Anja Röhl

Verschickungsheime

Verschickungen –

Das war nach 1945 der Sammelbegriff für das Verbringen von Klein- und Schulkindern, wegen gesundheitlicher Probleme in  Kinderkuren, Kindererholungsheime und -stätten in den 50/60/70er bis in die 80er Jahre. Vorläufer waren die Kinderlandverschickungen in der Weimarer Republik und unter den Nazis. Die „Verschickungen“ werden häufig als traumatisierend erinnert.

Aktuelles:

KONGRESS  „Verschickungskinder“

Öffentlicher Kongress zur Aufarbeitung des Elends der „Verschickungskinder“ in den 50/60/70/bis 80er Jahren auf den nordfriesischen Inseln und in ganz Deutschland

Wo:

Gebäude Alte Post, Stephanstraße 6, in 25980 Sylt/ OT Westerland

Wann:

Am 21./24.11.19 November 2019 (21.11. ist Anreise-, 24. ist Abreisetag)

Wir bedanken uns sehr bei der Gemeinde Westerland/Sylt! Sie hat uns einen Tagungsraum für 60 Personen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Bürgermeisteramt von Sylt möchte sich an der Aufarbeitung dieses Kapitel ihrer und unserer Geschichte aktiv beteiligen !

Anmeldung bitte unter: anjairinaroehl@gmail.com

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War die „Verschickung“ eine Kindererholung?

Ganz besonders Arbeiterkinder wurden in den 60er Jahren in der BRD zu Millionen in Kinderkuren gegeben, oft als  „Kassenverschickungen“ indem ein Arzt das Attest ausschrieb. Die Krankenkassen bezahlten den „Erholungsaufenthalt“ .  Jedoch viele dieser Kinder kamen traumatisiert zurück.

Die Landerholungs- und Kurkinderheime lagen abseits der Metropolen, vielfach in Wald- und Küstengebieten, dort waren auch schon unter den Nazis Landerholungsstätten (oft paramilitärische Drillanstalten) gewesen und dienten während des Krieges zur Evakuierung / Landverschickung.  Später dienten sie noch eine Zeit lang der Versorgung und Unterbringung von den 2 Millionen Kriegswaisen.

Nach 1945 wurden manche dieser Kindererholungsheime /Landverschickungsheime  von den Kassen übernommen, andere von den Kirchen, andere von privat. Ende der 50er Jahre muss es zu Werbekampagnen der Krankenkassen gekommen sein, die an die Hausärzte in den Arbeiter- und kleinen Angestelltengebieten herantraten, doch unbedingt möglichst viele Kinder zu schicken.

Es kam ab den 60er Jahren zu einem Boom von Verschickungen.

Bronchitis, Über- oder Untergewicht, zu dünn, zu dick, zu blass, es reichten Kleinigkeiten aus, dass den Eltern geraten wurde, ihre Kinder zu „verschicken“. Was so geschah, dass man sie ab frühestem Alter allein in einen Zug setzte. Geraten wurde, den Kindern nichts davon zu erzählen, dass sie allein fahren müssten, um das „Heimweh“ zu vermindern. Das Alleingelassenwerden wurde damals nicht thematisiert.

Krankenkassen warben mit frischer Seeluft

Sie rieten besonders diejenigen Kinder aufzunehmen, deren Familien sich keinen Sommerurlaub mit ihren Kindern und frische Seeluft leisten konnten.

Essen als Strafe

Die „Verschickungsheime“, wie sie genannt wurden, waren Häuser, in die Kinder ab frühestem Alter, ab dem 2./3./4. Lebensjahr allein „geschickt“ wurden,  6-8 Wochen lang,  fremden „Tanten“ ohne jede Eingewöhnung überlassen. Diese wurden 30-50 Kindern zugeordnet und versuchten mittels Drohungen, schlechtem Essen, Isolationsstrafen, Demütigungen, Essen als Strafe, (brutale Einfütterung), Schlafstrafen oder -entzug, Ans-Bett-Fesseln, in den Waschraum sperren, Trennung von Geschwistern, Mund und Augen zukleben und vielem mehr „duchzukommen“.

Einerseits waren die Erzieherinnen, Pflegerinnen und Hilfskräfte überfordert, andererseits waren sie noch unter der Ideologie der Nazi-Pädagogik, der Erziehungsprinzipien Hitlers, die da lauteten: „Nur das Starke hat das Recht zu existieren – Das Schwache muss ausgemerzt werden“ erzogen und ausgebildet worden.

Der Erholungswert dieser Kuren ist im Nachhinein stark anzuzweifeln, es ist von massiver Traumatisierung auszugehen.  Es melden sich täglich mehr Augenzeugen, die von Erlebnissen berichten, die heute als schwere Kindesmisshandlung gelten.

