeit mit Theatern entwickelt, im Fall der Gewinner war es die Neuköllner Oper. Diese Aktivitäten werden von der Senatsverwaltung mit jährlich 2000 Euro pro beteiligter Schule gefördert – etwas zu wenig, wie nach der Aufführung beklagt wurde.</p>
<p><strong>Oh, wie kraftvoll diese Streifen!</strong></p>
<p>Das präsentierte Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen: Zu Beginn von »Kunststücke« werden Gemälde aus Museen eingeblendet; Schüler stehen gelangweilt oder bemüht interessiert davor. Dann bleibt eine junge Frau allein auf der Bühne: »Da hängt da so ein Bild, schwarz mit roten Streifen, steht daneben so eine Gruppe: ›Oh wie kraftvoll, dieser Streifen!‹« Sie geht in die Knie, gestikuliert, spielt die vorgeblichen Emotionen, karikiert köstlich die Schönrednerei von Museumsbesuchern, die keine Ahnung haben, aber so tun, als hätten sie eine. Kopfschüttelnd geht sie ab. Als nächstes streitet sich ein Liebespaar – sie gelb, er blau – vor einem Mondrian. Die Bildelemente greifen ein, sehr schön der »Tanz der schwarzen Stangen«, die zwischen die beiden drängen, zu Waffen werden, zu Balken, Speeren, einem Zaun. Hinter dem werden Rot und Grün von Gelb und Blau gerettet, die sich wieder versöhnen – eine assoziative Annäherung. Und so geht es weiter mit einem Renaissance-Bild. Eine Frau liest im nachempfundenen Faltenkostüm einen altmodischen Liebesbrief, will Gift nehmen, flieht vor ihrem Liebhaber. Kragen, wie man sie damals trug, tanzen miteinander. Alles einfallsreich und spannend, am Ende ist belegt, daß man Kunst – moderne wie alte – desto besser versteht, je mehr man sie handelnd durchdringt.</p>
<p><strong>Immer etwas Neues, so ist keine Nachhaltigkeit möglich</strong></p>
<p>In der Diskussion mit TuSch-Gründerin Renate Breitig und anderen ging es dann um die Mühen der Ebene. Projekte werden maximal für drei Jahre gefördert. Nach dieser Frist muß man sich auch für Bewährtes etwas Neues einfallen lassen. Angelika Tischer von der Senatsverwaltung für kulturelle Bildung legte ausführlich dar, daß die Rahmenpläne für Lehrer heute am Kompetenzmodell orientiert seien, deshalb viel Spielraum für Eigenes ließen und Theaterprojekte von Lehrern durchaus in den alltäglichen Unterricht integriert werden könnten. Dies erwiderte sie auf die Schilderungen von Georg Krapp, Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, an dem die Schüler fast nur aus Einwandererfamilien stammen. Krapp hatte berichtet, daß die Lehrer oft überfordert seien von bürokratischen und anderen Auflagen, weshalb für die Vermittlung von Kultur neben dem Geld auch die Zeit fehle.</p>
<p><strong>Allein sieben Projekte in der Neuköllner Oper</strong></p>
<p>Deutlich wurde, daß viel passiert ist in den letzten 20 Jahren. Vieles wurde angeschoben, von Initiativen und Künstlern, allein sieben neue Projekte in Zusammenarbeit mit der Neuköllner Oper wurden am Dienstag vorgestellt. Solange der Senat allerdings Unsummen für Flughafenwerbung herauswirft und Schultheaterprojektleitende mit ein paar hundert Euro abgespeist werden, solange ist das Vorankommen einer nichtelitären »Kultur für alle« vor allem einem idealistischen Künstlerprekariat zu verdanken, das sich gerade mal so eben über Wasser hält.</p>
