Anja Röhl

Verschickungskinder-Verschickungsheime

Verschickungskinder –

Das waren in den 50er bis 90 er Jahren Kinder, die allein, ohne Eltern, in Kinderkuren, Kindererholungsheime und – Kinderheilstätten verschickt wurden.

Die Kleinkinder wurden allein und in Sammeltransporten in weit entfernt liegende „Erholungsheime“ und Kinderheilstätten „verschickt“.  Nach vorläufigen Recherchen handelt es sich um mindestens 8 – 12 Millionen betroffene Kinder.  

Vorläufer waren die Kinderlandverschickungen in der Weimarer Republik und danach die in die NSV-Heime unter den Nazis. Die Verschickungskinder meldeten sich ab 2019 vermehrt mit erschütternden Berichten, in denen Sie ihre Kuraufenthalte häufig als traumatisierend erinnerten.

Es gibt dazu eine weiterführende Internetseite: www.verschickungsheime.de

Erlebnisberichte sammeln wir öffentlich, damit man uns glaubt, unter diesem link:  http://verschickungsheime.de/zeugnis-ablegen-erlebnisberichte-schreiben/

Kommentare

Es gibt 220 Kommentare für "Verschickungskinder-Verschickungsheime"

  • Birgit sagt:

    Liebe Anja, liebe verschickte Kinder, ich habe soeben den Fernsehbericht über „Verschickte Kinder“ gesehen und da kam alles wieder hoch. Das zwanghafte Essen bis zum Erbrechen, die Einsamkeit und das Gefühl des Verlassenseins, die Angst etwas falsch zu machen, die Schläge mit dem Pantoffel von „Schwester Erika“, die Kommandos beim Duschen, der riesige Schlafsaal, das Eingesperrt werden. Bis heute mag ich keine verschlossenen Türen und sehe überall als Erstes nach dem Ausgang. Sitze auch nie in der Mitte im Kino oder Theater. Ich muss immer Platz um mich herum haben und flüchten können.
    Ich bin Jahrgang 1954 und wurde im Februar 1964 nach Haffkrug an der Ostsee verschickt. Ich sollte ab April auf das Gymnasium gehen und da meinten meine Eltern es täte mir gut etwas Kraft zu tanken und auch zuzunehmen. Ich war nicht zu dünn, ganz normal entwickelt. Welcher Arzt das befürwortet hat, weiß ich nicht. Ich meine mich nur zu erinnern, dass das Heim von der PRO war.
    Ich könnte noch vieles schreiben und werde das jetzt sicher demnächst auch tun und für meine Kinder festhalten.
    Liebe Grüße Birgit

  • Marion sagt:

    Guten Abend Frau Röhl,

    ich habe meine Erfahrungen bereits bei „Verschickungsheime.de“ beschrieben und heute bei „betreff“ auf SWR Neues und Grausiges gesehen und bin nun sehr beunruhigt:

    Mit drei Jahren kam ich 1951 mit TBC ins Kinderkrankenhaus Felicitas nach Berchtesgaden und wurde dort operiert, sicherlich von Dr. Albert Viethen (ich habe keine Unterlagen). Nach sechs Monaten wurde ich als geheilt entlassen. Nach ca. eineinhalb Jahren bekam ich eine knallrote Beule vorne am Hals ähnlich eines Adamapfels, nur größer. Man sagte meinen Eltern, dass es von der Lunge kommt und ich wurde in der Hauner’schen Kinderklinik 1953 in München operiert. Danach kam ich wieder für ein halbes Jahr nach Berchtesgaden ins Schönhäusl. Nachdem ich Dr. Viethen samt Lebenslauf heute in dieser Reportage „kennenlernen“ durfte, ist meine Angst als Versuchskaninchen wegen dieser „Nebenwirkung“ missbraucht worden zu sein, sehr groß! Wie könnte ich rausfinden, was es mit der Beule wirklich auf sich hatte und ob die TBC-Erkrankung dies als eine „normale“ Nachwirkung erklärt. Meinen Pneumologen danach zu fragen ist zwecklos.
    Wenn Sie mir mit einem Rat helfen könnten, wäre ich sehr erleichtert und könnte Hoffnung schöpfen, denn das alles nimmt mich ganz schön mit.