Schulausfall wurde nicht ausgeglichen

Die Kuren lagen grundsätzlich nicht in den Ferien, sondern wurden über das ganze Jahr verteilt, womit die Auslastung der Heime gleichmäßig erfolgte. Der dadurch hervorgerufene Schulausfall wurde meist nicht ausgeglichen. Viele verloren damit schulisch den Anschluss oder mussten ein Jahr dranhängen oder ausfallen lassen. Oft wurden die Kinder aber vor dem Schuleintritt in diese Heime gegeben. Die jüngsten waren 2 Jahre alt, sie reisten meist mit älteren Geschwistern, von denen sie aber sofort bei Eintritt des Heimes getrennt wurden. Ab 4 Jahre(!) reisten die Kinder ganz allein.

Wer ist Betroffene oder Betroffener ?

Diese Opfer haben bisher keine öffentliche Stimme, das soll nun anders werden, deshalb der Kongress, zu dem auch pädagogische Referenten eingeladen sind. Ein Vorbereitungstreffen wird im Sommer in Berlin stattfinden.

Vertiefungsinterviews

Ich mache Vertiefungsinterviews für ein Buchprojekt. Wer will kann mir schreiben, wer will, kann besucht werden und mehr erzählen, meldet Euch mit euren Erlebnistexten oder zur Verabredung eines Interviews unter der Telefonnummer: 0176-24324947, oder unter der Postanschrift: A.Röhl, Uferstraße 92, 15517 Fürstenwalde/Spree.

Legt Zeugnis ab!

Wer hier auf der Seite seine Erlebnisse hineinschreibt, legt Zeugnis ab und hilft mit, dass wir Glaubwürdigkeit bekommen und unsere Erlebnisse nicht als Einzelfälle verharmlost werden können. Ich danke allen, die hier schreiben!

Zum Einlesen: http://www.anjaroehl.de/wyk-auf-fohr-%E2%80%93-verschickung

Aktueller Artikel zum Thema:

https://www.tagesspiegel.de/politik/kindesmissbrauch-in-der-nachkriegszeit-ferienverschickung-vor-allem-tat-meist-das-heim-weh/22779554.html

Ein weiteres Forum, ganz neu, hier: Wo Verschickungskinder miteinander ins Gespräch kommen können.

Wichtig:

Es gab bzgl. der Heimkinder der Fürsorgeanstalten ab 2012 eine Projektstelle Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung 1949-1975, Dies ist leider nur in Baden- Würtemberg und auch 2018 ausgelaufen

https://www.landesarchiv-bw.de/web/61032

Sie nannte sich:  Projektstelle Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung 1949-1975 im Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. II: Fachprogramme und Bildungsarbeit, Eugenstr.7, 70182 Stuttgart, Tel.: 0711 212 4272

Dort gab es ein HEIMVERZEICHNIS:

https://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/62617/Heimverzeichnis.pdf

Da sind zT auch Kinderheilstätten dabei. Eine eigene Recherchestelle müssen wir als Verschickungskinder aktuell fordern.

Die meisten heutigen Kinderheilstätten schreiben in Ihren Broschüren über ihre Geschichte nur Gutes, sie loben die Gründer, die Erzieherinnen und Schwestern, es gibt in keiner auch nur ein einziges Wort über die Tatsache, dass und wie Kinder dort seinerzeit gelitten haben. Aufgabe unsererseits könnte sein, unsere Augenzeugenberichte zu sammeln und sie an alle Kinderheilstätten mit der Bitte um Einarbeitung in ihre geschichtlichen Rückblicke zu schicken.

Unter Kinderlandverschickung findet man bei Wikipedia einen absolut die NS-Zeit verharmlosenden Beitrag, ohne jeden Bezug zum Leiden der Kinder und zum erklärten Ziel der Nazis, alle Kinder mit Gewalt zu bedingungslosem Gehorsam zu drillen, durch Angst zu verstören, durch Tötungsrituale für den Krieg auszubilden, ich empfehle dazu den Film Napola

Die Verschickungen in den 50/60/70er Jahren bis in die 80er Jahre hinein müssen gründlich erforscht, ihre Geschichte muss aufgearbeitet werden, das Leiden der damaligen Kinder darf nicht vergessen sein, die Praxis dieser Heime darf nicht verharmlost werden!

Kommentare

Es gibt 138 Kommentare für "Verschickungsheime"

  • Corina Dietz sagt:

    Ich bin sehr interessiert an Erfahrungsberichten zu einem Erholungsheim im Schwarzwald/Freudenstadt. Ich weiß nicht wie dieses Heim hieß. Die Verschickung war im Februar 1969 und wurde von den Stahlwerken Südwestfalen für deren angehörige Kinder zu günstigen Konditionen angeboten. Ich habe nur vage Erinnerungen. Ich weiß nur aus Erzählungen meiner Mutter, dass ich verändert und ängstlich wiederkam, davor ein fröhliches und ausgeglichenes Kind.Ich wurde gerade vier Jahre alt und wurde zusammen mit meiner Schwester (5 1/2) für 6 Wochen dorthin verschickt. Ich leide Zeit meines Lebens unter Panikzuständen und versuche im Moment nach Ursachen zu forschen. In Therapien war dieses Heim immer ein Thema und ich denke, dass ich es verleugne, dass es irgendwas damit zu tun hat, bis ich zufällig auf diese Seite gestoßen bin.

