Anja Röhl

Verschickungsheime

Verschickungen –

Das war nach 1945 der Sammelbegriff für das Verbringen von Klein- und Schulkindern, wegen gesundheitlicher Probleme in  Kinderkuren, Kindererholungsheime und -stätten in den 50/60/70er bis in die 80er Jahre. Vorläufer waren die Kinderlandverschickungen in der Weimarer Republik und unter den Nazis. Die „Verschickungen“ werden häufig als traumatisierend erinnert.

Aktuelles:

KONGRESS  „Verschickungskinder“

Öffentlicher Kongress zur Aufarbeitung des Elends der „Verschickungskinder“ in den 50/60/70/bis 80er Jahren auf den nordfriesischen Inseln und in ganz Deutschland

Wo:

Gebäude Alte Post, Stephanstraße 6, in 25980 Sylt/ OT Westerland

Wann:

Am 21./24.11.19 November 2019 (21.11. ist Anreise-, 24. ist Abreisetag)

Wir bedanken uns sehr bei der Gemeinde Westerland/Sylt! Sie hat uns einen Tagungsraum für 60 Personen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Bürgermeisteramt von Sylt möchte sich an der Aufarbeitung dieses Kapitel ihrer und unserer Geschichte aktiv beteiligen !

Anmeldung bitte unter: anjairinaroehl@gmail.com

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War die „Verschickung“ eine Kindererholung?

Ganz besonders Arbeiterkinder wurden in den 60er Jahren in der BRD zu Millionen in Kinderkuren gegeben, oft als  „Kassenverschickungen“ indem ein Arzt das Attest ausschrieb. Die Krankenkassen bezahlten den „Erholungsaufenthalt“ .  Jedoch viele dieser Kinder kamen traumatisiert zurück.

Die Landerholungs- und Kurkinderheime lagen abseits der Metropolen, vielfach in Wald- und Küstengebieten, dort waren auch schon unter den Nazis Landerholungsstätten (oft paramilitärische Drillanstalten) gewesen und dienten während des Krieges zur Evakuierung / Landverschickung.  Später dienten sie noch eine Zeit lang der Versorgung und Unterbringung von den 2 Millionen Kriegswaisen.

Nach 1945 wurden manche dieser Kindererholungsheime /Landverschickungsheime  von den Kassen übernommen, andere von den Kirchen, andere von privat. Ende der 50er Jahre muss es zu Werbekampagnen der Krankenkassen gekommen sein, die an die Hausärzte in den Arbeiter- und kleinen Angestelltengebieten herantraten, doch unbedingt möglichst viele Kinder zu schicken.

Es kam ab den 60er Jahren zu einem Boom von Verschickungen.

Bronchitis, Über- oder Untergewicht, zu dünn, zu dick, zu blass, es reichten Kleinigkeiten aus, dass den Eltern geraten wurde, ihre Kinder zu „verschicken“. Was so geschah, dass man sie ab frühestem Alter allein in einen Zug setzte. Geraten wurde, den Kindern nichts davon zu erzählen, dass sie allein fahren müssten, um das „Heimweh“ zu vermindern. Das Alleingelassenwerden wurde damals nicht thematisiert.

Krankenkassen warben mit frischer Seeluft

Sie rieten besonders diejenigen Kinder aufzunehmen, deren Familien sich keinen Sommerurlaub mit ihren Kindern und frische Seeluft leisten konnten.

Essen als Strafe

Die „Verschickungsheime“, wie sie genannt wurden, waren Häuser, in die Kinder ab frühestem Alter, ab dem 2./3./4. Lebensjahr allein „geschickt“ wurden,  6-8 Wochen lang,  fremden „Tanten“ ohne jede Eingewöhnung überlassen. Diese wurden 30-50 Kindern zugeordnet und versuchten mittels Drohungen, schlechtem Essen, Isolationsstrafen, Demütigungen, Essen als Strafe, (brutale Einfütterung), Schlafstrafen oder -entzug, Ans-Bett-Fesseln, in den Waschraum sperren, Trennung von Geschwistern, Mund und Augen zukleben und vielem mehr „duchzukommen“.

Einerseits waren die Erzieherinnen, Pflegerinnen und Hilfskräfte überfordert, andererseits waren sie noch unter der Ideologie der Nazi-Pädagogik, der Erziehungsprinzipien Hitlers, die da lauteten: „Nur das Starke hat das Recht zu existieren – Das Schwache muss ausgemerzt werden“ erzogen und ausgebildet worden.