    Vielen Dank im Voraus
    Mit freundlichen Grüßen
    Marion K.

  • Beate sagt:

    Hallo Anja, hallo Marion,
    ich war auch im Posterholungsheim Manderscheid in der Eifel, als 11 Jährige, ca. 1969. Die ganz Kleinen 2-4 Jährigen taten mir leid. Es war eine Zeit, wo unsere Eltern, vom Krieg traumatisiert, meist nicht so kritisch waren. Einen 2 Jährigen 6 Wochen an „Unbekannt“ abzugeben. Das ist heute kaum vorstellbar. Meine Eltern freuten sich, dass mein Bruder und ich nach dieser Erfahrung bescheidener und braver waren. Im Posterholungsheim wurden die kleinen Kinder bloß gestellt: „Der heult ständig“, wurde ein kleiner 2 oder 3 Jähriger vor allen abgekanzelt. An grassen Verstößen kann ich mich nicht erinnern, aber auch nicht an Empathie und Zuwendung.
    Herzliche Grüße, Beate

  • anja sagt:

    Liebe Marion, das, was sie vermuten, kann durchaus sein, Sie müssten eine Arzt ihres Vertrauens suchen, oder Gutachten suchen, oder Ihre Akte von damals vielleicht, dass die Ärzte dort medizinische versuche an den Verschickungskindern unternommen haben, kann als belegt angesehen werden. Wir wissen nur noch nicht,in welchem Ausmaß. Es sind aber schon Forschende da dran, man muss die Archive der Pharmafirmen durchsuchen, dort liegen alle Unterlagen medizinischer Versuche, wenden Sie sich an die, alle Pharrmafirmen haben Archive, Grüße

  • Maritta Wieditz sagt:

    Habe auch die Reportage am gestrigen Abend im Fernsehen gesehen und mich an meine Erholungskur im -Haus am Meer- in Cuxhaven Duhnen im Jahre 1960 erinnert.
    Ich war zu dieser Zeit 10 Jahre.
    Die Erholung wurde ermöglicht von der Deutschen Bundesbahn, da mein Vater dort beschäftigt war.
    Bruchstückhaft erinnere ich mich an die Anfahrt. Am Bahnhof nahm mich eine Tante in Empfang, die schon mehrere Kinder aufgenommen hatte.
    Sie begleitete uns nach Cuxhaven und lieferte uns dort ab..
    Ich hatte von Anfang an schlimmes Heimweh und weinte auch Nachts viel.
    Dies hatte zur Folge, dass ich aus dem Schlafsaal mit mindestens 10 Kindern, in ein Einzelzimmer verlegt wurde. Dies verschlimmerte mein Heimweh noch.
    Schlechte Erinnerungen habe ich auch noch an die Mahlzeiten wo wir zum aufessen gezwungen wurden. Es gab halt viel zu Essen, was ich zu der Zeit gar nicht mochte.
    In unguter Erinnerung sind mir noch die Krabben, die wir damals als Würmer bezeichnet haben. Trotzdem esse ich sie heute sehr gerne.
    Sonst ist mir eigentlich nichts Negatives in Erinnerung. Wir haben viel Zeit am heimeigenen Strand verbracht und auch einige Touren unternommen.
    War vor Jahren mal in Cuxhaven und habe das Heim gesucht. War total zerfallen und die Erinnerung hat mich total übermannt. Inzwischen soll es abgerissen sein.
    Gruß Maritta

  • Lucia Albig sagt:

    Ort des widerlichen Geschehens war die Kinderheilstätte Stieg / Unteralpfen. Mein Bruder und ich waren hier von Januar bis Mai / Juni 1971 zur sogenannten Kur. Ich verbinde damit viel schmerzvolle Erinnerungen in einer frostigen und lieblosen, seelenlosen Umgebung. Der einzige Mensch der mir als menschlich im besten Sinne in Erinnerung geblieben ist, war der Lehrer in dieser unseligen Institution. Man findet nichts über diesen Ort im Netz und ich wüsste gerne wo ich an Informationen kommen kann. Ich will das alles aufarbeiten.

