Anja Röhl

Verschickungskinder-Verschickungsheime

Verschickungskinder –

Das waren in den 50er bis 90 er Jahren Kinder, die allein, ohne Eltern, in Kinderkuren, Kindererholungsheime und – Kinderheilstätten verschickt wurden.

Die Kleinkinder wurden allein und in Sammeltransporten in weit entfernt liegende „Erholungsheime“ und Kinderheilstätten „verschickt“.  Nach vorläufigen Recherchen handelt es sich um mindestens 8 – 12 Millionen betroffene Kinder.  

Vorläufer waren die Kinderlandverschickungen in der Weimarer Republik und danach die in die NSV-Heime unter den Nazis. Die Verschickungskinder meldeten sich ab 2019 vermehrt mit erschütternden Berichten, in denen Sie ihre Kuraufenthalte häufig als traumatisierend erinnerten.

Es gibt dazu eine weiterführende Internetseite: www.verschickungsheime.de

Erlebnisberichte sammeln wir öffentlich, damit man uns glaubt, unter diesem link:  http://verschickungsheime.de/zeugnis-ablegen-erlebnisberichte-schreiben/

Kommentare

Es gibt 238 Kommentare für "Verschickungskinder-Verschickungsheime"

  • Birgit sagt:

    Liebe Anja, liebe verschickte Kinder, ich habe soeben den Fernsehbericht über „Verschickte Kinder“ gesehen und da kam alles wieder hoch. Das zwanghafte Essen bis zum Erbrechen, die Einsamkeit und das Gefühl des Verlassenseins, die Angst etwas falsch zu machen, die Schläge mit dem Pantoffel von „Schwester Erika“, die Kommandos beim Duschen, der riesige Schlafsaal, das Eingesperrt werden. Bis heute mag ich keine verschlossenen Türen und sehe überall als Erstes nach dem Ausgang. Sitze auch nie in der Mitte im Kino oder Theater. Ich muss immer Platz um mich herum haben und flüchten können.
    Ich bin Jahrgang 1954 und wurde im Februar 1964 nach Haffkrug an der Ostsee verschickt. Ich sollte ab April auf das Gymnasium gehen und da meinten meine Eltern es täte mir gut etwas Kraft zu tanken und auch zuzunehmen. Ich war nicht zu dünn, ganz normal entwickelt. Welcher Arzt das befürwortet hat, weiß ich nicht. Ich meine mich nur zu erinnern, dass das Heim von der PRO war.
    Ich könnte noch vieles schreiben und werde das jetzt sicher demnächst auch tun und für meine Kinder festhalten.
    Liebe Grüße Birgit

  • Marion sagt:

    Guten Abend Frau Röhl,

    ich habe meine Erfahrungen bereits bei „Verschickungsheime.de“ beschrieben und heute bei „betreff“ auf SWR Neues und Grausiges gesehen und bin nun sehr beunruhigt:

    Mit drei Jahren kam ich 1951 mit TBC ins Kinderkrankenhaus Felicitas nach Berchtesgaden und wurde dort operiert, sicherlich von Dr. Albert Viethen (ich habe keine Unterlagen). Nach sechs Monaten wurde ich als geheilt entlassen. Nach ca. eineinhalb Jahren bekam ich eine knallrote Beule vorne am Hals ähnlich eines Adamapfels, nur größer. Man sagte meinen Eltern, dass es von der Lunge kommt und ich wurde in der Hauner’schen Kinderklinik 1953 in München operiert. Danach kam ich wieder für ein halbes Jahr nach Berchtesgaden ins Schönhäusl. Nachdem ich Dr. Viethen samt Lebenslauf heute in dieser Reportage „kennenlernen“ durfte, ist meine Angst als Versuchskaninchen wegen dieser „Nebenwirkung“ missbraucht worden zu sein, sehr groß! Wie könnte ich rausfinden, was es mit der Beule wirklich auf sich hatte und ob die TBC-Erkrankung dies als eine „normale“ Nachwirkung erklärt. Meinen Pneumologen danach zu fragen ist zwecklos.
    Wenn Sie mir mit einem Rat helfen könnten, wäre ich sehr erleichtert und könnte Hoffnung schöpfen, denn das alles nimmt mich ganz schön mit.

    Vielen Dank im Voraus
    Mit freundlichen Grüßen
    Marion K.

  • Beate sagt:

    Hallo Anja, hallo Marion,
    ich war auch im Posterholungsheim Manderscheid in der Eifel, als 11 Jährige, ca. 1969. Die ganz Kleinen 2-4 Jährigen taten mir leid. Es war eine Zeit, wo unsere Eltern, vom Krieg traumatisiert, meist nicht so kritisch waren. Einen 2 Jährigen 6 Wochen an „Unbekannt“ abzugeben. Das ist heute kaum vorstellbar. Meine Eltern freuten sich, dass mein Bruder und ich nach dieser Erfahrung bescheidener und braver waren. Im Posterholungsheim wurden die kleinen Kinder bloß gestellt: „Der heult ständig“, wurde ein kleiner 2 oder 3 Jähriger vor allen abgekanzelt. An grassen Verstößen kann ich mich nicht erinnern, aber auch nicht an Empathie und Zuwendung.
    Herzliche Grüße, Beate

  • anja sagt:

    Liebe Marion, das, was sie vermuten, kann durchaus sein, Sie müssten eine Arzt ihres Vertrauens suchen, oder Gutachten suchen, oder Ihre Akte von damals vielleicht, dass die Ärzte dort medizinische versuche an den Verschickungskindern unternommen haben, kann als belegt angesehen werden. Wir wissen nur noch nicht,in welchem Ausmaß. Es sind aber schon Forschende da dran, man muss die Archive der Pharmafirmen durchsuchen, dort liegen alle Unterlagen medizinischer Versuche, wenden Sie sich an die, alle Pharrmafirmen haben Archive, Grüße

  • Maritta Wieditz sagt:

    Habe auch die Reportage am gestrigen Abend im Fernsehen gesehen und mich an meine Erholungskur im -Haus am Meer- in Cuxhaven Duhnen im Jahre 1960 erinnert.
    Ich war zu dieser Zeit 10 Jahre.
    Die Erholung wurde ermöglicht von der Deutschen Bundesbahn, da mein Vater dort beschäftigt war.
    Bruchstückhaft erinnere ich mich an die Anfahrt. Am Bahnhof nahm mich eine Tante in Empfang, die schon mehrere Kinder aufgenommen hatte.
    Sie begleitete uns nach Cuxhaven und lieferte uns dort ab..
    Ich hatte von Anfang an schlimmes Heimweh und weinte auch Nachts viel.
    Dies hatte zur Folge, dass ich aus dem Schlafsaal mit mindestens 10 Kindern, in ein Einzelzimmer verlegt wurde. Dies verschlimmerte mein Heimweh noch.
    Schlechte Erinnerungen habe ich auch noch an die Mahlzeiten wo wir zum aufessen gezwungen wurden. Es gab halt viel zu Essen, was ich zu der Zeit gar nicht mochte.
    In unguter Erinnerung sind mir noch die Krabben, die wir damals als Würmer bezeichnet haben. Trotzdem esse ich sie heute sehr gerne.
    Sonst ist mir eigentlich nichts Negatives in Erinnerung. Wir haben viel Zeit am heimeigenen Strand verbracht und auch einige Touren unternommen.
    War vor Jahren mal in Cuxhaven und habe das Heim gesucht. War total zerfallen und die Erinnerung hat mich total übermannt. Inzwischen soll es abgerissen sein.
    Gruß Maritta

  • Lucia Albig sagt:

    Ort des widerlichen Geschehens war die Kinderheilstätte Stieg / Unteralpfen. Mein Bruder und ich waren hier von Januar bis Mai / Juni 1971 zur sogenannten Kur. Ich verbinde damit viel schmerzvolle Erinnerungen in einer frostigen und lieblosen, seelenlosen Umgebung. Der einzige Mensch der mir als menschlich im besten Sinne in Erinnerung geblieben ist, war der Lehrer in dieser unseligen Institution. Man findet nichts über diesen Ort im Netz und ich wüsste gerne wo ich an Informationen kommen kann. Ich will das alles aufarbeiten.

  • anja sagt:

    Liebe Lucia, geh doch mal auf die Webseite: http://www.verschickungsheime.de, dort gibt es sehr viel AnsprechpartnerInnen, alle unter VERNETZUNG im Menü zu finden. Gern schicke ich dir einen Erstinfobrief zu, Grüße

  • Claus-G. Buchholtz sagt:

    Hallo Anja, auch ich habe durch Zufall am 17.02. den Bericht auf SWR gesehen und alle Erinnerungen brodelten im Körper, grausam! Dieses Jahr werde ich 60, habe meinen 10.Geburtstag im Heim verbracht, also Oktober 1971. 6 Wochen, über die Barmer, Haus „etwas mit Schlösschen/Schloss???“ Wyk auf Föhr.
    Die Ereignisse dieser 6 Wochen verfolgen Dich ein Leben lang. Weil ich kein Schwarzbrot mochte, bekam ich das nun täglich zum Frühstück mit Mettwurst… Mittagsschlaf und von abends bis zum Morgen durfte man nicht auf Toilette. Eine Nacht klappte es nicht und zur Strafe wurde ich in ein kleines Bad gebracht, durfte dort auf einer Klappliege schlafen. Ich mag bis heute keine kleinen Räume, kann nicht unter einem Veluxfenster schlafen.
    Wut und Haß kommen hoch. Die Heimleitung oder das Personal sollten sich heute mal trauen, vor mir zu stehen…Nach der „Kur“ bin ich in der Schule total abgegltten. Keine Konzentration mehr möglich, Schuljahre wiederholt. Ich habe das oft meinen Eltern zum Vorwurf gemacht, weil die mich ja dort hin geschickt haben. Mit meiner Mutter habe ich bis heute keinen richtigen Kontakt, sie wird in 2 Monaten 98. Mein Vater ist lange verstorben.
    Das war eine grausame Zeit, die mich bis heute in vielen Situationen verfolgt. Ich wusste gar nicht, das es soooo vielen Menschen so geht – man muss eben einfach darüber reden.
    Danke für diese Seite 😉

  • Martina sagt:

    @ Corina Dietz

    Hallo Corina Dietz,

    nach einem “ Kindererholungsheim“ im Schwarzwald/ Freudenstadt suche ich auch!
    Sind Sie fündig geworden?
    Dort gab es für wenig erfreuliches für mich…..
    Meine Reise zu dieser „Kur“ startete ich von Siegen – Geisweid 1971/1972.
    Vielleicht handelte es sich ja um dasselbe Haus ?!

    Mit vielen Grüßen
    Martina

  • Cornelia Kempers sagt:

    Liebe Anja Roehl !
    Von 1958 bis 1959 wurde ich als 4 jähriges Kind in eine Lungen-Heilstätte verschickt … für fast ein Jahr, … und ich werde schon seit vielen Jahren immer wieder von merkwürdigen Erinnerungen heimgesucht, von denen ich ahne, wo sie herkommen. Das Heim war in der Nähe von Hofgeismar und hieß wahrscheinlich Gesundbrunnen. Meine Mutter hat immer jede Nachfrage, ob sie etwas über Missbrauch dort wisse, ganz harsch verneint. Da die Kinder nur alle 6 Wochen Besuch kommen durften war auch ich schrecklich allein. Große Schlafsäle, nie toben, immer nur liegen, liegen, nie laut sein. Bestrafungen, wenn mal ein Kind ins Bett gemacht hatte, Anbinden mit Mullbinden ans Bett, manch eine der Schwestern fand ich bedrohlich und ich habe den ganzen Tag keinen Mucks gemacht. Eine merkwürdige Erinnerung, die mich an sexuellen Missbrauch denken lässt, beim zweiten Mal bin ich weggelaufen ohne Hose…das Besinnungszimmer, ein schmales Zimmer mit einer Holzpritsche und einem kleinen Fenster ganz oben. Und jeden Tag Angst, etwas falsch zu machen und jeden Tag das Denken, daß ich sicherlich etwas Schlimmes gemacht haben mußte. Grauenhafte Esssäle, Zwangsspeisen, aber doch auch einige wenige nette Schwestern.
    Als ich endlich zurück durfte, war ich still und wollte immer nur zuhause bleiben, habe erst sehr spät so etwas wie Freiheit entwickelt und habe einen Satz im Kopf gehabt, den mir wohl irgend jemand dort eingeimpft hatte: „das darfst du niemandem sagen!“
    Viele Bilder bis jetzt, zu viele, um sie hier aufzuschreiben.
    Gibt es einen Mensch, der/die auch dort war? Liebe Frau Roehl, vielen Dank, dass Sie darüber nachforschen.
    Mit ganz herzlichen Grüßen
    Cornelia Kempers

  • Schneider sagt:

    Vor zwei Tagem sah in einen Bericht über „Verschickungskinder“ im Fernsehen. Ich muss sagen, dass ich sehr erschüttert war und immer wieder darüber nachdenken muss.