Der Erholungswert dieser Kuren ist im Nachhinein stark anzuzweifeln, es ist von massiver Traumatisierung auszugehen.  Es melden sich täglich mehr Augenzeugen, die von Erlebnissen berichten, die heute als schwere Kindesmisshandlung gelten.

Schulausfall wurde nicht ausgeglichen

Die Kuren lagen grundsätzlich nicht in den Ferien, sondern wurden über das ganze Jahr verteilt, womit die Auslastung der Heime gleichmäßig erfolgte. Der dadurch hervorgerufene Schulausfall wurde meist nicht ausgeglichen. Viele verloren damit schulisch den Anschluss oder mussten ein Jahr dranhängen oder ausfallen lassen. Oft wurden die Kinder aber vor dem Schuleintritt in diese Heime gegeben. Die jüngsten waren 2 Jahre alt, sie reisten meist mit älteren Geschwistern, von denen sie aber sofort bei Eintritt des Heimes getrennt wurden. Ab 4 Jahre(!) reisten die Kinder ganz allein.

Wer ist Betroffene oder Betroffener ?

Diese Opfer haben bisher keine öffentliche Stimme, das soll nun anders werden, deshalb der Kongress, zu dem auch pädagogische Referenten eingeladen sind. Ein Vorbereitungstreffen wird im Sommer in Berlin stattfinden.

Vertiefungsinterviews

Ich mache Vertiefungsinterviews für ein Buchprojekt. Wer will kann mir schreiben, wer will, kann besucht werden und mehr erzählen, meldet Euch mit euren Erlebnistexten oder zur Verabredung eines Interviews unter der Telefonnummer: 0176-24324947, oder unter der Postanschrift: A.Röhl, Uferstraße 92, 15517 Fürstenwalde/Spree.

Legt Zeugnis ab!

Wer hier auf der Seite seine Erlebnisse hineinschreibt, legt Zeugnis ab und hilft mit, dass wir Glaubwürdigkeit bekommen und unsere Erlebnisse nicht als Einzelfälle verharmlost werden können. Ich danke allen, die hier schreiben!

Zum Einlesen: http://www.anjaroehl.de/wyk-auf-fohr-%E2%80%93-verschickung

Aktueller Artikel zum Thema:

https://www.tagesspiegel.de/politik/kindesmissbrauch-in-der-nachkriegszeit-ferienverschickung-vor-allem-tat-meist-das-heim-weh/22779554.html

Wenn Ihr miteinander ins Gespräch kommen wollt, um eure Erfahrungen auszutauschen, so gebt in eurem Beitrag eure eigene Mailadresse direkt mit dem Aufruf euch anzumalen an, dann können euch diejenigen schreiben, die im gleichen Heim waren. Eine andere Möglichkeit sehe ich momentan nicht. Ich arbeite daran, die Kommentierenden nach Heimorten zu sortieren, damit wir auf dem Kongress das dann so vorbereitet haben.

Ich kann aber nicht die Verantwortung übernehmen, fremde mailadressen rauszugeben und habe auch nicht die Zeit zwischen über 200 Menschen zu vermitteln. Bitte versteht das. Ich bringe nah Heimorten sortierte Listen mit auf den Kongress!

Unter Forum romanum probiere ich grade aus, etwas zu installieren, wo sich die Schreibenden gegenseitig anmailen können, es klappt aber noch nicht,außerdem kommt da Zuviel Werbung. Bitte habt Geduld mit mir!

Wichtig:

Es gab bzgl. der Heimkinder der Fürsorgeanstalten ab 2012 eine Projektstelle Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung 1949-1975, Dies ist leider nur in Baden- Würtemberg und auch 2018 ausgelaufen

https://www.landesarchiv-bw.de/web/61032

Sie nannte sich:  Projektstelle Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung 1949-1975 im Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. II: Fachprogramme und Bildungsarbeit, Eugenstr.7, 70182 Stuttgart, Tel.: 0711 212 4272

Dort gab es ein HEIMVERZEICHNIS:

https://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/62617/Heimverzeichnis.pdf

Da sind zT auch Kinderheilstätten dabei. Eine eigene Recherchestelle müssen wir als Verschickungskinder aktuell fordern.