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		<title>Konrad-Wolf-Filmreihe Retrospektive diesmal in Ost und West    &#8211;    Filmrezension</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 18:40:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[14.4.12 / jw-Feuilleton Konrad-Wolf-Retro-Filmreihe diesmal in Ost und West: Elke Zwinge-Makamizile, Friedensaktivistin und Freidenkerin, diesjährige Initiatorin der Konrad Wolf &#8211; Retrospektive, wollte die Filme unbedingt auch im Westen gewürdigt wissen, dazu fand sie das kleine, erst im letzten Jahr von Martin Erlenmaier neu eröffnete Kino: Studio am Bundesplatz.  Zusammen mit dem Kino Toni aus dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>14.4.12 / jw-Feuilleton</em></p>
<p><strong>Konrad-Wolf-Retro-Filmreihe diesmal in Ost und West:</strong></p>
<p>Elke Zwinge-Makamizile, Friedensaktivistin und Freidenkerin, diesjährige Initiatorin der Konrad Wolf &#8211; Retrospektive, wollte die Filme unbedingt auch im Westen gewürdigt wissen, dazu fand sie das kleine, erst im letzten Jahr von Martin Erlenmaier neu eröffnete Kino: Studio am Bundesplatz.  Zusammen mit dem Kino Toni aus dem Osten entwickelte sich dann die Idee eines Ost-West-Brückenprogramms. Über eine Woche wurden fast alle Filme Konrad Wolfs in einer umfangreichen Retrospektive parallel in beiden Kinos gezeigt, weit oben im östlichen Norden Berlins, in Weißensee und weit unten im westlichen Süden.  Im Toni lief die Reihe an mit: »Der geteilte Himmel«, Wolfs berühmtester Film von 1964.  Am Bundesplatz war er schon zu sehen. Ins Toni kamen Renate Blume, die die Hauptfigur spielte, und Gerhard Wolf, der damals das Drehbuch schrieb – zusammen mit seiner Ehefrau Christa Wolf, deren gleichnamige, 1963 veröffentlichte Erzählung die Grundlage für diesen Film bildete, der vom Verbund Deutscher Kinematheken zu den 100 wichtigsten deutschen Filme aller Zeiten gezählt wird.</p>
<p><strong>Mit eigenen Bildern auffüllen</strong></p>
<p>Am Donnerstag lief am Bundesplatz »Ich war 19«, Wolfs Meisterwerk von 1967 über die letzten Tages des Zweiten Weltkriegs, als sich ein junger deutscher Offizier der Roten Armee, gespielt von Jaecki Schwarz, Berlin nähert – es war Wolfs eigene Geschichte, dessen kommunistische Familie 1933 erst nach Frankreich und dann in die UdSSR emigriert war. Wolfgang Kohlhaase, der gemeinsam mit dem Regisseur das Drehbuch geschrieben hatte, stellte ihn vor. Vom Publikum wurde er mit Fragen bestürmt, die er mit souveräner Leichtigkeit und frei nach Brecht beantwortete. Nein, das sollte damals kein »Russenfilm« werden, auch kein Kriegsfilm, sie hatten ihn mit Bedacht nicht in den Ruinen spielen lassen, sondern wählten für den Höhepunkt des Films, der auf einem Bauernhof nahe der Oder spielt, mit Absicht weites, leeres Land, das Publikum sollte es mit seinen eigenen Bildern auffüllen können. Film als politische Botschaft, die nichts oktroyiert, sondern nur eine Auswahl vieler, möglichst detailgenauer Wirklichkeiten anbietet, aus denen sich der Zuschauer selbst ein Bild machen kann, das war ihr erstes Anliegen gewesen. Menschen zeigen, die sich entwickeln, das zweite.</p>
<p><strong>Du hassest die Menschen nicht, aber du hast Angst sie zu lieben</strong></p>
<p>Diesem Anspruch wurde auch »Sterne« gerecht, der am selben Abend im Toni gezeigt wurde. In diesem politischen Liebesfilm von 1959 erzählt Wolf, wie sich ein deutscher Unteroffizier in eine griechischen Jüdin, die in Bulgarien auf ihren Transport nach Auschwitz wartet, verliebt. »Wir nannten ihn Walter« ist der am Anfang und am Schluß des Films wiederkehrende Satz des Erzählers. Man weiß nicht den richtigen Namen von diesem Menschen, den die Bulgaren nur als »Herr Unter« ansprechen. Sie sehen, wie ihn der Krieg stumpf gemacht hat und wie er durch solidarisches Handeln langsam wieder Gefühle spürt, die keine Hoffnung haben. Als er seine Liebe befreien will, ist der Transport abgefahren, von ihr bleibt nur ein Judenstern übrig. »Du haßt die Menschen nicht«, hat sie ihm gesagt, »aber du hast Angst, sie zu lieben, denn das bedeutet, daß du etwas für sie tun mußt«. Als er sie verliert, beginnt er, für den Untergrund zu arbeiten.<br />