  • Susanne K. sagt:

    Hallo! Ich interessiere mich auch für das Thema Kindererholungsheim. War 1971/72 für 6 Wochen in Stetten am kalten Markt. Damals 5 Jahre alt. Erinnerungen habe ich so gut wie keine mehr. Meine Eltern haben wohl geahnt, dass die Entscheidung mich in „Kur“ zu schicken nicht sehr gut ist, sie wurden aber von der Hausärztin und dem Gesundheitsamt unter Druck gesetzt. Das Kind ist zu dünn…! Allein die Tatsache ein Kind in diesem Alter für einen solchen Zeitraum aus einer sehr behüteten Situation wegzugeben, lässt mir heute die Haare zu Berge stehen. Habe auch mit Angststörungen und Depression zu tun. Den Text von Heike Maurer habe ich gelesen und bin natürlich beunruhigt…

  • Susanne K. sagt:

    @Heike Maurer: Sie können mich gerne persönlich anschreiben. (Kontakt über Frau Röhl)

  • Anonym sagt:

    @serena, @anja
    Ich erinnere mich, dass ich auch in Schönau war im Jahr 63 oder 64. Es waren 6 grausame Wochen, die mir Traumata beschert haben. Abstruseste Erinnerungen, bis auf ein Foto wo ich als 5 jähriger auf einem Pony sitze, weiß ich nicht mehr viel. Die Eltern sind längst verstorben. Insofern interessant, dass es auch anderen so ergangen war, die offensichtlich auch lebenslange Folgen davongetragen haben. Und – die Idee einen Kongress zu veranstalten zu dem Thema klingt interessant. Ob das ein Zielpublikum findet muss sich zeigen.
    Herzliche Grüße
    Anonymous