Die meisten heutigen Kinderheilstätten schreiben in Ihren Broschüren über ihre Geschichte nur Gutes, sie loben die Gründer, die Erzieherinnen und Schwestern, es gibt in keiner auch nur ein einziges Wort über die Tatsache, dass und wie Kinder dort seinerzeit gelitten haben. Aufgabe unsererseits könnte sein, unsere Augenzeugenberichte zu sammeln und sie an alle Kinderheilstätten mit der Bitte um Einarbeitung in ihre geschichtlichen Rückblicke zu schicken.

Unter Kinderlandverschickung findet man bei Wikipedia einen absolut die NS-Zeit verharmlosenden Beitrag, ohne jeden Bezug zum Leiden der Kinder und zum erklärten Ziel der Nazis, alle Kinder mit Gewalt zu bedingungslosem Gehorsam zu drillen, durch Angst zu verstören, durch Tötungsrituale für den Krieg auszubilden, ich empfehle dazu den Film Napola

Die Verschickungen in den 50/60/70er Jahren bis in die 80er Jahre hinein müssen gründlich erforscht, ihre Geschichte muss aufgearbeitet werden, das Leiden der damaligen Kinder darf nicht vergessen sein, die Praxis dieser Heime darf nicht verharmlost werden!

Kommentare

Es gibt 154 Kommentare für "Verschickungsheime"

  • V.W. sagt:

    Sehr geehrte Frau Röhl, ich freue mich, dass ich endlich eine Seite gefunden habe, die sich mit diesen Schrecken beschäftigt!

    Ich selbst habe durch meine gesamte biologische Familie ALLE Arten des Missbrauchs über die ersten 17 Jahre meines Lebens erfahren. Da der erste sexuelle Missbrauch mit 4 Jahren durch meinen Vater erfolgte, entwickelte ich sofort eine schwerwiegende Essstörung und wurde „zu dick“.

    Als ich 8 Jahre alt war (1994), wurde ich dann von heute auf morgen zur „Kur“ nach Wyk auf Föhr geschickt. Damals hat man mir nichts erzählt, sondern nur gesagt, ich müsse jetzt zur Kur, weil ich zu fett sei. Ich reiste mutterseelenallein auf einem Schiff mit über hundert anderen Kindern zwischen 2 und 10 Jahren. Alle weinten und waren schwer verstört.

    Das Heim selbst war ein sehr großes, kahles Gebäude, das wie ein Krankenhaus aussah.
    Da mir erst jetzt mit 32 langsam durch meine Therapie bewusst wird, was mir dort noch zusätzlich angetan wurde, kann ich mich nur an sehr wenig erinnern.

    Man musste durch einen dunklen, langen Keller gehen, bis man im Inneren des Gebäudes war. Mädchen und Jungs wurden sofort getrennt. Ich musste mit 18 fremden Mädchen in einem Zimmer schlafen und hatte keine Privatsphäre.

    Nach 18 Uhr durfte man das Zimmer nicht verlassen und nachts nicht auf die Toilette. Morgens musste man bis zur Erschöpfung Sport treiben und bekam so gut wie nichts zu essen. Magerquark und Paprika waren an der Tagesordnung.

    Ein Mal pro Woche erfolgte das große Wiegen, vor dem wir alle Angst hatten. Wir mussten uns bereits auf dem Flur vor allen anderen bis auf das Höschen ausziehen, damit der Wiegevorgang so schnell wie möglich von statten ging.

    Es wurde nicht mit uns gesprochen, und es wurde auch nicht gespielt. Gut, das kannte ich von zu Hause nicht anders, für die anderen Kinder, die normale Eltern hatten, war es aber ganz schlimm.

    Furchtbar fand ich, dass jeder ständig Zugriff auf mein bisschen Eigentum hatte, das ich mitnehmen durfte. Ständig schlugen mich die anderen Kinder und stahlen meine Sachen. Auch das kannte ich von zu Hause nicht anders.

    Das Schrecklichste war allerdings, dass wir kaum etwas zu Trinken bekommen haben, vor allem um 18 Uhr beim „Abendbrot“, das für uns „Dicke“ sehr spärlich ausfiel. Wenn man dann nicht in Sturzbächen den ekligen Tee in sich hineingekippt hatte, gab es bis zum nächsten Morgen um 9:30 nach dem Sport keinen Tropfen.