Angel Wagenstein (Drehbuchautor &#8220;Sterne&#8221; und geladener Zeitzeuge) bedankte sich beim Publikum: &#8220;Solange noch Menschen wieder diesen Film anschauen mögen, sagte er, kann die Welt noch nicht ganz ohne Hoffnung sein.&#8221;</p>
<p><em>Das gesamte Programm läuft Ende des Monats April 2012 auch noch einmal im Kino Babylon Mitte. 18.4.. Samstag, 17 Uhr im Toni: »Genesung« mit Florian Martens und Heinz Kersten; Sonntag 17 Uhr im Toni: »Lissy« mit Frank Hörnigk und Laurenz Demps, 19 Uhr »Professor Mamlock« mit Hilmar Thate und Oksana Bulgakowa; Samstag am Bundesplatz 20.30 Uhr: »Solo Sunny« mit Eberhard Geick, Dieter Montag und Regine Dobberschütz; Sonntag 20.30 Uhr »Sterne« mit Angel Wagenstein und Ralf Schenk</em></p>
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		<title>Vom Untergang der SED &#8211; Theater 89    &#8211;    Rezension</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 18:44:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theaterrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Theater 89 in Berlin hat  das „Ende der SED“ auf die Bühne gebracht, adaptiert aus dem gleichnamigen Buch von Hans Hermann Hertle und Gerd Rüdiger Stephan vom März 2012. Das Ganze im Original ZK-Saal, , heute Außenministerium. Nachdem sich das Premierenpublikum eingefunden hat, in der ersten Reihe schon wieder die Friedrich-Naumann-Stiftung, und sich alle durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Theater 89 in Berlin hat  das „Ende der SED“ auf die Bühne gebracht, adaptiert aus dem gleichnamigen Buch von Hans Hermann Hertle und Gerd Rüdiger Stephan vom März 2012</strong>.</p>
<p>Das Ganze im Original ZK-Saal, , heute Außenministerium. Nachdem sich das Premierenpublikum eingefunden hat, in der ersten Reihe schon wieder die Friedrich-Naumann-Stiftung, und sich alle durch den Polizeikordon und eine Flughafenschleuse gequält haben (das war echt, gehörte nicht zum Stück), sieht man mehrere hellgraue Männer mit rosa gefärbten Blutköpfen auf Zuschauerplätzen sitzen, die im Laufe des Stückes gegen die lebenden, hellgrau geschminkten Anzug-Männer auf dem Podium ausgetauscht werden.   Dann beginnt es.  Die im Programm namentlich genannten 20 ZK-Mitglieder werden von insgesamt neun Schauspielern abwechselnd, ohne Änderung des Kostüms und der Haarfrisur gegeben, es ist nicht wichtig, wer was gesagt hat.</p>
<p><strong>Beim Politbüro kein Gehör gefunden</strong></p>
<p>Namen werden genannt, Missstände, meist wirtschaftlicher Art werden angeprangert, angeblich haben manche das Ganze schon seit 1973 oder 1969 angemahnt, aber beim Politbüro kein Gehör gefunden. Die weitschweifig vorgetragenen Argumentationsketten umwabern das Publikum wie Nebelschwaden. Die alten, neuen Vorschläge laufen darauf hinaus im Sozialen zu kürzen und die „Leistungsstandards“ anzuheben. Verbrämt und in typischen Sprachhülsen redengewohnte Politiker, fordern nicht direkt Genannte, die sich aber jeder dazu denken kann, auf, endlich „Verantwortung“ zu übernehmen. Das ZK im Ganzen darf keinen Schaden nehmen, so der Tenor.</p>
<p><strong>Dass das Volk weglaufen könne</strong></p>