    Ich melde mich hier als betroffene Mutter.Unser jüngster Sohn, damals 5 Jahre und heute 52 Jahre alt, wurde 1973 auf Anraten der BKK für 6 Wochen nach Obermaiselstein „verschickt“. Wir wurden regelrecht von der Krankenkasse dazu gedrängt. Zur gleichen Zeit machten meine Eltern in der Gegend von Obermaiselstein Urlaub. Natürlich wollten sie ihr Enkelkind besuchen und ihm ein Geschenk von seinen Eltern übergeben. Sie durften unsern Sohn nicht sehen. Er wurde abgeschottet und wusste nichts davon, dass Oma und Opa ihn sehen wollten. Er wurde regelrecht abgeschottet. Das Geschenk hat er nicht bekommen! Da er noch nicht in der Schule war, konnte er auch noch nicht lesen und schreiben. Die Post, die wir bekamen, immer ganz positiv, wurde vom Personal geschrieben.

    Als wir unser Kind endlich wieder hatten, und ich bin froh darüber, dass er gesund wieder bei uns war, machte er uns vor, wie er und die anderen Kinder behandelt wurde. Die Tatsache, dass ihm sofort seine Süßigkeiten weggenommen wurde, obwohl er sie sich einteilen wollte, hat ihn schwer getroffen. Er machte den militärischen Schritt der Leiterin und ihre strengen Kommandos vor. Auf die Frage, ob er denn geweint habe, meinte er: „Ja, aber nur unter der Bettdecke, damit niemand etwas merkt“. Ich habe ihn nach dem Fernsehbericht gefragt, ob und was er für Erinnerungen an diese Zeit hat. Er konnte sich an nichts mehr erinnern. Oder hat er das verdrängt?

    Niemals wieder werde ich eines meiner Kinder in ein Kinderheim schicken, war und ist meine feste Überzeugung, die ich auch anderen gegenüber und vor allem der Krankenkasse mitgeteilt habe. Die hat es natürlich nicht wahrhaben wollen. Ich quäle mich mit dem Gedanken, ob wir als Eltern nicht versagt haben, zumal nach dem Zwischenfall mit meinen Eltern. Hätten wir gewusst, wie es dort zuging, hätten wir unser Kind sicherlich sofort nach Hause geholt. Aber ob das möglich gewesen wäre? Ich habe da so meine Zweifel. Mir wird ganz schlecht, wenn ich an den Bericht denke. Die armen Kinder!

  • Doris sagt:

    Liebe Frau Röhl,
    Ich habe die Sendung über die Verschickungskinder gesehen und auch bei mir kam alles wieder hoch. Ich bin 1961 geboren und wurde, weil ich zu dünn war, irgendwann im Frühjahr/Sommer 1968 nach Wangerooge #verschickt. Ich erinnere mich noch gut an die Fahrt mit dem kleinen Bus an die Fähre nach Neuharlingersiel. Dann kam die Überfahrt und mir war so schlecht. Mit vielen Kindern landete ich abends in einem großen Schlafsaal. Ich erinnere mich noch, dass wir alle still im Bett liegen mussten und die Schwester sangen ein Abendlied. Ich habe unter der Bettdecke geschluchzt und habe mich unglaublich einsam gefühlt. Ich hatte furchtbar Heimweh, ab dem ersten Tag.
    Ich kann mich kaum daran erinnern, was ich dort die sechs Wochen gemacht habe, es gab Ausflüge an den Strand, ansonsten weiß ich nicht mehr viel.
    Sehr in Erinnerung sind mir noch die Situationen am Essenstisch in dem riesigen Esssaal. Ich musste so lange vor meinem Teller essen, bis er leer war. Oft saß ich alleine dort. Ich musste fettiges Fleisch und Puddingsuppe mit Haut essen. Noch heute würgt es mich, wenn ich eines dieser Lebensmittel sehe.
    Vor lauter Heimweh habe ich manchmal eingenässt. Man hat mich dann den ganzen Tag in den nassen Sachen laufen lassen. Die frische Wäsche war auf dem Speicher, da wurde erst abends etwas geholt.
    Einmal die Woche durfte ich eine Karte an meine Mutter schreiben. Selbst schreiben konnte ich noch nicht, es wurde irgendwas auf die Karte geschrieben und dann habe ich meinen Namen drauf gekritzelt. So wurde meiner Mutter jede Woche versichert, dass es mir sehr gut geht. Ich weiß, dass ich auch einmal mit ihr telefonieren durfte. Nebendran war eine der Tanten, und hat aufgepasst was ich sage. Ich hatte es lange Zeit verdrängt, irgendwann ist mir diese schreckliche Zeit wieder eingefallen. Durch diese Sendung habe ich noch mal das ganze Ausmaß begriffen, was uns damals angetan wurde.
    Leider habe ich kein Foto aus dieser Zeit. Ich weiß auch nicht mehr wie dieses Kinderkurheim hieß.
    Gibt es eigentlich heute noch Möglichkeiten, nachzuforschen wo ich genau war? Heben die Krankenkassen solange Daten auf? Ich merke, der Film hat mich sehr aufgewühlt und eigentlich würde ich gerne mehr über diese Zeit wissen, oder auch Kontakt mit anderen aufnehmen die auf Wangerooge in diesem Kurheim waren. Vielleicht hilft das gemeinsame erinnern. Liebe Grüße, Doris

  • Iris sagt:

    liebe Anja, Thema: „Kindergenesungsheim Mittelberg im Allgäu-
    danke dafür, dass es Sie gibt und Sie sich so immens einsetzen. Ich habe mir auch den Bericht angeschaut und bin zutiefst erschüttert. Ich war damals 3 Jahre alt, fast 4, bin zusammen mit meiner Schwester dorthin, per Zug, „verschickt worden! Wir hatten starke Bronchitis, (mein Vater rauchte sehr stark, in Wohnung). So ist entschieden worden, dass wir in eine Kur gehen sollten. Alleine – ohne Elternteil, was es heute nicht mehr gibt!
    Wir sind – sofern ich mich erinnere- nicht „in einen Sack gesteckt worden“ – aber – man hat uns dies immer angedroht. Von wegen: „verhalte dich adäquat, dann passiert auch nichts“! Ich habe diese 6 Wochen dort- nur „gut“ überstanden, weil ich mit meiner Schwester zusammen war, welche 17 Monate älter war- sprich 5 Jahre alt war. Sie hat sich auch für mich immer eingesetzt, sie war sehr stark!
    Alleine jetzt davon zu lesen/hören hat mich sehr berührt.
    Mir geht es darum, ob sich noch mehrere, damals Kinder- heute dürften sie etwa zwischen 53 und älter sein, sich HIER finden, die seinerzeit 1969 in Mittelberg waren. Meine Erlebnisse waren: Ich wurde auch an beiden Armen an der Liege auf einer langen Terrasse angebunden, weil ich beim Mittagsschlaf „nicht geschlafen“ habe, ondern mit meinen Händen – so eine Art „Fernglas“ spielte. Von hinten oben hat dann eine „Tante“ mir die Hände auseinander gehalten, als ich nicht weiter für Schlaf bereit war, somit mir die Hände an dieser Liege festgebunden wurde. Meine Schwester hat dies nicht mitbekommen. Auch- eines frühens Morgens- ich mußte dringend Wasserlassen, – wir durften nur auf dem -im Zimmer -sprich Kinder-schlafsaal- befindlchen >>Pisspott<>heimlich zum „Erwachsenenklo“. Natürlch wurden wir erwischt. Das gab Strafe! welche? weiss ich nicht mehr! Andres, ich habe immer gerne bevorzugt mit Autos und BrioBahn gespielt. Dies wurde ungern gesehn; Ich sollte doch als Mädchen mit Puppen spielen! Auch hier wieder Strafe einkasiert. Vermeidung von Aufmerksamkeit, ausgegrenzt wurde ich. meine Schwester hat stets „tollkühn“ für mich Partei ergriffen, was ihr auch- zur Strafe wurde.