  • anja sagt:

    Liebe Lucia, geh doch mal auf die Webseite: http://www.verschickungsheime.de, dort gibt es sehr viel AnsprechpartnerInnen, alle unter VERNETZUNG im Menü zu finden. Gern schicke ich dir einen Erstinfobrief zu, Grüße

  • Claus-G. Buchholtz sagt:

    Hallo Anja, auch ich habe durch Zufall am 17.02. den Bericht auf SWR gesehen und alle Erinnerungen brodelten im Körper, grausam! Dieses Jahr werde ich 60, habe meinen 10.Geburtstag im Heim verbracht, also Oktober 1971. 6 Wochen, über die Barmer, Haus „etwas mit Schlösschen/Schloss???“ Wyk auf Föhr.
    Die Ereignisse dieser 6 Wochen verfolgen Dich ein Leben lang. Weil ich kein Schwarzbrot mochte, bekam ich das nun täglich zum Frühstück mit Mettwurst… Mittagsschlaf und von abends bis zum Morgen durfte man nicht auf Toilette. Eine Nacht klappte es nicht und zur Strafe wurde ich in ein kleines Bad gebracht, durfte dort auf einer Klappliege schlafen. Ich mag bis heute keine kleinen Räume, kann nicht unter einem Veluxfenster schlafen.
    Wut und Haß kommen hoch. Die Heimleitung oder das Personal sollten sich heute mal trauen, vor mir zu stehen…Nach der „Kur“ bin ich in der Schule total abgegltten. Keine Konzentration mehr möglich, Schuljahre wiederholt. Ich habe das oft meinen Eltern zum Vorwurf gemacht, weil die mich ja dort hin geschickt haben. Mit meiner Mutter habe ich bis heute keinen richtigen Kontakt, sie wird in 2 Monaten 98. Mein Vater ist lange verstorben.
    Das war eine grausame Zeit, die mich bis heute in vielen Situationen verfolgt. Ich wusste gar nicht, das es soooo vielen Menschen so geht – man muss eben einfach darüber reden.
    Danke für diese Seite 😉

  • Martina sagt:

    @ Corina Dietz

    Hallo Corina Dietz,

    nach einem “ Kindererholungsheim“ im Schwarzwald/ Freudenstadt suche ich auch!
    Sind Sie fündig geworden?
    Dort gab es für wenig erfreuliches für mich…..
    Meine Reise zu dieser „Kur“ startete ich von Siegen – Geisweid 1971/1972.
    Vielleicht handelte es sich ja um dasselbe Haus ?!

    Mit vielen Grüßen
    Martina

  • Cornelia Kempers sagt:

    Liebe Anja Roehl !
    Von 1958 bis 1959 wurde ich als 4 jähriges Kind in eine Lungen-Heilstätte verschickt … für fast ein Jahr, … und ich werde schon seit vielen Jahren immer wieder von merkwürdigen Erinnerungen heimgesucht, von denen ich ahne, wo sie herkommen. Das Heim war in der Nähe von Hofgeismar und hieß wahrscheinlich Gesundbrunnen. Meine Mutter hat immer jede Nachfrage, ob sie etwas über Missbrauch dort wisse, ganz harsch verneint. Da die Kinder nur alle 6 Wochen Besuch kommen durften war auch ich schrecklich allein. Große Schlafsäle, nie toben, immer nur liegen, liegen, nie laut sein. Bestrafungen, wenn mal ein Kind ins Bett gemacht hatte, Anbinden mit Mullbinden ans Bett, manch eine der Schwestern fand ich bedrohlich und ich habe den ganzen Tag keinen Mucks gemacht. Eine merkwürdige Erinnerung, die mich an sexuellen Missbrauch denken lässt, beim zweiten Mal bin ich weggelaufen ohne Hose…das Besinnungszimmer, ein schmales Zimmer mit einer Holzpritsche und einem kleinen Fenster ganz oben. Und jeden Tag Angst, etwas falsch zu machen und jeden Tag das Denken, daß ich sicherlich etwas Schlimmes gemacht haben mußte. Grauenhafte Esssäle, Zwangsspeisen, aber doch auch einige wenige nette Schwestern.
    Als ich endlich zurück durfte, war ich still und wollte immer nur zuhause bleiben, habe erst sehr spät so etwas wie Freiheit entwickelt und habe einen Satz im Kopf gehabt, den mir wohl irgend jemand dort eingeimpft hatte: „das darfst du niemandem sagen!“
    Viele Bilder bis jetzt, zu viele, um sie hier aufzuschreiben.
    Gibt es einen Mensch, der/die auch dort war? Liebe Frau Roehl, vielen Dank, dass Sie darüber nachforschen.
    Mit ganz herzlichen Grüßen
    Cornelia Kempers

  • Schneider sagt:

    Vor zwei Tagem sah in einen Bericht über „Verschickungskinder“ im Fernsehen. Ich muss sagen, dass ich sehr erschüttert war und immer wieder darüber nachdenken muss.

    Ich melde mich hier als betroffene Mutter.Unser jüngster Sohn, damals 5 Jahre und heute 52 Jahre alt, wurde 1973 auf Anraten der BKK für 6 Wochen nach Obermaiselstein „verschickt“. Wir wurden regelrecht von der Krankenkasse dazu gedrängt. Zur gleichen Zeit machten meine Eltern in der Gegend von Obermaiselstein Urlaub. Natürlich wollten sie ihr Enkelkind besuchen und ihm ein Geschenk von seinen Eltern übergeben. Sie durften unsern Sohn nicht sehen. Er wurde abgeschottet und wusste nichts davon, dass Oma und Opa ihn sehen wollten. Er wurde regelrecht abgeschottet. Das Geschenk hat er nicht bekommen! Da er noch nicht in der Schule war, konnte er auch noch nicht lesen und schreiben. Die Post, die wir bekamen, immer ganz positiv, wurde vom Personal geschrieben.

    Als wir unser Kind endlich wieder hatten, und ich bin froh darüber, dass er gesund wieder bei uns war, machte er uns vor, wie er und die anderen Kinder behandelt wurde. Die Tatsache, dass ihm sofort seine Süßigkeiten weggenommen wurde, obwohl er sie sich einteilen wollte, hat ihn schwer getroffen. Er machte den militärischen Schritt der Leiterin und ihre strengen Kommandos vor. Auf die Frage, ob er denn geweint habe, meinte er: „Ja, aber nur unter der Bettdecke, damit niemand etwas merkt“. Ich habe ihn nach dem Fernsehbericht gefragt, ob und was er für Erinnerungen an diese Zeit hat. Er konnte sich an nichts mehr erinnern. Oder hat er das verdrängt?

    Niemals wieder werde ich eines meiner Kinder in ein Kinderheim schicken, war und ist meine feste Überzeugung, die ich auch anderen gegenüber und vor allem der Krankenkasse mitgeteilt habe. Die hat es natürlich nicht wahrhaben wollen. Ich quäle mich mit dem Gedanken, ob wir als Eltern nicht versagt haben, zumal nach dem Zwischenfall mit meinen Eltern. Hätten wir gewusst, wie es dort zuging, hätten wir unser Kind sicherlich sofort nach Hause geholt. Aber ob das möglich gewesen wäre? Ich habe da so meine Zweifel. Mir wird ganz schlecht, wenn ich an den Bericht denke. Die armen Kinder!