<p>Während draußen die Entwicklung an diesem hohen Hause vorbeigeht, wird drinnen immer drängender weiter um die Verantwortlichkeiten gestritten. Die größte Sorge dabei ist, dass das Volk noch „ganz weglaufen“ könne, was, wie man sich gegenseitig appellierend versichert, zu verhindern sei. Nicht ein Mal ist von Terroristen die Rede, von Staatsfeinden, von Verbrechern, das schlimmste Wort, das fällt, ist „Randalierer“, dies seien aber nur wenige, dafür wird um so öfter von der „Arbeiterklasse“ als Gesamtheit gesprochen, die verärgert sei. Man merke auf: Nicht über die man verärgert sei!  Erkenntnis: Das ZK sah sich durchaus als Dienerin der Arbeiterklasse, als ihre Vertretung in Nachfolge des antifaschistischen Kampfes gegen dieselbe.</p>
<p><strong>Am Scheideweg des Machtverlusts recht friedlich</strong></p>
<p>Hass auf die Menge,  Arroganz der Macht, Herabblicken auf Überflüssige, Militanz und Drohgebärde, es fehlt hier völlig. Schaut man sich in der Welt um, so würde man kein Vergleichs-Regierungsbüro finden, dass sich am Scheideweg des Machtverlusts derart friedlich, zerknirscht und schuldbewusst gibt. Immerzu ist die Rede von Schulden und Schuld, und einer weint am Ende gar, übt heftige Selbstkritik, sagt, dass die Partei sein Leben gewesen sei, was er nun verloren habe, das Publikum lacht darüber.  Keiner der Mächtigen spricht davon 30.000 bewaffnete Soldaten zu holen, in die Menge zu schießen, tränengasbewehrte Polizeieinheiten loszuschicken, Fußballstadien zu Folterhöhlen umzubauen, nichts, ein friedliches Abdanken alter Männer, deren höchster Besitz eine Datsche in Wandlitz war.</p>
<p><strong>DDR-Lieder pathetisch</strong></p>
<p>Leider ist das Ganze ermüdend, es gibt wenig künstlerische Gestaltung dazu und die immer länger werdenden ZK-Sätze mit ihren indirekten Andeutungen und Worthülsen werden nur manchmal familiärer und direkter, wenn einer ausrastet, wenn einer sich Sorgen macht, wenn einer ahnt, dass bald alles „aus“ sei, doch interessanterweise geht es dabei nie um persönliche Privilegien, die man noch schnell sichern, nie um die eigene Haut, die man noch schnell retten will, immer um das Volk, dass man nicht verlieren, das Werk, was man aufbauen, eine bessere Welt, die man gegen die Barbarei des Faschismus hatte schaffen wollen.</p>
<p>Begleitet wird das Ganze mit DDR-Liedern eines patethisch intonierenden Chores aus Frankfurt/Oder, der die Szenenüberleitungen übernimmt und wo die Kampflieder aus dem spanischen Bürgerkrieg zu steifen Kirchenliedern gerieren.</p>
<p><strong>Wo andere längst gefunden haben</strong></p>
<p>Die Situation wird der Lächerlichkeit preisgegeben, ohne wirklich Witz zu haben. Die im Abstürzen begriffenen Verantwortlichen suchen noch, wo andere längst gefunden hatten und während die Demo-Rufe schon durchs Fenster schallen, ist man hier hoffnungslos zurück. Nun ja, die Politikergarde heutzutage ist oft nicht weniger abgehoben. Dazu aber wesentlich selbstbewusster. Beruft sie sich doch statt auf die „Arbeiterklasse“ auf die Gegenpartei und dort stehen bekanntlich „Millionen“ hinter ihnen. Weniger Menschen, die Wert schaffen, als deren Tauschprodukt, das Geld, dass aus den Vielen abgesogen wurde und sich in Händen einiger Weniger sammelt, die damit weltweite Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und kriegerische Eroberungsfeldzüge, getarnt als humanitäre Interventionen, auslösen.</p>
<p><strong>Wenig abwechslungsreich, nirgends gebrochen</strong></p>