    so- genug der Erzählungen…. gab noch mehr— Essenszwang, auch wenn die Suppe nicht schmeckte—was ich dort als Kleinkind lernte, war, dass man sich besser fügen sollte. Wie anders hätte ich mich mit 3, knapp 4 Jahren denn wehren sollen.
    Ich bitte Sie, liebe Frau Röhl, hier weiter zu recherchieren, weiter zu machen, denn ich bin davon überzeugt, dass unsere Seele hier immens gebrochen wurde. Zuhause – wars auch danach nicht leicht, denn meine Eltern haben sich scheiden lassen. Vater hat uns verlassen. Noch heute habe ich immens viele Ängste— Misstrauen, bin lieber allein!
    Würden Sie mir bitte entgegen kommen, und weiter recherchieren, wieviel ehemal Kinder- sich an Mittelberg (Bayern) erinnern.
    Danke für Ihre Mühe im Vorab 🙂 …machen Sie bitte weiter

    Auf eine Antwort, sofern möglich, – oder Eine Person, die das gelesen hat, und auch selbst dort – in Mittelberg war- hier auf dem Forum schreiben möchte- nur zu, ich freue mich – auf Nachricht!
    Danke, und haltet alle die Ohren steif! Wir werden es mit der Zeit verarbeiten,… denn nur darum geht es! :-))!

  • Iris sagt:

    Ich, Iris .- ier noch mal…. habe meine email adresse jetzt angegeben! Danke Euch allen! 🙂

  • Marion Kruska sagt:

    Hallo zusammen!
    Warum habe ich magengrummeln wenn ich den Namen St. Peter Ording höre?
    Warum hatte ich selbst noch als achtzehn jährige Angst vor dem Weihnachtsmann, so dass ich sogar die Strassenseite wechselte wenn ich einen auch nur von weitem sah?
    Warum kann ich mich an keine weitere Einzelheiten nach diesem einen Tag im sogenannten Kindererholungsheim der AWO erinnern?
    Warum hatte ich während meiner Schulzeit panische Angst vor den Klassenfahrten? Und warum konnte ich keine Kinder bekommen?
    Woher kam meine panische Angst vor Spritzen und vorm Zahnarzt?
    Diese und weitere Fragen sind mir jetzt beantwortet worden, obwohl ich schon eine Ahnung hatte, als ich die Sendung über verschickungskinger heute sah.
    Ich bin Jahrgang 1957 und wurde Ende 1960 verschickt mit dem ebenso alten Jungen eines eng mit meinen Eltern befreundeten Ehepaares namens Uwe.
    Ich erinnere mich genau noch an die einzigste Begebenheit an einen einzigen Vorfall. Alles andere ist weg. Auch bei Uwe den es von Grund auf im Wesen verändert hat. Morgens saßen wir nebeneinander beim Frühstück im Heim. Wir hatten alle je eine halbe Stulle mit Käse und Marmelade auf dem Teller. Ich fragte Uwe, ob er meine käsestulle mit seiner Marmeladenstille tauschen würde, was er auch wollte. Das schien dem Pflegepersonal nicht zu gefallen.
    Als abends der Nikolaus kam nahm dieser uns und stecke uns in einen Sack, Band ihn zu uns stellte uns in den langen, dunklen Flur. Der Sack ging auf und wir beide waren allein, weinten und könnten uns nicht beruhigen. Schliesslich pullerten wir uns aus Angst ein.
    Alles andere, gutes und schlechtes, ist ausgelöscht. Nichts ist mehr da an Erinnerung weder lustiges noch trauriges, keine Namen, kein Sonnenstrahl. Nichts! Alles dunkel!
    Unsere Eltern glaubten uns nicht! Das war eigentlich das schlimmste! Eltern sind ein Haus, Schutz, Wärme, Hilfe! Aber nichts!!! Uwe hat es schlimmer getroffen als mich. Er weiß heute nicht mehr wer ich bin und scheint schweren gesundheitlichen Schaden genommen zu haben! Heute sind wir alt und haben vom Leben nicht mehr viel zu erwarten. Aber ich wünsche niemandem solch schlechte Erinnerungen an einen einzigen Tag während einer Verschickung zur Erholung.
    Herzlichst Marion aus Berlin

  • Wolfgang Kalthoff sagt:

    Hallo…liebe Leidensgenossen und Leidensgenossinnen !!!
    Ich bin im Oktober 1956 geboren und im März/April 1966 (also mit 9 Jahren) für sechs Wochen nach Borkum verschickt worden. Das Haus hiess „Tüskendör“.
    Ich habe natürlich auch keine guten Erinnerungen an dieses Haus. Ich war da (vor zwei Jahren) und da kam alles wieder hoch. Durch einen Zufall habe ich das Buch von Sabine Ludwig „Schwarze Häuser“ in die Hand bekommen. Sie war wohl auch in diesem Heim…und hat es wunderschön als Teenie-Buch verkleidet.
    Man erkennt sich odere andere Menschen ,“die Tanten“, sofort wieder. Und dann kam die Reportage vom SWR…..Endlich !
    Schon komisch….es ist 55 Jahre her…und ich denke immer noch daran.
    Wolfgang

  • anja sagt:

    Liebe Marion, melde dich unbedingt mal bei mir: info@verschickungsheime.de, mich würde deine Geschichte noch näher interessieren, liebe Grüße,
    Anja

  • anja sagt:

    Bitte gehen Sie mal auf die Webseite: http://www.Verschickungsheime.de, dort finden Sie ganz viele Ansprechpartnerinnen und -Partner, auch ein Forum zum Unterhalten und schon viel Recherchearbeit. Viel Erfolg!