  • Durch Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen, als ich über das Kinderheim Gutermann in Oberstdorf im Allgäu recherchiert habe, in dem ich im Januar/Februar 1957 für 6 Wochen zu einer Kinderkur war. Damals war ich 6 Jahre alt und wurde mit einem „Kindertransport“ dorthin „verschickt“ Ein halbes Jahr zuvor in 1956 hatte ich sechs Wochen nach meiner Einschulung einen Unfall auf dem Schulhof, bei dem ich mit einem Jungen der achten Klasse beim Spielen zusammengestoßen und auf Rücken und Hinterkopf gefallen bin. Ich hatte eine schwere Gehirnerschütterung und war über eine Stunde bewusstlos. Der Krankenhausaufenthalt, der auf den Unfall folgte, hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen, die aber nicht vergleichbar sind mit denen aus der Kinderkur. Die behandelnde Kinderärztin war damals der Meinung, dass ich vor meiner erneuten Einschulung in 1957 (ich war nach dem Unfall für ein Jahr vom Unterricht zurückgestellt worden) unbedingt eine Erholungskur machen sollte. Das Kinderheim Gutermann war meinem Vater von der DAK als ein sehr gutes Haus empfohlen worden. Ich weiß noch genau, dass ich mich auf eine Zeit gefreut habe, mit anderen Kindern zusammen zu spielen und Schlitten zu fahren. Meine Mutter kaufte mir schöne neue Sachen zum Anziehen Es gab eine Liste, was alles mitgebracht werden sollte. In alle Kleidungsstücke wurden Schilder mit meinem Namen eingenäht.
    An alles was danach kam, sind meine Erinnerungen nur noch sehr lückenhaft. Ich erinnere mich an einen Speisesaal, in dem eine bedrückende, angstvolle Atmosphäre herrschte. Morgens gab einen Teller Haferschleim ohne Zucker, voll bis zum äußersten Rand, und anschließend noch ein unverhältnismäßig dickes Brot mit Marmelade. Man musste sitzenbleiben bis alles aufgegessen war. Die zugeteilte Menge war viel zu viel für einen kleinen Kindermagen und man musste über das „Sattsein“ hinaus weiteressen. Einmal hat ein Junge am Tisch erbrochen. Er bekam dann das gleiche Essen nochmal vorgesetzt und musste es aufessen. Der Kurerfolg wurde damals an der Gewichtszunahme gemessen.
    Ich wurde nach ein paar Tagen krank und bekam Windpocken. Man war ärgerlich auf mich und ließ mich das spüren, weil ich aufgrund der Ansteckungszeit „die von zu Hause mitgebracht haben musste“. Ich fühlte mich schuldig. Weil ich ansteckend war, brachte man mich in einer Dachkammer unter zusammen mit einem anderen Mädchen, was Masern hatte. Als meine Windpocken vorüber waren, bekam ich dann anschließend die Masern und das andere Mädchen die Windpocken. Ich habe von den sechs Wochen Kinderkur vier Wochen in der Dachkammer im Bett liegend verbracht ohne Kontakt zu den anderen. Wie ich diese Zeit überstanden habe, weiß ich bis heute nicht. Ich habe auch absolut keine Erinnerung daran, was ich die ganze Zeit über gemacht habe. Das einzige an das ich mich erinnere ist, wo mein Bett in dieser Dachkammer stand und wo das Fenster war, aus dem ich den anderen Kindern beim Schlittenfahren vor dem Haus zuschauen konnte. Einigen von ihnen hatte man meine neuen Kleider, die ich noch nie angehabt hatte, angezogen, weil sie nicht so viel mitgebracht hatten und ich die Kleider ja nicht brauchte, weil ich ja im Bett liegen musste. Das war die Erklärung. Meinen Eltern hatte man zwar gesagt, dass ich krank sei und im Bett liege, aber dass es mir gut gehe. Meine Mutter schickte daraufhin ein Paket an mich mit Süßigkeiten und meiner Lieblingspuppe. Dieses Paket habe ich nie bekommen. Meine Puppe haben sie mir auch nicht gegeben, die habe ich im Spielzimmer gefunden, als ich wieder aufstehen durfte. Da hatten inzwischen andere Kinder mit gespielt.
    Ich erinnere mich auch noch daran, dass man uns bei der Ankunft im Kinderheim mitgeteilt hatte, dass wenn jemand ganz großes Heimweh bekäme, er sich melden könne und dann nach Hause dürfe. Ich bin in dieser Zeit vor Heimweh fast umgekommen und als ich es nicht mehr aushalten konnte, habe ich es gesagt in der Hoffnung dann wie versprochen nach Hause zu dürfen. Aber da wollte man von diesem Versprechen nichts mehr wissen. Damals habe ich das Vertrauen in die Zusagen von anderen Menschen gänzlich verloren.
    Ein Satz von damals hat sich bei mir bis heute besonders eingebrannt. Wir wurden regelmäßig gewogen und da ich aufgrund meiner langen Krankheit trotz des vielen Essens in der ganzen Zeit nur ein Pfund zugenommen hatte, bekam ich gesagt, dass wenn ich nicht mehr zunehmen würde, ich nie mehr nach Hause dürfe. Mit schnürt sich heute noch der Hals zu, wenn ich an diesen Satz denke. Ich glaube ich hatte damals die Hoffnung aufgegeben, mein Zuhause jemals wiederzusehen.
    Ich bin wieder nach Hause gekommen, allerdings als ein anderer Mensch. Meine Eltern waren entsetzt, welches Kind da aus dem Zug stieg. Zu den Krankheiten, von denen sie bereits wussten, hatte ich noch drei verbundene Finger, die sich, wodurch auch immer, entzündet hatten.
    Meine Eltern waren ebenfalls entsetzt als sie die dicken Brotscheiben sahen, die man uns als Proviant für die nächtliche Zugrückfahrt mitgegeben hatte und konnten kaum glauben, dass wir diese immer essen mussten. Ich weiß auch, dass mein Vater sich bei der DAK nach meiner Rückkehr über dieses Heim beschwert hat.
    Die Folgen dieser 6-wöchigen Kinderkur haben mich ein Leben lang begleitet und mein Leben sehr eingeschränkt.
    Ich bin inzwischen selbst Traumatherapeutin mit einer eigenen Praxis und habe viel über Trauma gelernt und geforscht, um den Ungereimtheiten meines Lebens auf die Spur zu kommen und ich weiß inzwischen, dass vieles davon seinen Ursprung in den damaligen Erlebnissen hat.
    Durch einen erneuten Sturz auf den Rücken vor einigen Wochen sind die Erinnerungen an damals reaktiviert worden und ich erlebe gerade selbst an mir, dass Trauma im Körper gespeichert ist mit allen dazugehörigen Emotionen. Ich habe nicht im Entferntesten geahnt, welche Ladung durch die damaligen Erlebnisse da in mir gespeichert ist. Kolleginnen und Kollegen, begleiten mich liebevoll mit körperorientierter Traumatherapie durch den Verarbeitungsprozess, damit die Ereignisse von damals endlich ihren Schrecken verlieren können. Im Sommer werde ich eine Woche Urlaub in dem Haus machen, in dem ich vor 61 Jahren die schlimmsten Wochen meines Lebens verbracht habe und das inzwischen zu einem Landhaus mit wunderschönen Ferienwohnungen umgebaut ist. Mein Mann begleitet mich und wir haben eine Wohnung unterm Dach angemietet, die beworben wird mit dem Zusatz „eintauchen in alte Zeiten“ – wie wahr! Es ist mir wichtig, neue Erfahrungen an diesem Ort und speziell in diesem Gebäude zu machen, um die Vergangenheit von der Gegenwart zu trennen und Vergangenes endlich hinter mir lassen zu können, damit es mein Leben hier und heute nicht länger beeinflusst.
    Ich habe gelesen, dass für 2019 ein Kongress geplant ist, an dem ich gerne teilnehmen würde, wenn gewünscht gerne auch aktiv mit einem Beitrag über die Möglichkeiten der Traumaverarbeitung von Schock-, Entwicklungs- und Beziehunsgstrauma, wo ich sowohl aus der Theorie als auch aus meiner eigenen Erfahrung berichten kann. Gibt es für den Kongress schon einen Termin?

