Anja Röhl

Die Schauspieler v. Einar Schleef im AufBruch-Gefängnistheater – Rezension

Aus Anlass des 75. Geburtstags des Regisseurs Einar Schleef (1944 bis 2001) hat sich das AufBruch-Team dieses Jahr erneut in den ehemaligen Flughafen Tempelhof begeben.

Dort brachten sie sein Stück: DIE SCHAUSPIELER in einem riesigen Hangar und einer Küche, wo vor Kurzem noch echte Unterkünfte für Geflüchtete gewesen waren. Das Bühnenbild wurde also schon durch die Wahl des Ortes eindrucksvoll gewählt. Der riesige Hangar wirkte einschüchternd und erinnerte entfernt an militärische Komplexe. Die darin befindlichen leeren Doppelstockbetten aus Metall verstärkten diesen Eindruck noch.

In Schleefs Stück möchten Schauspieler einer Theatertruppe in einer eine Notunterkunft für Obdachlose Studien treiben und die Elenden kennenlernen. Das geht gründlich daneben, weil diese nur Hohn und Spott für die Möchtegern-Sozialkritiker übrig haben.

Alsbald schlägt gewollte Freundlichkeit und echte Neugier in Enttäuschung und Wut um und alles endet In Angst und Schrecken und einer größeren Prügelei.

Vielversprechend begann das Stück im leeren Hangar mit den Doppelstockbetten, Die Spieler saßen oder lagen verteilt auf den Betten und erzählten Ihre Echten Verzweiflungsgeschichten.  Das Publikum lauschte in vier Gruppen aufgeteilt. Von dort ausgehend hätte ein wunderbares Stück beginnen können, aber diese Sequenz wurde unterbrochen. Das eigentliche Stück wurde in der „Küche“ aufgeführt. Und der Spielort dieser,  der Haupthandlung, war zu eng, zu gleichförmig, für die Leidenschaften, Wutausbrüche, Gewalttaten, die hier dann schließlich “ausgebrütet“ wurden. Auch das Stück schien irgendwo zu eng und gleichförmig zu sein, ewig wiederholten sich Szenenfolgen, die im Grunde immer dasselbe verhandelten. So blieb wenig hängen. Und als das Publikum zur Schluss-Szene endlich wieder in den Hangar-Bereich zurück durfte um einem gigantisch weit oben aus einer Tür tretenden Verkünder des moralischen Abspanns zu lauschen, als dann auch noch der Hangar sich wie von Geisterhand auf der vollen Breitseite öffnete und dahinter alle Spieler schattenrissähnlich sichtbar wurden, da atmete das Publikum hörbar auf. Das war groß. Leider nur zum Beginn und zum Ende. Nicht klar zu sagen ist, ob es eine schwäche des Schleef-Stückes oder der AufBruch-Regie war, die Spieler waren jedenfalls allesamt überzeugend.

Es spielt ein gemischtes Ensemble aus Freigängern, Ex-Inhaftierten, SchauspielerInnen und Berliner BürgerInnen: Christian Krug, Frank Zimmermann, Hans M., Hans-Jürgen Simon, Irene Oberrauch, Josef, Juliette Roussennac, Katharina Försch, Lasha Jologua, Maja Borm, Massimiliano Baß, Mathis Koellmann, Matthias Blocher, Mohamad Koulaghassi, Patrick Berg, Rita Ferreira, Roland Moed, Sabine Böhm, Salah, Ulrike Wolf. Die Regie hatte Peter Atanassow

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