  • anja sagt:

    Melden Sie sich gern unter: http://www.Verschickungsheime.de und schauen Sie auf der Seite: http://www.Verschickungsheime.de nach, da gibt es schon viele AnsprechpartnerInnen, viel Erfolg, Anja

  • anja sagt:

    Das ist sicher das Schloss am Meer, da haben wir einen Ansprechpartner, den Peter auf der Seite: http://www.Verschickungsheime.de, unter VERNETZUNG, dann auf Landeskoordination Hamburg gehen, der hilft weiter!
    Grüße
    Anja

  • Wolfgang Zeitner sagt:

    Das kurheim auf Langeoog hieß 1955 Haus Sonnenbrille
    Es war grausam. Paketöffnung vor allen für alle

  • Winter Walburga sagt:

    Hallo “ Verschickungungskinder“,

    durch Zufall habe ich heute Abend auf YouTube
    die Dokumentation entdeckt. Somit gehöre ich dazu.
    Ich war 1957, damals 6 Jahre alt, in Berchtesgaden,
    glaube Haus Sonnenblick, habe noch eine Ansichs-
    Karte. Es waren bei mir nicht allzu schlimme Erinner-
    unten. Aber sie haben mein Leben geprägt.
    Gruß Wally

  • Menzel, annelie sagt:

    Hallo Frau Röhl,
    Ich absolvierte ein Praktikum 1975 im Haus St.Michael am Alpsee.
    Ich dandies Pädagogik absolut gruselig. Gibt es Erfahrungsberichte von für Einrichtung von Betroffenen?
    Freue mich über eine Rückmeldung
    HG Annelie Menzel

  • Peter sagt:

    Hallo zusammen ,ich bin 55j alt und wurde als Kind 2mal nach Königsfeld verschickt,ende der 60er jahre und dann 71.Ich habe nur wage Erinnerungen an die Aufenthalte.Ich kann mit Sicherheit nicht sagen ob dort auch Kinder in jeglicher Art misshandelt wurden ,aber nach allen Berichten hier ist das wohl eher nicht ausgeschlossen.Gibt es jemanden der auch in dieser Zeit dort war oder weiß jemand etwas über Kindesmisshandlungen in diesem Heim ?
    Heute ist es ein Hotel ,liegt etwas außerhalb von Königsfeld.
    Bitte auf meine Email Schreiben .

  • Michaela sagt:

    @Corinna Dietz
    @Martina
    Hallo, ich beschäftige mich schon längere Zeit mit dem Thema Verschickungskinder und bin auch durch den Bericht im SWR-Fernsehen beim Recherchieren auf diese Seite gestoßen. Ich bin auch auf der Suche nach einem Kinderheim in Freudenstadt im Schwarzwald. Es muss so 1978 gewesen sein, ich war so um die 7 Jahre alt als ich in Freudenstadt 4 Wochen durch die Post zur Kinderkur war. Ich habe so gut wie keine Erinnerungen mehr daran und zum Glück wohl auch nicht solche schlimme unglaubliche Dinge erlebt, so wie sie geschildert werden. Ich kann mich an den riesengroßen Speisensaal erinnern, gefühlt hatten dort hunderte Kinder platz. Nachmittags gab es immer Kakao und Laugenbrezel. Es herrschte Zucht und Ordnung. Briefe die wir an Zuhause schrieben wurden kontrolliert und auch ich erhielt meine Standpauke und durfte den Brief nicht weg schicken. Ich hatte Heimweh und ich fühlte mich total schlecht. Aber das zählte nicht, es gab keine Empathie. Auch die Schlafsäle waren riesig groß und ich kann mich erinnern dass ich wieder ins Bett gemacht hatte. Aber da hören meine Erinnerungen auch schon auf. Ich weiß nicht ob ich da etwas verdränge, aber an ganz schlimme Dinge erinnere ich mich nicht. Im Jahr darauf war ich wieder für 4 Wochen auf Langeoog in Kur, im Schwedenhaus. Dort war es super schön, ich habe mich sehr wohl gefühlt. Die Erzieherinnen waren alle total lieb. Und noch ein Jahr später war ich wieder zur Kinderkur in Sulzberg im Allgäu, im Eulenhaus. Dort war es auch wieder sehr schön und die Erzieherinnen sehr liebevoll. Ich bin sehr froh, dass ich nicht solche Dinge erlebt habe, wie sie beschrieben werden. Es würde mich aber interessieren, ob ich in der Zeit in Freudenstadt etwas verdränge. Leider weiß ich den Namen des Kinderheimes nicht mehr. Ein Junge der zu meiner Zeit auch dort war hieß Ingolf. Wir fuhren gemeinsam mit dem Zug ab Mainz nach Freudenstadt. Vielleicht hat Jemand mehr Informationen !!??
    Viele Grüße und alles Liebe
    Michaela

  • Brigitte sagt:

    Hallo,
    Ich bin auch ein Verschickungskind.aus den Anfang 70er jahren
    Es ging von Emden Ostfriesland nach Lüneburg, ich weiss nicht genau wo,aber ich kann mich erinnern, dass es einen Garten gab in dem sich ein Bunker befand.Es waren kleine offene Löcher zu sehen und es war grün bewachsen und hügelig.Dort stand eine Schaukel mit zwei schaukeln.
    Ausserdem befand sich ein Salzbad in der Nähe,wo wir zu Fluss hin gelaufen sind.
    Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht,In der Ecke stehen zur Strafe,7ch war wohl aus dem Grund dort,weil ich zu dünn war und sehr langsam gegessen habe.
    POST WURDE IMMER KONTROLLIERT.
    Es durfte ja nichts schlechtes drinstehen.6 Wochen Aufenthalt waren Hölle für mich..immer Heimweh und geweint.
    Essen mit Zwang, läusekontrolle bei Ankunft.
    Es war sehr schlimm .
    Die Aufssrherin,schwarze schulterlange Lockige Haare ,es gab einen Raum in dem ein Bett stand,dort musste ich schlafen,allein!
    .Es war ein Backsteinhaus lang und in der Mitte ein grosser Eingang mit ich glaube runden Bogen.
    Weiss vielleicht jemand wo es sein könnte…ich möchte es gerne herausfinden.

  • Rüdiger Greding sagt:

    Ich war Anfang der 70zigern in Freudenstadt zur Kur. Jetzt arbeite ich in und um Freudenstadt.Ich würde gerne erfahren ob es das Haus heute noch gibt.Das ich keinen Namen habe ist es nicht leicht es zu finden. Vielleicht kann ja jemand helfen.

