Anja Röhl

Heimerziehung in den 60er Jahren in der BRD

Heimerziehung in den 60er / 70er Jahren

Die Heimerziehung in der BRD war auch nach 1945 grausam, ausbeuterisch und brutal. Sie arbeitete mit Mitteln der Einschüchterung, Demütigung körperlichen und seelischen Gewalt.

Nach der ersten Welle der Aufdeckung durch Ulrike Meinhof, die den Heimmädchen erstmalig eine öffentliche Stimme in Rundfunk und Fernsehen verlieh und den praktischen Erfahrungen von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und anderen in Institutionen der Heimerziehung, die dort rein erhaltene Nazi-Erziehung vorfanden, gegen die die Jugendlichen mit Bambule und Massen-Suiciden reagierten, entwickelte sich die „Heimkinderbefreiungsbewegung“ im Laufe der es zu Massenausbrüchen und einer gegen den Staat bewaffnet operierenden Radikalisierung vieler der Betreffenden und ihrer Helfer kam.

Nachdem die meisten von ihnen Jahre später im Knast landeten und darin auch zT zu Tode kamen, dauerte es bis ins Jahr 2006, als durch den irischen Film: „Die unbarmherzigen Schwestern“ sich auch hierzulande Hunderte betroffener ehemaliger Heimkinder wieder öffentlich zu Wort meldeten.

Ihre Stimmen wurden in dem Buch von Peter Wensierski: Schläge im Namen des Herrn zusammengefasst, woraufhin ein öffentlicher Ausschuss zur Untersuchung eingerichtet wurde, aus dem ein Wiedergutmachungs-Fonds hervorging. Inzwischen steht fest: In etwa 3000 Heimen der öffentlichen Fürsorge wurden bis 1975, über 800.000 Kinder und Jugendliche gequält, ausgebeutet und unter unmenschliche Bedingungen festgehalten. Sie wurden durch dieserart Behandlung meist für ihr ganzes Leben geschädigt.

Aufarbeitung

Viele Heime arbeiten inzwischen ihre Geschichte auf, ganz besonders hat sich hier Freistatt hervorgetan, hier ist ein Museum im ehemaligen Jugenheim entstanden, nachdem in ihren Originalräumen ein sehr guter Film gemacht worden ist. Aber auch Glückstadt u.v.a. haben Dokumentationen erstellen lassen, in denen sie aufklären. Die wenigsten finden Worte der Entschuldigung für ihre ehemaligen Zöglinge.

Es hat sich eine Runder Tisch Heimerziehung und ein Fonds gegründet und es sind Vereine und Verbände ehemaliger Heimkinder entstanden. Allen aber ist klar, dass kein Geld ihnen ihre fehlenden Lebenschancen ersetzen kann. Es bleibt ihnen daher nur die Chance zu mahnen, zu erinnern und sich für ein „Nie wieder!“ einzusetzen

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Leider haben wir es heute mit einer erneuten Brutalisierung von institutioneller Erziehung zu tun, das liegt zT an der Privatisierung öffentlicher Daseinsfürsorge unter Bedingungen größtmöglicher Kostenersparnis.

Ein Beispiel:

http://www.br.de/nachrichten/sozialministerium-reaktion-br-recherche-kinderheime-100.html