  • vera frankenberger sagt:

    liebe anja,
    das haus was serena sucht ist wahrscheinlich kinderheim carola in schönau am hanottenweg am elisen weiher.ich war etwas später dort april 1975 6wochen . denke kann ihre traumatischen erfahrungen teilen auch ich musste einiges erleben…bin aber nochmal nach schönau gereist um aufzuarbeiten.leider steht das haus nicht mehr nur noch die alten spielgeräte konnte ich noch finden.gerne würde ich ihr helfen habe alte postkarten vom haus.lg vera frankenberger

  • anja sagt:

    Eine Wahnsinnsgeschichte! Man muss weinen, wenn man Ihren Bericht liest! Unser Kongress wird wahrscheinlich am 22./23.11. auf Sylt stattfinden, die Verhandlungen dazu laufen noch, alle, die hier Kommentieren, bekommen in den nächsten Tagen Bescheid. Sylt ist in die nähere Wahl gekommen als Nordseeinsel (viele der Betroffenen waren auf Nordseeinseln), und als ein öffentlichkeitswirksamer Ort, denn Ziel ist es, einmal durch das Zusammentreffen vieler Betroffener aus dem Gefühl herauszukommen, man war allein mit dem Problem, daher einen kleinen Ansatz von Heilung zu erfahren, gern mit weiteren Tipps, zum anderen die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken und für die Zukunft zu fordern, dass man nie wieder solche Erziehungspraktiken zulassen darf! Es wird also einen Erfahrungsaustauschs-Part und einen Mini-Referententeil (2-3) geben. Zur Vorbereitung des Kongresses werde ich gesondert Interessierte im Sommer zu einer nicht öffentlichen Sitzung einladen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Anja Röhl

  • Hallo zusammen, ich war in den 70zigern mit meiner Schwester in der Kinderheilanstalt in Bad Dürrheim. Ich kann mich heute noch an das lied erinnern das wir sangen, auch an den aller ersten Tag wo wir da ankamen, es gab einen ekelhaften Müsli Brei, ich konnte den nicht Essen und bekam somit den ganzen Tag nichts mehrzu Essen, ich wollte sofort Heim! Auch durften wir nur Postkarten schreiben und die wurden noch diktiert wie gut es einem gehen würde! Auch war das Fieber messen, das noch rektal durch geführt würde immer sehr brutal vollzogen! Das Baden war auch sehr schlimm, wenn man nicht wollte, kam ein Holzdeckel auf die Wanne wo nur der Kopf rausschaut! Meiner Schwester erging es sehr schlecht, sie nässte ein und somit bekam sie selten bis nicht’s zu essen was das einnässen nicht verbesserte. Pder sie musste kalt Baden. Viele Dinge waren grausam ! Wer nicht gehorchte wurde bestraft! Ich selbst musste 2 Nächte in der Küche verbringen durfte nicht in mein Bett. Ich musste 2 mal dieses Heim besuchen 8 Wochen am Stück, meine Schwester nur einmal, sie kam mit 35 kilo nach Hause!! Ich denke das dieses Heim auch in der Hitlerzeit genutzt wurde um schändliches zu tun, ich denke meine Mutter wusste nicht wie grausam es war.
    Danke fürs lesen! Ich bin heute 52

  • Johanna Wessels sagt:

    Ich war 1960 oder 1961 in Bad Soden Allendorf in der Verschickung. Ich habe bis heute noch schlimme Erinnerungen an die Zeit. Meine Mutter hat es nicht interessiert und dann meinen jüngeren Bruder dort hingeschickt. Der kam traumatisiert zurück . Was dort passiert ist war Kindesmisshandlung und Psychoterror an Kindern.

  • Eva sagt:

    Suche Personen, die in den 60er Jahren auf Föhr waren. Ich kam aus dem Saarland.

  • Tanja Hölscher sagt:

    Hallo zusammen,
    nachdem meine Mutter 1981 einen Postbeamten geheiratet hat, kamen meine Schwester ( geb.1970) und ich ( geb.1972) in den Genuss über die Post „verschickt“ zu werden. Das erste Mal, ich war Carl.8 Jahre alt, waren wir in Bad Sooden. Dort wurden wir von Nonnen betreut. Wir waren im Grunde alle wegen Untergewicht dort, außer ein Mädchen, die war zu dick. Wir wurden regelrecht gemästet, und sie durfte nur das hauseigene Heilwasser trinken. Dort mussten wir auch immer Solbäder nehmen, was ich nicht sehr angenehm fand. Aber sonst kann ich sagen, dass es keine schlechte Zeit war. Unsere Eltern kamen uns sogar einmal besuchen und wir waren auch “ nur“ vier Wochen dort. Aber die Zugfahrt, die man alleine antreten musste, fand ich auch nicht angenehm.
    Die zweite Kur war schon eine ganz andere Nummer…. Wir waren in Maquardstein, das ist im tiefsten Bayern ( wir kommen aus Lübeck, Schleswig-Holstein), eingeschlossen von riesigen Bergen. Die Heimleitung und die Erzieher waren wirklich gruselig und sehr herrisch. Ich kann mich noch erinnern, dass wir zuerst ein wirklich schönes Zimmer hatten. Dann bin ich krank geworden, eine schlimme Grippe und mit dem Wissen von heute muss es eine Nebenhölenvereiterung gewesen sein. Als ich morgens aufwachte, war mein ganzes Bett und meine geliebten Kuscheltiere voll mit blutigem Eiter. In der Nacht muss es aufgegangen sein und lief schön die ganze Nacht in mein Bett. Wir haben dann natürlich gleich Bescheid gesagt, aber frische Bettwäsche wurde mir verweigert, weil es noch nicht Zeit zum wechseln war. Dann, ich weiß nicht mehr warum, müssten wir das Zimmer wechseln. Wir kamen dann in eine Dachkammer, die wir mit einem Mädchen teilen mussten, die immer ihre Finger-und Fußnägel aß und ins Bett machte ( beide Geschäfte). Diese vier Wochen zogen sich wie Kaugummi.
    Dann war meine Schwester 12 Jahre alt, und durfte nicht mehr mit. Ich fuhr dann nach Münsingen, was mir wirklich sehr gut gefallen hat. Ich kann mich noch erinnern, dass dort ein Mädchen war dass von ihrem Vater missbraucht wurde. Damit konnten wir Kleinen nicht viel anfangen. Aber ich fand es gut, dass man, trotzdem sie schon 15 Jahre alt war, sie dort aufgenommen hat.
    Dann, als ich gerade 12 Jahre alt war, verstarb meine Mutter an Krebs. Es war eine sehr schwere Zeit für uns. Ich durfte ausnahmsweise dann auch in diesem Jahr noch an einer Kur teilnehmen. Ich bin nochmal nach Münsingen gefahren. Dort gab es etwas außerhalb einen kleinen Hof mit ein paar Tieren und wir hatten dort viele Freiheiten.
    Wenn ich jetzt speziell an das Essen denke, muss ich ehrlich sagen, dass es überall nicht die Wucht in Tüten war. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass es uns förmlich reingeprügelt wurde. Da waren die in den 80ern schon sichtbar weiter. Auch die Zeit war zum Glück kürzer, aber auch vier Wochen können lang sein.
    Im Großen und Ganzen habe ich wohl mit meinen Einrichtungen Glück gehabt. Aber trotzdem hätte ich meinen Kindern das niemals angetan.
    Bei mir steht jetzt gerade eine Reha an und ich dachte so über meine Kuren als Kind nach. Dann kam ich auf diese Seite. Aber ich arbeite gerade meine familiäre Vergangenheit auf und kann alle sehr gut verstehen die durch so etwas traumatisiert sind. Kann man sagen: sie wussten es nicht besser??? Ich glaube nicht…
    Ich drücke allen die Daumen dass es besser wird
    Liebe Grüße

  • Uta sagt:

    Schon länger habe ich nach Informationen zu Kindererholungsheimen gesucht und bin heute auf Ihrer Seite angelangt.

    Erinnerungen habe ich nur wenige an meinen Aufenthalt (vermutlich 1958); dazu gehört zuerst der Abschied an der Bahn von Mutter und Großmutter – allerdings sehe ich uns nur von außen und ohne die Gefühle von Abschiedsschmerz und Angst.
    Dann sehe ich einen großen Schlafsaal mit Metallrohrbetten, die in Reih und Glied nebeneinander stehen.
    Bedrückend ist die Erinnerung an den Speiseraum, an eine Milchsuppe in Schalen, auf deren Grund eine Dörrpflaume lag. Wie von vielen hier berichtet, musste alles aufgegessen werden; nicht allen war das möglich. Einige erbrachen sich. Es gab einen Katzentisch, an den diese Kinder gesetzt und zum Essen gezwungen wurden.
    Ich erinnere mich, ganz deutlich und hierbei mit gutem Gefühl, an eine Wiese, durch die ein schmales Bächlein floss, mit blühenden Schlüsselblumen.
    Da ich noch nicht schreiben konnte, sehe ich eine „Tante“ vor mir, die eine Karte beschriftete, aber nicht so schreiben mochte, wie ich es vorgab.
    Und schließlich erinnere ich mich nach der Rückkehr an das Entsetzen meiner Mutter, als sie mich empfing. Ich war ungepflegt, hatte raue Handrücken, die über den Knöcheln borkig und aufgerissen waren.