    In diesem Verschickungsheim wurden zu „dicke“ und zu „dünne“ Kinder aufbewahrt, um eben ab- oder zuzunehmen. Ich selber kann nur von uns Dicken erzählen. Die „Dünnen“, die es, nach unserem Empfinden, „besser“ hatten, wurden durch eine Trennwand im Speisesaal von uns abgeschottet.

    Vor einigen Wochen wurde mir plötzlich vieles von damals wieder bewusst. Ein Betreuer, vor dem viele von uns, vor allem Mädchen, wahnsinnige Angst hatten, hat mich dort sexuell missbraucht.

    Was uns allen passiert ist, haben viele hier schon erwähnt. Dennoch möchte ich es der Vollständigkeit halber nicht auslassen.

    Unsere Betten und Habseligkeiten wurden, wenn die Betreuer Lust hatten, durchwühlt, um zu verhindern, dass wir heimlich naschen. Es gab dort weit uns breit nichts, außer dem Strand, sodass wir uns nichts richtiges zu essen und auch nichts zu naschen kaufen konnten.
    Zu dem sexuellen Mißbrauch möchte ich keine Einzelheiten öffentlich nennen, damit niemand schwer getriggert wird.

    Generell lief das dort alles ab wie beim Militär, oder wie bei mir „zu Hause“. Ich kannte es nicht anders und war deshalb ein sehr leichtes Opfer.

    Dieses Verschickungsheim wurde 1995 oder 1996 geschlossen, weil es Kinder gab, die sich an den sexuellen Missbrauch erinnern konnten und das Glück hatten, Eltern zu haben, die sich für sie interessierten und ihnen zuhörten. Diese stellten Strafanzeige und das Heim wurde geschlossen.

    Diesen Umstand habe ich nur aus der Zeitung erfahren, als meine Mutter abfällig zu mir meinte: Ach, das ist doch das Kurheim, in dem du warst! Das wird jetzt geschlossen, weil sie dort reihenweise Kinder vergewaltigt haben.“ Ob mir da etwas passiert ist, hat niemanden interessiert.

    Leider gab es damals noch kein Internet und heutzutage findet man über diese Einrichtung keine Informationen mehr. Lediglich, dass die AOK 1998 ein bestimmtes Heim aufgekauft und renoviert habe – Das könnte es sein.

    Zumindest weiß ich, dass die AOK diese Verschickung damals bezahlt hat.

    Natürlich lagen die drei Monate, die ich dort bleiben musste (wer zu wenig abnahm, musste zur Strafe noch einen Monat länger bleiben) in der normalen Schulzeit.

    Unterricht gab es dort nicht. Wir mussten unsere Schulbücher mitnehmen und sollten in unserer Freizeit eigenständig lernen.

    Das einzig „Positive“, an das ich mich erinnere, ist, dass wir damals den ersten Ghostbusters- Film auf einem winzigen Schwarz-Weiß-Fernseher sehen durften und dazu einen Lebkuchenmann bekamen.

    Ich hasste Lebkuchen schon damals und würgte das Ding unter Tränen runter, da ich froh war, überhaupt mal etwas zu Essen zu bekommen.

    Es war im Speisesaal, dieses Mal ohne die Trennwand, und so saßen wir mit ca. 250 Kindern eng gedrängt in dem Raum und starrten wie gebannt auf den Mini- Fernseher.

    Wir wurden gezwungen, alles, was wir aßen, penibel aufzuschreiben und, bevor wir es essen durften, den Kalorienwert zu schätzen. Wer weinte, Heimweh hatte oder sonst irgendwie seinen Gefühlen freien Lauf ließ, wurde extra bestraft. Dieses Prozedere kannte ich bereits von „zu Hause“, daher war ich perfekt angepasst und weinte nur direkt nach dem sexuellen Mißbrauch, was auch wieder hart bestraft wurde.

    Ich fühle mit allen Menschen, die jemals so ein abartiges „Kinderkurheim“ von Innen sehen mussten und kann viele Geschichten hier nur bestätigen. Die schwerwiegenden Traumata, die allein durch diese Verschickung angerichtet wurden, hätten gereicht, um eine zarte Kinderseele vollends zu zerstören.

