Anja Röhl

Wannseekatastrophe bis zum Kanzleramt

Eine Veranstaltung unter dem Motto „Wahlprüfsteine“ in Bezug auf den strahlenden, unzureichend gesicherten Atomreaktor Wannsee, fand letzte Woche, unweit des seit Jahrzehnten umstrittenen Instituts statt, wo Parteienvertreter aus: SPD, Grüne, Linke, Piraten, FDP und CDU auf dem Podium saßen und ihre Weltsicht zum Besten gaben.

Politiker positionierten sich

Während die SPDlerin sich als aus der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung kommend outete und sehr authentisch rüberkam, fand die junge Grüne,  dass die Sicherung unbedingt nachgebessert und ein Krebsregister angelegt werden müsse, ein FDP-Vertreter grinste die Zuschauer unsicher-unverschämt an, freute sich aber, als er darauf gestoßen wurde, dass man den Rückbau als interessante Innovation vermarkten könne und der CDUler fand, dass Experten besser Bescheid wüssten als er, obgleich auch er zur Tschernobyl-Elternschaft gehört hätte. Der Vertreter der Linken versteifte sich darauf, dass ein solches Institut aus einem städtischen Wohngebiet verbannt gehöre (womöglich etwa nach Gorleben?)

Emotional, naiv, auf Forschung pfeifend

Insgesamt hatte man sämtliche dort gesagten Sätze schon tausendmal auf ähnlichen Veranstaltungen gehört, einschließlich der Arroganz, die herauszuhören war, gegen die ungeduldigen, angeblich emotionalen, naiven, auf Forschung pfeifenden und natürlich völlig inkompetenten im Publikum sitzenden Interessierten und BI-Mitglieder.

Physiker aus dem Publikum 

Hoffnungsvoll war, dass sich aus dem Publikum sowohl hochkarätige Physiker zu Wort meldeten, die mit vielen konkreten und sehr überzeugenden Messdaten, Störfallzahlen, und Fakten zum Katastrophenplan aufwarten konnten, als auch ein ehemaliger Mitarbeiter des Instituts, der beweisen konnte, das zusamme mit den abgebrannten Stäben aus Wannsee waffenfähiges Plutonium in die USA verschifft wurde.

Klagen Sie doch! 

Daraufhin rieten FDP und CDU den Zuschauern, sich doch der juristischen Mittel des Rechtsstaats zu erinnern: “Klagen Sie doch, wenn Sie finden, dass da etwas nicht rechtsstaatlich zugeht!“, riefen die beiden Vertreter einmütig den im Publikum Sitzenden zu, wohl mit der Hoffnung, sich hier selber aus der politischen Verantwortung für ein Institut zu entziehen, dass, falls es havariert, im Umkreis von 20 km bis zum Bundeskanzleramt geräumt werden müsste. So jedenfalls der Piraten-Feuerwehrmann, der sich als  ziemlich bodenständig erwies, er könne als Feuerwehrmann nur sagen, es dauere zu lange bis die Züge ausrückten, nach 20 Minuten wären erst 6 Mann vor Ort, von ABC-Zügen ganz zu schweigen. Der Katastrophenplan könne niemals umgesetzt werden, er sei für die sofortige Schließung, Punktum.

Ein Wunder

Wann sitzen Politiker mal oben und fragen die Zuschauer: „Erzählen Sie uns, was ihr Anliegen ist, was sie herausgefunden haben, wir hören zu, wir interessieren uns für Ihr Anliegen und wir werden versuchen, es in unseren Gremien umzusetzen!“ Das wäre mal ein Wunder, wenn es solche Politiker einmal gäbe.

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Infos:

Der Atomreaktor am Wannsee ist ein „kleiner“ Reaktor zu Forschungszwecken, trotzdem findet in ihm Kernspaltung statt, die im Falle der Havarie eine Evakuierung im Umkreis von 20 km sofort notwendig macht.

Auch gibt das Institut Niedrigstrahlung ab, besonders Tritium, für das es, da es extrem selten vorkommt, keine Grenzwerte gibt.  Die Strahlung soll sich im selben Bereich wie im Umfeld von Brokdorf bewegen.

Die Betreibergesellschaft verteilt eifrig Flugblätter, dass die Forschung gänzlich ungefährlich und alles Lüge sei, was die Gegner verbreiten.

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