  • anja sagt:

    Bitte auf der Seite: http://www.verchickungsheime.de weiter nach AnsprechpartnerInnen suchen,danke!

  • Christina sagt:

    War jemand in Kreuth am Tegernsee im Haus Schmiedhof? Dort hat mich die BEK im Februar 1969 hingeschickt. Ich war acht Jahre alt. Postkontrolle, Paket für alle, aufessen müssen, all das war wohl damals üblich. Wenn man sich nachts im Bett bewegte, sprich, umdrehte, mußte man auf den kalten Flur mit der Bettdecke über dem Kopf unbestimmte Zeit stehen. Fasching mochte ich nicht, obwohl wir uns verkleiden durften. Bei allem Schlimmen gab es aber auch Märchenvorlesen und Ausflüge. Die „Tanten“ waren sehr junge Frauen, die sich für uns eher nicht interessierten. Als die Windpocken ausbrachen, wurden die Betroffenen, auch ich, in den Dachboden verfrachtet. Man sah durch ein kleines Fenster, wie die anderen Kinder nachhause abgeholt wurden.
    Über andere Berichte dieses Hauses würde ich mich freuen.

  • anja sagt:

    Es gibt bei uns auf der Seite: http://www.verschickungsheime.de schon eine Tegernseegruppe, schauen Sie mal unter VERNETZUNG, Unterpunkt HEIMORTKOORDINATION Tegernsee, Grüße

  • anja sagt:

    Versuchen Sie doch mal Ihrer Krankenakte nachzuforschen, über die damalige Krankenkasse. Dann lassen Sie sich durch einen Facharzt vielleicht die damals durchgeführte OP nochmal mittels MRT oder Röntgen analysieren, das kann man nachträglich vielleicht. Es bleibt nichts als nachzuforschen. Man könnte der Publikationsliste von Viethen nachgehen. Sehr mühselig. Bitte ziehen Sie einen Kinderarzt und einen anderen Pulmologen zu Rate, anders als über eine ärztliche Analyse geht es nicht

  • Christine sagt:

    Hallo, wie Susanne K. und Heike Maurer war ich in Stetten am kalten Markt. Das muss das erste Halbjahr von 1972 gewesen sein und ich war 5 Jahre alt. Susanne, wir müssen zur gleichen Zeit da gewesen sein. Ich selber habe gar keine Erinnerungen mehr und die meiner Mutter sind spärlich. Ich weiß nur dass ich Depressionen und Angstzustände habe.., ein Trauma. In meinen Recherchen bin ich nicht weit gekommen, daher freue ich mich, dass dieses dunkle Kapitel jetzt durchleuchtet wird. Gäbe es die Möglichkeit mit Susanne und/oder Heike Kontakt aufzunehmen? Herzliche Grüße und Danke. Christine

  • Andreas sagt:

    Ich war 1969 mit meinem Bruder im Haus Quisisana auf St. Peter Ording für 6 Wochen. Ich war 8 Jahre alt, mein Bruder hat dort seinen 6. Geburtstag gefeiert. Wir wurden vom ersten bis zum letzten Tag getrennt „gehalten“, was zumindest für meinen Bruder traumatisch war. Es war wirklich das Allerletzte dort. Stundenlanges auf dem Flur sitzen für nicht schlafen etc. Was man nach Hause schreiben durfte, war genau vorgeschrieben, Kritik war nicht gestattet. Einer der wenigen Aufenthalte in meinem Leben, an die ich mit Schrecken zurück denke und meine Eltern dachten wirklich, sie tun uns etwas Gutes.

  • Herbert Sommer sagt:

    Jetzt im Unruhestand (Baujahr 1950) beschäftige ich mit meiner Familiengenealogie und bin jetzt mal auf mich selbst gestoßen, weil ich meine 4 Kinderlandverschickungen zwischen 1959 und 1962 recherchiert habe. Ich wurde dazu animiert, nachdem ich den Artikel in der SZ vom 27./28.02.2021 über das Kinderheim Waldhaus in Bad Salzdetfurth gelesen habe und das Haus auf dem Foto glaubte wiederzuerkennen. Die Namen der Orte kenne ich aus einem von meinem Vater angelegten Fotoalbum.

    Ich bin (nach meiner Kenntnis) immer unter dem Programm „Berliner Kinder in Licht, Luft und Sonne“ verreist (ich sage bewußt nicht verschickt). Allerdings gehe ich nicht davon aus, daß die zur Aufpäppelung meiner Gesundheit geschah. Ich war nie untererneährt und für mein Alter sehr groß. Meine Eltern konnten beruflich bedingt im Sommer nie Urlaub machen, zudem mein Vater in der DDR (damals SBZ) 1948/1949 (schon vor meiner Geburt) als „Wirtschaftsverbrecher“ in Abwesenheit zu 4 Jahren Zuchthaus und 50.000,00 DM (!) Geldstrafe verurteilt worden war. Er mußte als rechtskräftig Verurteilter adher mit sofortiger Verhaftung bei der Benutzung der Interzonenwege (später Transitstrecken) rechnen. Meine Eltern wollten mir sicherlich auch Ferienmöglichkeiten ermöglichen, aber die Abwesenheit eines quirligen Sohnes in den großen Ferien hatte ja vielleicht auch ihren Reiz.

    Ich bin 1959 ins Kinderkurheim Bad Imnau der Kongregation der Barmherzigen Schwestern von Heiligen Kreuz gereist. Die Fahrt erfolgte per Sonderzug ab Berlin-Zoo. An diese Fahrt habe ich negative Erinnerungen, da ich als 9jähriger mit sehr viel älteren Jugendlichen in ein Abteil kam, die alles andere als begeistert waren, so einen Pimpf bei sich zu haben. Ich glaube, dass dann der Sonderzug aufgelöst wurde und wir nach sicher 24 Stunden Reise als Kleingruppe von 5 Kindern mit einer Begleiterin in Bad Imnau ankamen. Zu meiner Erstaunen waren die „Tanten“ alle Nonnen. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Wir wurden sofort nach unserer Konfession gefragt und es stellte sich heraus, daß wir 5 Berliner alle evangelisch waren. Es gab noch sehr viele andere Kinder, die kamen aber alle wohl aus Baden-Württemberg, denn alle anderen waren katholisch. Unser Heidenstatus hat uns aber zumindestens einen Vorteil gebracht. Wir mußten zwar täglich in eine Andacht in die katholische Kirche gehen, es wurde vor jeder Mahlzeit gebetet, aber die „Evangelischen“ mußten nicht jede Woche zur Beichte antreten.