    Da ich persönlich „zu Hause“ genauso behandelt wurde, habe ich eine schwere komplexe posttraumatische Belastungsstörung, chronische Migräne, Alpträume, Sozialphobie, Burn-Out, und chronische Depressionen entwickelt.
    Es ist einfach nur grausam, was sie uns damals alles angetan haben, vor allem auch noch legal! Der Zusatzparagraph für schweren sexuellen Missbrauch wurde erst 1998 eingeführt. Alles, was davor liegt, verjährte bereits innerhalb von drei Jahren, manchmal sogar innerhalb eines Jahres.

    Diese Verschickungsheime waren einfach nur Gefängnisse für unschuldige Kinder, um die sich niemand kümmern wollte, mit denen nie jemand geredet hat und die mit härtestem NS- Drill gebrochen wurden.

    Es ist wichtig, dass wir uns wieder erinnern können und uns endlich trauen, zu sagen, was man dort mit uns gemacht hat! Nur, weil es damals niemanden interessiert hat, dürfen diese massiven Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht totgeschwiegen werden!

    Für mich ist es kaum zu ertragen, dass diese „Betreuer“ oder „Erzieher“ dort auch noch richtig gut an uns verdient haben. Dafür, dass sie nichts getan haben, außer uns zu quälen und zu foltern.

    Bitte, wenn auch Du, der oder die das hier liest, dich an deine Verschickung erinnerst, erhebe deine Stimme! Es darf nicht noch weiter bagatellisiert werden.

  • V.W. sagt:

    Ein kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar:

    Durch die vielen hilfreichen Kommentare der anderen Leidensgenossen und Leidensgenossinnen habe ich mit Entsetzen eben erfahren, dass dieses grausame Heim, in das man mich 1994 verfrachtet hat, immer noch existiert! Es wurde wohl zwischentzeitlich (ca 1995 oder 1996) geschlossen, aufgrund der Strafanzeigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und dann aufgekauft und renoviert. Jetzt existiert es wieder, wenn auch in einem anderen äußerlichen Gewand.

    Es war das Hamburger Kinder / Jugend Haus, Wyk auf Föhr, Sandwall 78 in 25938 Wyk auf Föhr.

    Vielen Dank an alle anderen, die hier kommentieren, endlich komme ich dem Schlüssel all meiner schweren Erkrankungen auf die Spur!

  • Christian sagt:

    Hallo V.W.

    ich bin auf Grund deiner Schilderungen erstaunt und entsetzt.
    Ein Teil deines Leidensweges kommt mir sehr bekannt vor, aber ich war 1967 in so einer Einrichtung.
    Ich habe nicht gedacht, dass es 1994 noch immer so schlimme Zustände gab.
    Weiß jemand, wann dieser Irrsinn mit den Verschickungen endgültig eingestellt wurde?

    MfG
    Christian

  • Maren Urbisch sagt:

    Hallo Frau Roehl!
    Auch ich war zur „Verschickung“. Ich war 5 Jahre alt und obwohl meine Eltern immer fragten, ob ich gerne weg wollte und ich immer mit ja geantwortet habe, so war mir nicht im klaren, wie lange 6 Wochen sind. Der Arzt hielt mich für zu dünn. Es ging mit anderen Kinder mit dem Bus nach Hanstedt in der Nordheide. Die Einrichtung hieß Klinik Hansenbarg. Es war in der Zeit Oktober/November 1970. Es gab dort eine Frau Birkenstock. Kann mich aber nicht mehr an sie erinnern. Es waren nur Mädchen dort und liefen wohl alle ziemlich verwahrlost rum. Unsere Schürsenkel waren offen und die Laufnasen wurden auch nicht gesäubert. Wir mussten unsere Teller immer aufessen, auch wenn wir satt waren. Ich habe mich jeden Abend in den Schlaf geweint und dachte, meine Eltern seien tot. Erinnern kann ich mich noch, dass wir beim wandern das Lied „Wenn die bunten Fahnen wehen“ gesungen haben.

    Das mit dem Aufpäppeln hat ganz gut geklappt : mit 6 Jahren hatte ich schon Übergewicht ! Jetzt Adipositas, Diabetes Typ 2 und Lymph- und Lipödeme. Vielleicht durch Trauma .

    So, das ist meine Geschichte

    Mit freundlichen Grüßen

    Maren Urbisch

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