    Ganz tief und fest hat sich der Name des Ortes in meine Erinnerung eingegraben, Bühl Baden, Kappelwindeck. Wie die Einrichtung hieß, weiß ich nicht.

    Vielleicht gibt es jemanden, der auch an diesem Ort war, das Heim kennt und Erinnerungen teilen kann!

    Ihnen, Frau Röhl, danke ich für die Aufmerksamkeit, die Sie diesem dunklen Kapitel von Kindheit zukommen lassen.

  • Andrea H. sagt:

    Sehr geehrte Frau Roehl, danke für ihr Engagement zunächst…und: es tut gut,mit diesen Erfahrungen nicht allein gelassen zu werden….wohnhaft waren wir damals in Baden-Württemberg, geboren wurde ich 1965 im kalten Januar in einem Örtchen nahe Villingen-Schwennigen geboren. Ich muss von Geburt an krank gewesen sein, denn mit ca. 3 Jahren schickte mich meine Mutter für viele Wochen oder gar Monate? in das Kinderheim auf Norderney. Das Heim gibt es heute noch. Meine eigene Tochter – heute 19 – sollte von der Barmer mit 7 Jahren ebenfalls dorthin verschickt werden – ich habe es verweigert. Warum nur, hat meine Mutter das damals zugelassen?…ich erinnere mich an einen dunklen, gewölbeartigen Schlafsaal mit vielen kleinen Betten, an die Hoffnung, wenn die Post kam und die Enttäuschung wenn man nichts bekommen hatte, an die Scham , wenn die Briefe und Karten von den Schwestern (es war eine kirchliche Einrichtung) diese vor allen vorlasen, die Pakete, die Mama gepackt hatte- für mich..die aber an alle verteilt wurden, damit man Demut übte, die lange Reihe an kleinen Waschbecken, die Kleidung, in die überall meine Name eingenäht war, an die Kinder mit Neurodermitis, die nicht kratzen sollten und deshalb mit Plastikschienen an den Armen und Beinen bewegungsunfähig in ihren Bettchen lagen und standen, an den Mittagsschlafzwang, an den Tag, als ich dringend mal musste, aber das Geschäft durfte nicht in den Topf, den alle unter Aufsicht in der Mitte des Raumes benutzen mussten, ich habe dann beim Spaziergang in zweierreihen in meine Strumpfhose gemacht und habe mich so geschämt, da es laut verkündet wurde, ich sei unsauber, an die Kontrolle meiner Nägel, an das Hinknien in der Mitte des Raumes, an die Schläge auf die zerkauten Hände mit dem Lineal, an das Messen des Bauchumfangs, hatte man zugenommen? An die Milchsuppe, die mich zum Würgen brachte,,,,,an meine unendliche Sehnsucht, an meine Einsamkeit, die Frage: Mama, wo bist du und warum kommst du nicht mich abholen???…Das habe ich sie dann auch gefragt, als sie mich abholte damals, in Norderney, am Zaun…ich habe sie auch heute immer wieder gefragt: Mama, warum hast du das getan? Du musst mich doch vermisst haben? …*Das hat man damals so gemacht, und du hast auch immer Briefe geschrieben (mit DREI) , das es dir gut geht, und auf den Bildern hast du gelacht….

    Mit 11 Jahren wurde ich nochmals verschickt – nach Markt Schellenberg in Berchtesgaden..ich habe auch geschrieben, gebeten, mich bitte wieder zu holen….offensichtlich taten sie das auch – aber ich wollte wohl nicht mit…der Aufenthalt dort war als Mädchen in der Pubertät beschämend…es gab unschöne Ereignisse, die Pädagogen hätten alle verdient in der Hölle zu schmoren…

    Ich habe eine schwere psychische Erkrankung, wohl seit früher Juged, die durch ein Trauma hervorgerufen wird, durch emotionalen, seelischen Missbrauch…noch immer leide ich unter Verlustängsten, Depressionen uvm….im Laufe viler Therapien , Selbstreflexion, Lebenserfahrung frage ich mich nicht mehr, woher das kommt….die Verschickung war mit Sicherheit massiv ausschlaggebend…ich frage mich, warum Eltern bis heute nicht erkennen, was sie ihren Kindern damals angetan haben….ich bin sleber Mutter!!…NIE NIEMALS hätte ich das meinem Kind angetan….ich habe einmal auf Norderney angerufen und wollte mehr Auskünfte zu den Geschehnissen….“Ja, da sind wohl viele Kinder traumatisiert worden“, lautet die Auskunft…und auch meine Therapeuten ignorieren das Thema…..es ist nicht präsent…dieser Missbrauch…hat man halt so gemacht damals….

