Anja Röhl

Grips Spielzeitvorschau 2018/19

Am 13. Juni lud das Grips-Theater zur alljährlichen Spielzeitvorschau ein, wie immer mit unterhaltsamen und überraschenden Szenen-Episoden der kommenden Uraufführungen und Premieren, mit Interviews der AutorInnen und RegisseurInnen, mit Liedern, mit Ideen und diesmal mit einer enormen Vielfalt an Mitmach-Sensationen des Fördervereins.

Als es dem Theater 2013 mal schlecht ging, da Senatsförderung ausblieb, gründeten Grips-Freunde den Förderverein, der nun die tollsten Aktionen mit Nichtregierungsorganisationen veranstaltet, zum Beispiel Kinderkarten auf Rezept, eine Kooperationsaktion mit Kinderärzten, Weiterführung des Projekts KontaktlehrerInnen, Ausbau der theaterpädagogischen Arbeit, Workshops mit Laienschauspielern jeden Alters und am Ende: Planung eines „Traums“, ein neues, schönes Haus, in dem endlich Platz ist, soll im Hansakiez entstehen.

Dann wurden Szenen aus den folgenden Stücken gezeigt:

„Vier sind hier“ für die Kleinsten, ein assoziativ-expressives Stück für alle ab zwei. Die Erwachsenen treten im Frack auf und bewegen sich dabei aber wie Kleinkinder.

„Dschabber“, ab 13, ein Jugendstück, in dem es um Fatima geht, ein Mädchen mit Kopftuch. Sie wird doof behandelt, weiß sich aber zu wehren.

„Special Cheers“ ist ein Inklusionsstück, ab 15: In einem Tanzverein herrscht Geldnot, also möchte man sich mit Menschen mit Behinderungen helfen, die das dicke Geld einbringen, wie der Vorsitzende mutmaßt. Das kann nicht gutgehen. Es spielen Menschen mit Behinderungen mit.

„Das Nacktschnecken-Game“ handelt von erster Sexualität, verbunden mit phantastischen Elementen im Computerspielzeitalter, hier ist die irrwitzige Idee umgesetzt worden, dass vier Jugendliche in eine Nacktschnecke versetzt wurden, wo es glibberig, eklig, kalt und eng ist, es handelt sich nicht um eine Drogenphantasie, sondern um den Einfall einer Autorin, die die schwierig-unsichere Zeit der Pubertät in Szene setzen will, ein Stück zum Ängsteabbau.

„Fatti, Kiki, Korna und Valentin“ ist die griechisch-aktuelle Variante eines uralten Stückes, mit dem 1969 „die erste Generation zukünftiger 80er-Jahre-Hausbesetzer herangebildet“ wurde (Balle, Malle, Hupe und Arthur), wo das Eigentum abgeschafft wird und ein Sozialismus im Kleinen geübt wird.

Der Theaterleiter Philipp Harpain gab sich herrlich laut als Rocksänger des Liedes: „Doof gebor´n ist keiner, doof wird man gemacht, wer da glaubt: Doof bleibt doof, der hat nicht nachgedacht!“ und wollte schon mal ankündigen: Im nächsten Jahr wird das Grips 50, dazu wird es ein Riesenfestival geben, zu dem emanzipative und künstlerische Kindertheater aus der ganzen Welt eingeladen sind.

Ein toller Abend und das Bedürfnis, sofort mit einzusteigen als Fördermitglied, vielleicht als gelegentliche Theaterspielerin in Lehrerfortbildungen, in Workshops, aktiv mit dabei sein, sich als Teil des Grips fühlen, des einzigartigen Kindertheaters, dessen Genialität nicht wenig mit dem an diesem Tage seinen 81. Geburtstag feiernden Volker Ludwig zu tun hat, der das linke Theater, das eine ganze Pädagogik reformierte, mit seiner Sprach- und Gestaltungskunst aus der Taufe hob, bereicherte, ein originelles Liedgut erdachte und zahllose Theaterstücke schrieb, die eine neue emanzipative Tradition schufen.

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