    An die Schwestern, das Essen etc. habe ich keine Erinnerungen, aber ich habe noch nie in meinem Leben mit der Schüssel gestritten. Auch habe ich keine Erinnerung, daß andere zum Essen gezwungen wurden oder wir nicht zu bestimmten Zeiten auf die Toilette durften. Selbstverständlich waren wir in Mehrbettzimmern untergebracht, was mir sicherlich als Einzelkind mit eigenem Zimmer zu Hause ungewohnt gwesen sein muß.

    Allerdings bin ich in Bad Imnau an Mumps erkrankt und wurde in einm Quarantäne-Zimmer untergebracht und gepflegt. Zur Rückreise war ich wieder gesund.

    Ich weiß nicht mehr, ob ich 4 oder 6 Wochen in Bad Imnau war.

    Fortsetzung folgt

  • Herbert Sommer sagt:

    Ich finde leider meinen Beitrag vom 24.03.2021 nicht wieder, daher die angekündigte Fortsetzung einfach so.

    Im Jahre 1960 bin ich nach einer Eintragung im Persönlichen Fotoalbum nach Lutzenberg verreist. Es gibt auch ein Bild am „Ehnisee.“ Nach meiner Erinnerung haben wir auch einen Ausflug zum Neckar gemacht. Ich konnte weder Lutzenberg noch einen Ehnisee identifizieren. Allerdings habe ich einen Ebnisee in der Gemeinde Kaisersbach in heutigen Rems-Murr-Kreis gefunden. Zumindest scheint die Region zu stimmen.

    Wir sind als kleine Gruppe mit einem Bus aus Berlin dorthin gefahren. Das Haus war klein und war wohl „in the middle of nowhere“. Neben dem Haus lagen Streuobstwiesen, die auch von Kühen beweidet wurden. Wir haben einmal richtig Ärger mit dem Nachbarn bekommen, als ich auf einen wohl schon morschen Obstbaum kletterte, dessen Stamm abbrach und ich langsam aber direkt in einem Kuhfladen landete. Ansonsten kann ich mich nur noch an dauernden Regen und gelegentliches Schwimmen im Ehni(?)-Ebnisee erinnern.

    Ganz anders war meine Reise 1961 nach Bad Salzdetfurth, wenn auch nicht durch den Aufenthalt im Kinderkurheim Waldhaus. Wir wurden ab Berlin-Zoo abends in einen Sonderzug gepfercht, der bis Hannover damals wegen der Behinderungen durch die Deutsche Reichsbahn (DR) in der DRR und die Grenzkontrollen in Griebnitzsee und Marienborn im Schnitt 12 Stunden brauchte. Immer wieder standen wir auf Abstellgleisen, wohl um den priorisierten Frachtsverkehr der DR durchzulassen. Ob wir bis Helmstedt etwas zu Essen oder Trinken bekamen, ist mir nicht erinnerlich, wahrscheinlich hatten wir Wegzehrung unserer Eltern dabei. In Hannover wurde der Sonderzug aufgelöst und wir fuhren in kleineren Gruppen zum jeweiligen Zielort.

    Die Unterbringung war wohl in kleineren Gruppenzimmern. Ich kann mich an Solebäder erinnern. Die Badewannen lagen im Keller und es war muffig-feucht. An das Essen habe ich keine Erinnerung. Die „Tanten“ hatten keine Ordenskleidung. Wir haben immer wieder Waldwanderungen gemacht. Der Wald begann gleich hinter dem am Hang gelegenen Heim.

    Wirklich prägend für mein Leben waren aber die letzten Tage des Aufenthaltes und die Rückreise. Wir sollten am 15. oder 16. August wieder nach Hause fahren. Bekanntlich wurde am Sonntag, dem 13. August 1961, in Berlin die Mauer gebaut. Am 14. August wurden wir alle vom Heim zusammen gerufen und uns wurde mitgeteilt, daß „etwas in Berlin passiert war, vielleicht eine Blockade. Wir würden daher nicht wie geplant nach Hause fahren.“ Ich kann mich noch daran erinnern, daß sich bleischwere Stille einstellte. Wir Älteren haben uns dann auf unserer Stube zusammengesetzt. Alle waren kurz nach der Blockade von Berlin 1948 und 1949 geboren und kannten aus den Erzählungen der Eltern die Auswirkungen einer Blockade oder daß Kinder und Jugendliche während der Blockade ausgeflogen wurden und teilweise jahrelang bei Gasteltern in Westdeutschland leben mußten.

    Vermutlich am nächsten Tag kam die Entwarnung: wir durften nach Berlin zurück! So wurde in Hannover wieder ein Sonderzug zusammengestellt und es ging in Richtung Berlin. Wir kammen in der Abenddämmerung am Übergangs-Kontrollbahnhof Marienborn an. Es war leicht regnerisch, vielleicht etwas nebelig-diesig. Die Bahnhofsbeleuchtung war schon an. Draußen standen Doppelstreifen der DDR-Grenztruppen mit schußbereiten Maschinenpistolen und jeweils einem Diensthund und patrouillierten ohne Pause. Dann kamen die „Kontrolleure“ in den Zug und kontrollierten durch Vergleich mit der Liste des westdeutschen Betreuers den Kinder-Personalausweis jedes einzelnen Kindes. „Setz Dich gerade! Schau mich an! Mach die Haare hinter Dein rechtes Ohr! Wie heißt Du?“ Alles im schneidenden Befehlton, mit dem zweiten Mann der Doppelwache dahinter, Waffe im Anschlag, knurrender Schäferhund an der kurzen Leine.

    Die Kontrollen müssen Stunden gedauert haben. Ich habe einmal versucht abzuschätzen, wieviele Waggons eine Dampflokomotive ziehen konnte, wieviele Sitzplätze ein Waggon hatte und bin darauf gekommen, daß im Zug zwischen 600 bis 700 Kinder saßen. Bitte stellen Sie sich vor, daß 600 – 700 Kinder über 2 bis 3 Stunden kein Wort gesprochen haben! Sie konnten auch nicht auf die Zugtoiletten (Plumpsklo) gehen, denn eine Toilettenbenutzung war im Bahnhof ja verboten.

    Am nächsten Vormittag waren wir dann wieder in Berlin (West). Ich habe nur noch in Erinnerung, daß ich noch nie eine so große Menge Menschen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Zoo gesehen habe, alles Eltern, die hysterisch nach ihren Kindern suchten.

    Bis zur Wiedervereinigung habe ich jedes Mal beim Durchqueren der DDR dieses Bild der Soldaten mit Waffen und Hunden vor Augen gehabt und in mir steigt immer noch eine unbändige Wut auf die Uniformen der Grenztruppen der DDR hoch, selbst wenn ich die heute nur in einer Fernsehdokumentation sehe.

