Anja Röhl

ART WAR – Filmrezension

  Der Film »Art War« von Marco Wilms dokumentiert exemplarisch und konkret eine revolutionäre Situation aus dem Blickwinkel der Kunst. Es geht um Straßenkunst im Kairo der Gegenwart:

 

Graffiti, Gedichte, Bilder, Texte an Gebäuden. Der Filmemacher hat die Leute begleitet, die diese Kunst auf die Wände bringen.

Explosion kreativer Kräfte

Wilms, Regieabsolvent der Babelsberger Filmhochschule, war eher zufällig mit seiner Kamera in Ägypten, als dort die »Arabellion« immer rasantere Formen annahm. Er blieb dann länger als geplant. Herausgekommen ist ein Film, der die Explosion kreativer Kräfte einer Volksbewegung dokumentiert. Am 25. Januar 2011 begannen in den großen ägyptischen Städten die Demonstrationen, und auch wenn Mubarak erst am 11. Februar zurücktrat, gilt der 25. Januar als Jahrestag der Revolution, zu dem nun »Art War« in die deutschen Kinos kommt.

Diskussionen auf der Straße

Viel Bewegung ist in dem Film, oft spielt er nachts, wenn die Wände bearbeitet werden. Tagsüber gibt es Demonstrationen, Konfrontationen mit dem Militär, Diskussionen auf der Straße. Einmal wird ein Künstler im T-Shirt mit der Aufschrift »Gott ist gerade beschäftigt, frage mich, wenn du Hilfe brauchst« von Straßenjungen angepöbelt. Sie sagen, er sei seinem Land nicht treu. Sie hören nicht hin, was er zu sagen hat, schreien ihn an, warum er Gott nicht ehre, keine seiner Antworten interessiert sie.

In Ägypten ist ein Bürgerkrieg im Gange, inszeniert und befeuert vom Militär, das sich als Ordnungsmacht geriert, um davon abzulenken, daß es die Wirtschaft kontrolliert. Seit Mubarak hat sich daran nichts geändert. Die herrschende Klasse ist militärisch organisiert. Zwar ist der Konflikt zwischen islamischen und säkularen, auch linken Kräften real, aber keiner, der die Eigentumsverhältnise im Land tangiert.

Antiautoritär, leidenschaftlich, überlegt

Die Ägypter hätten keine besondere Neigung zur Sharia, sagen Künstler Wilms ins Mikro. Sie lehnen die Militärs ebenso ab wie die Islamisten. Ihr Land sei älter als der Islam, das zeige auch ihre Kunst. Wilms hat mit diesen Aktivisten gelebt und aus dem filmischen Material einen enormen Spannungsbogen entwickelt. Seine Protagonisten wirken antiautoritär, leidenschaftlich und überlegt.

Keine Touristenattraktion, politische Tagesstellungnahme

Durch das Militär Erschossene werden noch in derselben Nacht an den Wänden porträtiert, später werden die ihnen zugefügten Verletzungen ergänzt. Die Künstler übermalen und aktualisieren ihre Bilder immer wieder, auch weil sie nicht wollen, daß sie zu Touristenattraktionen verkommen.

»Art War«, Regie: Marco Wilms, BRD 2013, 90 min, 23.1.14 angelaufen

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