<p>Einige Zuschauer verlassen schon vor Schluss den Saal, das sieht aus, als gehöre es zum Spiel, ist aber nicht so, viele husten, einige kämpfen gegen den Schlaf an, das Ganze ist einfach zu wenig abwechslungsreich, nirgends gebrochen, nirgends durch Gegensätze oder Vergleiche oder Übertragungen spannend gemacht, kein Volk wurde gezeigt, keine politische Forderung genannt, nur immer die gebetsmühlenhaften Selbstbeschuldigungen und vergeblichen Ursachenforschungen der ZK-Mitglieder in ihren hellgrauen Anzügen, die sich zum Gaudi aller mit Genosse Heinz, Genossin Elke usw. ansprechen.</p>
<p><strong>Zweck verfehlt</strong></p>
<p>Wenn das Ziel sein sollte, die Bösartigkeit einer diktatorischen Machtchlique zu zeigen, so wurde es verfehlt, das ließ sich so gut wie gar nicht ableiten, konservative Ost- und Westler mussten also enttäuscht sein, die Mächtigen des Unrechtsregimes nur als zerknirschte Leute zu sehen, die keiner Fliege was zuleide tun können. Wenn das Ziel war, den Menschen mit DDR-Hintergrund etwas Wichtiges zum Verständnis der DDR-Geschichte mitzuteilen, so muss man das ebenso als verfehlt betrachten, denn dieses alles schienen viele zur Genüge zu kennen, es demütigte sie, oder belustigte sie, weil es ihre Staatsmänner derart schwächlich zeigte. Wenn das Ziel war, den Menschen mit BRD-Hintergrund etwas Bedeutendes über die DDR zu erklären, so hat man hier sicher den größten Ermüdungserfolg zu verzeichnen. So hat die Sache ihren eigenen Zweck verfehlt.</p>
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		<title>Kinder der Kriegskinder</title>
		<link>http://www.anjaroehl.de/kinder-der-kriegskinder/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 15:43:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Artikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Vortragsauszug, gehalten am 30.3. 12, auf dem 26. Jahreskongress der GPPP: Aus: Die Wohlgesinnten, Littell: „Man hat in Russland nie von den KL in Lublin oder Schlesien gehört, aber der einfache Straßenbahnschaffner in Berlin oder Düsseldorf  weiß, dass dort Menschen verbrannt werden. Ganz Deutschland ist ein riesiges Gespinst von Gerüchten…. Ermutigend ist,  dass die Menschen trotzdem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vortragsauszug, gehalten am 30.3. 12, auf dem 26. Jahreskongress der GPPP:</strong></p>
<p><strong>Aus: Die Wohlgesinnten, Littell</strong>: <em>„Man hat in Russland nie von den KL in Lublin oder Schlesien gehört, aber der einfache Straßenbahnschaffner in Berlin oder Düsseldorf  weiß, dass dort Menschen verbrannt werden. Ganz Deutschland ist ein riesiges Gespinst von Gerüchten…. Ermutigend ist,  dass die Menschen trotzdem die Partei und den Staat unterstützen, sie glauben noch an den Führer und den Endsieg. Und was beweist das? Das der nationalsozialistische Geist zu <strong>der Wahrheit</strong> im Alltag unseres Volkes geworden ist, &#8230; bis in den letzten Winkel vorgedrungen. Daher wird er überdauern, selbst wenn wir den Krieg verlieren. (Littell, S. 768)</em></p>
<p><strong>Immer noch Krieg – Eine biografische Sicht</strong></p>
<p><strong>Ich bin ein Kind von Kriegskindern, meine Eltern pflegten zu sagen, dass der Krieg ihnen die Jugend genommen hätte. Meine Kindheit verlief unmittelbar und unbedingt unter dem von meinen Eltern erlebten Kriegsvorkommnissen, ohne Krieg wäre meine Kindheit anders verlaufen. </strong></p>