    Sicher ist die langlebige Erinnerung an dieses besondere „Urlaubsende“ nur ein Kollateralschaden meiner Kinderkur in Bad Salzdetfurth und kann keinesfalls dem Heim angelastet werden. Sicherlich war die Ansage durch die Heimleitung, daß wir eventuell nicht nach Hause könnten, nicht gerade zartfühlend, aber damals wußte wirklich niemand was los war.

    Im nächsten Jahr 1962 war ich wieder auf Tour, diesmal nach Cuxhaven-Duhnen. Ich weiß nicht mehr, ob wir mit dem Zug oder dem Bus gereist sind. Das Heim war direkt hinter dem Deich. Der Schlafsaal war riesig und als Eule hatte ich anfänglich Schwierigkeiten beim Einschlafen, denn der Geräuschpegel von so vielen bereits eingeschlafenen Kinder war schon störend. Aber ich habe mich dann daran gewöhnt, mit allen anderen einzuschlafen.

    Ich erinnere mich an Wattwanderungen, einen Besuch am Überseequai in Cuxhaven und endloses Völkerballspielen – auch mit den Betreuerinnen – am Strand. Ich erinnere mich auch erstmals ans Essen, viel Süßes (Reisbrei, Vanillesuppe, Schokoladensuppe). So viel Süßes gab es zu Hause nie, es ist mir zum Ende des Aufenthaltes ziemlich aus den Ohren heraus gekommen. Wie auch bei allen vorlaufenden Reisen hatte ich wieder Geburtstag und ich erinnere mich, dass zu meinem Geburtstag das Paket meiner Eltern nicht da war. Das hat mich traurig gemacht, war aber vergessen, da es am Folgetag zugestellt wurde. Es lag wohl nicht an meinen Eltern, sondern an der Post.

    So viel zu meinen Erfahrungen der Kinderverschickung. Ich kann mich nur an eine Zwangssituation erinnern, nämlich die verordneten Gottesdienstbesuche in Bad Imnau. Meine zarten, nicht abhärteten Protestantenknie waren offensichtlich dem dauern Knien auf den Brettchen nicht gewachsen. Zwangsessen, etwa sogar von Erbrochenem, ist mir nie begegnet. Allerdings herrschte in meiner Familie das Prinzip: Nimm nicht so viel auf einmal, iß auf und nimm Dir dann nach. Was auf dem Teller liegt, wird aufgegessen!

    Bis zu meinem 20. Lebensjahr bin ich immer wieder mit Jugendreisen kirchlicher und nicht-kirchlicher Träger (Schule, Schüleraustausch Frankreich, Sprachreise England) verreist, teilweise zu Gastfamilien.

    Alle diese Reisen – und dazu zähle ich auch die Kinderkuraufenthalte – haben mir als mit einem sehr restriktiv erziehenden Ellternhaus gesegneten Einzelkind Horizonte geöffnet, mir das Leben in einer Gruppe gezeigt, mich Anpassung gelehrt (ohne zum Mit- oder Nachläufer zu werden). Vielleicht bin ich auch nur mit der Gabe des seligen Vergessens oder einer gesunden Resilienz gesegnet. Jedenfalls bin ich meinen Eltern für die ganzen Jugendreisen dankbar, die mich aus der Beschränktheit des Einzelkinderdaseins befreit haben und mir Perspektiven aufgezeigt haben, die sich selbst auf meine spätere Berufswahl ausgewirkt haben.

    Herbert Sommer

  • Dagmar sagt:

    Wir waren auch zur Kur im Kinderkurhaus Quisisana. Das war im Frühjahr 79, mein Bruder war 4, ich war 7. Auch heute noch sind mir die unguten Erinnerungen daran sehr präsent. So wie Andreas schreibt, wurden wir Geschwister in getrennten Schlafsälen untergebracht. Schon die Zugfahrt nach St. Peter Ording war schrecklich- von unserer Mutter an fremde Leute übergeben zu werden und dann 6 Wochen weg zu sein. An das Gefühl der Ohnmacht kann ich mich noch heute gut erinnern. Ich wollte für meinen kleinen Bruder da sein, da wir aber getrennt schliefen, war das ja nachts gar nicht möglich. Ich selbst hatte schrecklich Heimweh und hab glaube ich, viel geweint. Der Umgang damit war eher harsch. Ich war eine ,,Heulsuse“ und sollte mich nicht so anstellen. Ich musste viel mehr essen, als ich eigentlich konnte und mochte. Als ich zurück kam, hatte ich auch was zugenommen. Spätere Gespräche mit meiner Mutter gaben aber nicht wirklich Antwort auf den Sinn dieser Kur. Wir waren nicht zu dünn und auch nicht sonderlich kränklich. Meine Mutter erinnert sich, dass man ihr sehr dazu geraten hatte. Es war kurz nach der Scheidung meiner Eltern. Das täte uns Kindern gut.
    Ich hab lange Zeit vermieden, überhaupt an die Zeit zu denken und einiges hatte ich verdrängt, wie mir erst viel später klar wurde, als ich mich intensiver damit auseinander gesetzt habe.

  • Kerstin sagt:

    Durch einen Artikel im Web – ich weiß nicht mehr genau wo – wurde ich vage an das SChicksal erinnert.
    Heute sah ich eine Dokumentation in der ARD Mediathek und wurde massiv in die Vergangenheit zurückversetzt. Ich wurde 1966 „verschickt“ in den Schwarzwald, wenn ich mich recht erinner, nach Dobel.
    Ich muss mich erst mal sortieren, weil ich so viele der im Bericht geschilderten Begebenheiten selbst erlebt und aus Scham mein Leben lang verdrängt habe.
    Andererseit bin ich froh, nun zu erfahren, dass ich nicht allein die Ausgestoßene, Alleingelassene war, wie ich immr vermutet habe.
    Momentan bin ich schockiert und überwältigt von den zurückkehrenden Erinnerungen. Aber zugleich hoffe ich, endliche eine Erklärung für meine lebenslangen Ängste finden zu können…

  • Kristin sagt:

    Hallo,

    Ich bin 36 und würde Ende der 80iger mit ca 5 oder 6 Jahren nach Bulgarien zur Kur verschickt um zuzunehmen, eine Art Bäderkur,ich habe nur Erinnerungsfetzen, nach dieser Kur erhielt ich eine OP an der Harnröhre und war dann oft im Krankenhaus warum weiß ich bis heute nicht.
    Vielleicht findet sich jemand der auch in Bulgarien war .

    Gruß Kristin

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