Anja Röhl

Anton machts klar – Rezension

Das neue Grips-Stück von Milena Baisch: „Anton machts klar“  ist erneut ein großer Wurf. Es behandelt das Thema „Haben“ oder „Sein“ für Kinder und Erwachsene.

Erwachsene lernen Kinder zu verstehen und Kinder lernen, die Welt der Erwachsenen kritisch zu sehen und Gegenentwürfe zu leben. Eine Welt, die Kindern Konsumgüter als Statussymbole aufdrängt, Verhaltensweisen aufdrängt, in denen einer der Feind des anderen ist, wo Konkurrenz und Angeberei die Szene beherrscht, wo „Haben“ alles bedeutet und daraus der Lebenssinn konstruiert wird, die den Kindern Lebensweisen aufdrängt, die schädlich für die kindliche Seele sind, so eine Welt wird im Grips kritisch unter die Lupe genommen.

Wettlauf mit rollenden Schuhen

In der 4. Klasse, in die Anton geht, ist es seit Neuestem Mode geworden, dass man Heelys trägt, Turnschuhe mit einem unter der Sohle anzubringendem Rad.  Mit diesen Schuhen zu laufen und zu fahren, ist eine spannende Herausforderung. Seine Freunde haben bereits solche Schuhe, nur Anton nicht, da dessen Eltern, die er zu diesem Zweck anbettelt, grade andere Sorgen haben.  Er verrät das aber nicht, sondern verabredet sich mit einem anderen Jungen zu einem Wettlauf mit den rollenden Schuhen. Durch diese Lüge in die Enge getrieben, kommt eins zum anderen und es entwickelt sich in schnellen Sequenzen ein spannender Fast-Krimi, in dessen Verlauf Anton bis zu kriminellen Handlungen kommt, er lügt, er klaut Geld, er fälscht Geld, er kommt schließlich dazu, der Kioskbesitzerin einen kopierten 50-Euro-Schein unterzujubeln. Anton steht nun an einem gefährlichen  Scheideweg.

Es kommt nicht darauf an immer mehr zu haben

Da begegnet ihm in Gestalt des Handwerkerfreunds seiner Eltern ein Erwachsener, der ihm einen Rat gibt, der sein Leben verändert:   Es kommt nicht darauf an, immer mehr zu haben, es kommt darauf an, immer mehr zu sein. Wer man ist, wie man ist, wie man sich vervollkommnet, entwickelt, in den oder jenen bestimmten Situationen, wie man sich bewährt, zb indem man anderen hilft, Gutes tut, und in welchen Handlungen, allein darauf käme es an und allein das würde auch viel mehr Befriedigung geben! Denn all das, was man nur anstreben würde zu haben, verliere seinen Reiz sowie man es bekommen habe. Aber all das, was man aus sich selbst mache, was man hinzufüge um zu sein, zu werden, zu wachsen und sich zu entwickeln, das könne einem keiner mehr nehmen, das verlöre man nie.

Spannend mit fetzigen Lifemusikstücken

Das Anliegen klingt sehr theoretisch, wird aber sehr handlungsintensiv und praktisch umgesetzt.  Keineswegs moralisierend, immer nachvollziehbar und einfühlsam.  Mit einer super Besetzung, in gut verdichteter Dramaturgie, spannend, mit fetzigen Lifemusikstücken, schon nach den ersten Akkorden klatschen die Kinder, später tanzen sie auf den Bänken mit.

Milena Baisch und Volker Ludwig scheinen ein geniales Team zu sein, der Altmeister hat extra zu diesem Stück, wie auch zu dem vorigen (Laura war hier) ganze neun eingängige Grips-Lieder neu geschrieben.

Widerspruch treibt die Kinder in kriminelle Handlungen

Das Stück ist für Kinder und Erwachsene bestens geeignet, beide haben Erkenntniszuwachs und Freude dran, das Thema ist ein Kernthema des Kapitalismus und die Auseinandersetzung damit also  hochaktuell. Jeden Tag werden in Kindergarten und Schule massenweise Kinder zu reinen Konsumjunkees erzogen und das bei schwindender Kaufkraft von immer mehr Menschen.  Dieser Widerspruch treibt die Kinder geradezu in kriminelle Handlungen hinein. Wie sie dazu Alternativen finden können, eine andere Perspektive, eine andere Weltsicht, all das zeigt „Anton machts klar“, sehr empfehlenswert, für Kinder und Erwachsene!

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