<p>Ich werde ihnen jetzt hier etwas von meinen Eltern erzählen. Keineswegs will ich diese damit bloß und als schlechte Menschen hinstellen. Sie sollen hier nur Beispiel sein. Sie stehen hier stellvertretend.  Ich nehme sie und mich als Studienobjekte, da ich sie und mich in den ersten 15 Jahren meines Lebens besser als alle anderen Menschen der Welt kennengelernt habe.</p>
<p>Ich nehme sie als Studienobjekte für das, was Erika Mann in ihrer Untersuchung: „10 Millionen Kinder“ vorausgesagt hat, nämlich die unglaublichste Charakterverbiegung der Kinder durch die besondere Nazi-Erziehung zum Hass und zum Krieg. Ich will ihnen etwas davon erzählen, wie das im Konkreten entstanden sein mag und beleuchte dann kurz, wie es sich ausgewirkt hat. Zum ersten berufe ich mich auf meine persönlichen Erkundungen, Schlussfolgerungen und Vermutungen, zum zweiten nehme ich mich selbst als Studienobjekt. Sie sehen, ein durch und durch subjektiver Bericht, der keine Allgemeingültigkeit behauptet.</p>
<p>Meine Eltern, das ist mein Fazit, handelten durchaus folgerichtig, ihrer Zeit, ihren Einflüssen und ihren Erlebnissen entsprechend. Sie gingen den Weg einer unbewussten Verarbeitungsstrategie. Sie stehen hier stellvertretend für eine Generation, die eine Kindheit im prosperierenden Nazi-System verlebte, in die ein lange vorausgesagter Krieg wie etwas Selbstverständliches einfiel, der sich zu einer zunehmenden Katastrophe mit unvorhersehbaren Folgen für sie auswuchs. Ihre Namen sind austauschbar, und doch ist es eine ganz persönliche, ganz private und ganz konkrete Geschichte.</p>
<p align="center">*</p>
<p>Erster bedeutendster Richtsatz: Nicht der Krieg mit seinen Bomben hat das Leben meiner Eltern bestimmt, von ihnen waren sie sogar  weitestgehend verschont geblieben, sondern der Krieg als Einstellung, als Lebenshaltung, als Ziel, als Sinn, als Pflicht, als Angst, als die Vorstellung von grässlichen Feinden, die ihre Familie, ihr Land und ihr Zuhause bedrohen, als Vorstellung, dass man unbedingt „siegen“ müsse, als etwas die gesamte Gesellschaft sozial Durchziehendes, als etwas, mit dem sie schon in den ersten Schuljahren aufwuchsen, eng mit der Ideologie von Stärke und Kampf, Waffen und Sieg verknüpft, mit dem Gefühl einer unbedingten Notwendigkeit für die Obrigkeit einzutreten, da diese schon wisse, was sie täte und mit wachsamem Misstrauen, imaginären Feinden gegenüber, verbunden mit der Bereitschaft, in jedem Feind, wie verlangt, übermenschliche Bösartigkeiten zu entdecken. Unklar vernebelt hat sich dies mit dem immer gegenwärtigen, aber abstrakt gebliebenen Gefühl des Sterbens verbunden, sowohl des eigenen, als heldenhafte Tat, für etwas unklar Wichtiges, als auch das des Feindes, das man als „notwendig“, als erleichternden Ausweg aus einer Bedrohung phantasierte.</p>
<p>Beide wuchsen sie seit ihrem Kindergartenalter im Gefüge der Nazi-Kriegspropaganda heran und der Krieg wurde ihnen zum dauerhaften Kindheitsbegleiter. Erst als ständige Bedrohung, gegen die man sich wappnen müsse, dann als real eingetretener Ernstfall, der nun herrschte&#8230;</p>
<p><em>Der vollständige Text (33.000 Zeichen) wird im Tagungsband veröffentlicht. 26. Jahrestagung der </em><a href="http://www.psychohistorie.de/">Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie, GPPP</a><em> </em></p>
<p><em>Kontaktadresse: Prof. Dr. Winfried Kurth und Dipl.-Soz. Heike Knoch Georg-August-Universität Göttingen Büsgeninstitut – Abteilung Ökoinformatik Büsgenweg 4, 37077 Göttingen Telefon (0551) 39-9715, (0172) 5664458, Fax (0551) 39-3465 E-Mail: wk@informatik.uni-goettingen.de Internet: www.uni-goettingen.de/de/72781.html</em></p>
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