  • Doris sagt:

    Liebe Frau Röhl,
    Ich habe die Sendung über die Verschickungskinder gesehen und auch bei mir kam alles wieder hoch. Ich bin 1961 geboren und wurde, weil ich zu dünn war, irgendwann im Frühjahr/Sommer 1968 nach Wangerooge #verschickt. Ich erinnere mich noch gut an die Fahrt mit dem kleinen Bus an die Fähre nach Neuharlingersiel. Dann kam die Überfahrt und mir war so schlecht. Mit vielen Kindern landete ich abends in einem großen Schlafsaal. Ich erinnere mich noch, dass wir alle still im Bett liegen mussten und die Schwester sangen ein Abendlied. Ich habe unter der Bettdecke geschluchzt und habe mich unglaublich einsam gefühlt. Ich hatte furchtbar Heimweh, ab dem ersten Tag.
    Ich kann mich kaum daran erinnern, was ich dort die sechs Wochen gemacht habe, es gab Ausflüge an den Strand, ansonsten weiß ich nicht mehr viel.
    Sehr in Erinnerung sind mir noch die Situationen am Essenstisch in dem riesigen Esssaal. Ich musste so lange vor meinem Teller essen, bis er leer war. Oft saß ich alleine dort. Ich musste fettiges Fleisch und Puddingsuppe mit Haut essen. Noch heute würgt es mich, wenn ich eines dieser Lebensmittel sehe.
    Vor lauter Heimweh habe ich manchmal eingenässt. Man hat mich dann den ganzen Tag in den nassen Sachen laufen lassen. Die frische Wäsche war auf dem Speicher, da wurde erst abends etwas geholt.
    Einmal die Woche durfte ich eine Karte an meine Mutter schreiben. Selbst schreiben konnte ich noch nicht, es wurde irgendwas auf die Karte geschrieben und dann habe ich meinen Namen drauf gekritzelt. So wurde meiner Mutter jede Woche versichert, dass es mir sehr gut geht. Ich weiß, dass ich auch einmal mit ihr telefonieren durfte. Nebendran war eine der Tanten, und hat aufgepasst was ich sage. Ich hatte es lange Zeit verdrängt, irgendwann ist mir diese schreckliche Zeit wieder eingefallen. Durch diese Sendung habe ich noch mal das ganze Ausmaß begriffen, was uns damals angetan wurde.
    Leider habe ich kein Foto aus dieser Zeit. Ich weiß auch nicht mehr wie dieses Kinderkurheim hieß.
    Gibt es eigentlich heute noch Möglichkeiten, nachzuforschen wo ich genau war? Heben die Krankenkassen solange Daten auf? Ich merke, der Film hat mich sehr aufgewühlt und eigentlich würde ich gerne mehr über diese Zeit wissen, oder auch Kontakt mit anderen aufnehmen die auf Wangerooge in diesem Kurheim waren. Vielleicht hilft das gemeinsame erinnern. Liebe Grüße, Doris

  • Iris sagt:

    liebe Anja, Thema: „Kindergenesungsheim Mittelberg im Allgäu-
    danke dafür, dass es Sie gibt und Sie sich so immens einsetzen. Ich habe mir auch den Bericht angeschaut und bin zutiefst erschüttert. Ich war damals 3 Jahre alt, fast 4, bin zusammen mit meiner Schwester dorthin, per Zug, „verschickt worden! Wir hatten starke Bronchitis, (mein Vater rauchte sehr stark, in Wohnung). So ist entschieden worden, dass wir in eine Kur gehen sollten. Alleine – ohne Elternteil, was es heute nicht mehr gibt!
    Wir sind – sofern ich mich erinnere- nicht „in einen Sack gesteckt worden“ – aber – man hat uns dies immer angedroht. Von wegen: „verhalte dich adäquat, dann passiert auch nichts“! Ich habe diese 6 Wochen dort- nur „gut“ überstanden, weil ich mit meiner Schwester zusammen war, welche 17 Monate älter war- sprich 5 Jahre alt war. Sie hat sich auch für mich immer eingesetzt, sie war sehr stark!
    Alleine jetzt davon zu lesen/hören hat mich sehr berührt.
    Mir geht es darum, ob sich noch mehrere, damals Kinder- heute dürften sie etwa zwischen 53 und älter sein, sich HIER finden, die seinerzeit 1969 in Mittelberg waren. Meine Erlebnisse waren: Ich wurde auch an beiden Armen an der Liege auf einer langen Terrasse angebunden, weil ich beim Mittagsschlaf „nicht geschlafen“ habe, ondern mit meinen Händen – so eine Art „Fernglas“ spielte. Von hinten oben hat dann eine „Tante“ mir die Hände auseinander gehalten, als ich nicht weiter für Schlaf bereit war, somit mir die Hände an dieser Liege festgebunden wurde. Meine Schwester hat dies nicht mitbekommen. Auch- eines frühens Morgens- ich mußte dringend Wasserlassen, – wir durften nur auf dem -im Zimmer -sprich Kinder-schlafsaal- befindlchen >>Pisspott<>heimlich zum „Erwachsenenklo“. Natürlch wurden wir erwischt. Das gab Strafe! welche? weiss ich nicht mehr! Andres, ich habe immer gerne bevorzugt mit Autos und BrioBahn gespielt. Dies wurde ungern gesehn; Ich sollte doch als Mädchen mit Puppen spielen! Auch hier wieder Strafe einkasiert. Vermeidung von Aufmerksamkeit, ausgegrenzt wurde ich. meine Schwester hat stets „tollkühn“ für mich Partei ergriffen, was ihr auch- zur Strafe wurde.

    so- genug der Erzählungen…. gab noch mehr— Essenszwang, auch wenn die Suppe nicht schmeckte—was ich dort als Kleinkind lernte, war, dass man sich besser fügen sollte. Wie anders hätte ich mich mit 3, knapp 4 Jahren denn wehren sollen.
    Ich bitte Sie, liebe Frau Röhl, hier weiter zu recherchieren, weiter zu machen, denn ich bin davon überzeugt, dass unsere Seele hier immens gebrochen wurde. Zuhause – wars auch danach nicht leicht, denn meine Eltern haben sich scheiden lassen. Vater hat uns verlassen. Noch heute habe ich immens viele Ängste— Misstrauen, bin lieber allein!
    Würden Sie mir bitte entgegen kommen, und weiter recherchieren, wieviel ehemal Kinder- sich an Mittelberg (Bayern) erinnern.
    Danke für Ihre Mühe im Vorab 🙂 …machen Sie bitte weiter

    Auf eine Antwort, sofern möglich, – oder Eine Person, die das gelesen hat, und auch selbst dort – in Mittelberg war- hier auf dem Forum schreiben möchte- nur zu, ich freue mich – auf Nachricht!
    Danke, und haltet alle die Ohren steif! Wir werden es mit der Zeit verarbeiten,… denn nur darum geht es! :-))!

  • Iris sagt:

    Ich, Iris .- ier noch mal…. habe meine email adresse jetzt angegeben! Danke Euch allen! 🙂

  • Marion Kruska sagt:

    Hallo zusammen!
    Warum habe ich magengrummeln wenn ich den Namen St. Peter Ording höre?
    Warum hatte ich selbst noch als achtzehn jährige Angst vor dem Weihnachtsmann, so dass ich sogar die Strassenseite wechselte wenn ich einen auch nur von weitem sah?
    Warum kann ich mich an keine weitere Einzelheiten nach diesem einen Tag im sogenannten Kindererholungsheim der AWO erinnern?
    Warum hatte ich während meiner Schulzeit panische Angst vor den Klassenfahrten? Und warum konnte ich keine Kinder bekommen?
    Woher kam meine panische Angst vor Spritzen und vorm Zahnarzt?
    Diese und weitere Fragen sind mir jetzt beantwortet worden, obwohl ich schon eine Ahnung hatte, als ich die Sendung über verschickungskinger heute sah.
    Ich bin Jahrgang 1957 und wurde Ende 1960 verschickt mit dem ebenso alten Jungen eines eng mit meinen Eltern befreundeten Ehepaares namens Uwe.
    Ich erinnere mich genau noch an die einzigste Begebenheit an einen einzigen Vorfall. Alles andere ist weg. Auch bei Uwe den es von Grund auf im Wesen verändert hat. Morgens saßen wir nebeneinander beim Frühstück im Heim. Wir hatten alle je eine halbe Stulle mit Käse und Marmelade auf dem Teller. Ich fragte Uwe, ob er meine käsestulle mit seiner Marmeladenstille tauschen würde, was er auch wollte. Das schien dem Pflegepersonal nicht zu gefallen.
    Als abends der Nikolaus kam nahm dieser uns und stecke uns in einen Sack, Band ihn zu uns stellte uns in den langen, dunklen Flur. Der Sack ging auf und wir beide waren allein, weinten und könnten uns nicht beruhigen. Schliesslich pullerten wir uns aus Angst ein.
    Alles andere, gutes und schlechtes, ist ausgelöscht. Nichts ist mehr da an Erinnerung weder lustiges noch trauriges, keine Namen, kein Sonnenstrahl. Nichts! Alles dunkel!
    Unsere Eltern glaubten uns nicht! Das war eigentlich das schlimmste! Eltern sind ein Haus, Schutz, Wärme, Hilfe! Aber nichts!!! Uwe hat es schlimmer getroffen als mich. Er weiß heute nicht mehr wer ich bin und scheint schweren gesundheitlichen Schaden genommen zu haben! Heute sind wir alt und haben vom Leben nicht mehr viel zu erwarten. Aber ich wünsche niemandem solch schlechte Erinnerungen an einen einzigen Tag während einer Verschickung zur Erholung.
    Herzlichst Marion aus Berlin

  • Wolfgang Kalthoff sagt:

    Hallo…liebe Leidensgenossen und Leidensgenossinnen !!!
    Ich bin im Oktober 1956 geboren und im März/April 1966 (also mit 9 Jahren) für sechs Wochen nach Borkum verschickt worden. Das Haus hiess „Tüskendör“.
    Ich habe natürlich auch keine guten Erinnerungen an dieses Haus. Ich war da (vor zwei Jahren) und da kam alles wieder hoch. Durch einen Zufall habe ich das Buch von Sabine Ludwig „Schwarze Häuser“ in die Hand bekommen. Sie war wohl auch in diesem Heim…und hat es wunderschön als Teenie-Buch verkleidet.
    Man erkennt sich odere andere Menschen ,“die Tanten“, sofort wieder. Und dann kam die Reportage vom SWR…..Endlich !
    Schon komisch….es ist 55 Jahre her…und ich denke immer noch daran.
    Wolfgang

  • anja sagt:

    Liebe Marion, melde dich unbedingt mal bei mir: info@verschickungsheime.de, mich würde deine Geschichte noch näher interessieren, liebe Grüße,
    Anja

  • anja sagt:

    Bitte gehen Sie mal auf die Webseite: http://www.Verschickungsheime.de, dort finden Sie ganz viele Ansprechpartnerinnen und -Partner, auch ein Forum zum Unterhalten und schon viel Recherchearbeit. Viel Erfolg!

  • anja sagt:

    Melden Sie sich gern unter: http://www.Verschickungsheime.de und schauen Sie auf der Seite: http://www.Verschickungsheime.de nach, da gibt es schon viele AnsprechpartnerInnen, viel Erfolg, Anja

  • anja sagt:

    Das ist sicher das Schloss am Meer, da haben wir einen Ansprechpartner, den Peter auf der Seite: http://www.Verschickungsheime.de, unter VERNETZUNG, dann auf Landeskoordination Hamburg gehen, der hilft weiter!
    Grüße
    Anja

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