    Uff…da kommt viel hoch….danke fürs Lesen

  • Andrea H. sagt:

    Darf ich fragen, warum mein Beitrag gelöscht bzw nicht freigegeben wurde? Vielen Dank für Info

  • Burkhard sagt:

    Ich war 1961 ( mit 8 Jahren) und 1963 ( mit 10 Jahren) ohne Eltern auf Langeoog ( Gruß u.a. an Gudrun Diedrich) und habe nur schwache Erinnerungen daran. Der Grund meiner Kur war zu zunehmen. 1963 konnte ich kein Fleisch mehr essen, die Folge war, dass ich bis Nachmittags stundenlang allein am Tisch bleiben musste, während die anderen Kinder sich draußen zum Spielen und wandern befanden. Diese Tortour musste ich wochenlang durchstehen.

  • Jan.s. sagt:

    Hallo,
    Habe diese Seite gefunden, als ich Kinderkurheim Schönau am Königsee 1975 bei Google eingab. Ich wurde 1975 wegen Lungenbeschwerden zur „Luftveränderung“ für 6 Wochen nach Schönau verschickt, erinnere mich an einen Garten leicht abschüssig mit einem Gartenhaus, einem Spiel-Pilz zum drehen. Es wurden Ausflüge gemacht, wovon auch ein Foto existiert. Erinnere mich an Fernsehnachmittag mit der Zeichentrickserie Wicki, und an Vorlese und Rätselstunden. Erinnere mich auch an die Nacht, in der ich ohne Bettzeug im Vorleseraum, ein Raum zum Garten mit großen Fenstern und länger Holzbank, wegen Fehlverhaltens schlafen mußte. Erinnere mich auch an die älteren „Kinder“ vor denen ich Ängste hatte, es kommt zwar vor, dass sich Kinder untereinander „schlecht behandeln“ aber bei 6 Wochen permanenter Quälereien ohne Einschreiten von Aufsichtspersonen war ich froh wieder zuhause zu sein. Manchmal kommen Bilder hoch, Habe aber auch vergessen können. Viele Grüße J.

  • Monika L. sagt:

    Hallo Zusammen,

    endlich werden auch diese Missstände von damals aufgegriffen. Auch ich habe schlimme Erinnerungen an meine „Verschickung“. Das war1962, ich war 6 Jahre und wurde nach Bad Sooden-Allendorf „verschickt“, weil ich für die Einschulung zu schmächtig schien.
    Viele Erinnerungen habe ich nicht, es sind nur schlechte. Ich kam nach den furchtbaren 6 Wochen mit beidseitiger Niererenbeckenentzündung und über 40 Grad Fieber zurück nach Hause. Meine Mutter hatte mir viele gesondert markierte warme Kleidungsstücke mitgegeben – es war zur Winterszeit. Meine warme Kleidung wurde anderen Kindern angezogen, ich habe iimmer gefroren, das weiß ich noch genau. Die Nächte im riesengroßen Schlafsaal – Mädchen und Jungen in einem Raum – waren schlimm. Wir Kinder durften nicht auf die Toilette gehen, sondern mussten „Pinkeltöpfe“ benutzen, die in der Mitte des Saals standen. Die waren natürlich schnell voll und ich habe mich geekel, mich darauf zu setzen..Die Schwestern waren Drachen – so habe ich es damals empfunden – die haben uns geschlagen, wenn sie uns dabei erwischt haben, wenn wir uns doch auf die Toiletten geschlichen hatten.

    Viele Kinder hatten großes Heimweh und haben viel geweint. Ich auch, war aber meistens in mich gekehrt. Ich weiß auch noch, dass ich zwei Postkarten nach Hause schicken durfte. Die wurden von den Schwestern geschrieben und alles war natürlich toll. Ansonsten war jeder Kontakt untersagt. Ach ja, und dann waren da noch die Spaziergänge auf steilen vereisten Waldwegen. Ich bin andauernd hingefallen und war dann pitschnass.
    Wenn ich heute über den Aufenthalt dort nachdenke oder erzähle, bekomme ich eine Riesenwut. Das Trauma ist immer noch in mir. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, was Kinder durchgemacht haben, die in solchen Heimen aufgewachsen sind und auch noch sexuell missbraucht wurden.

    Auch von mir danke, Anja, dass Sie das Thema adressieren, ich bin sicher, da gibt es eine große Zahl von Menschen, die ähnliches erlebt haben. Vielleicht ist es ja auch mal einen Bericht in einem kritischen TV-Magazin wert.

  • Susanne J. sagt:

    Auch ich habe immer wieder nach Gleichgesinnten gesucht, die Erfahrungen mit Kinderverschickung gemacht haben. Bis ich die Seite hier gefunden habe, dachte ich an ein Einzelschicksal oder dass ich mir das alles nur eingebildet habe. Aber es scheint nicht so zu sein. Ich war kurz vor der Einschulung, Frühjahr 1971 müsste das gewesen sein, zum ersten Mal auf Verschickung. Mein heißgeliebter Opa (ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen) ist gerade verstorben und ich bin 6 Wochen nach St. Peter-Ording geschickt worden. Mein älterer Bruder war auch dabei aber ich habe ihn kaum gesehen in der Zeit.

    Ich kann mich wie heute daran erinnern, wie es dort gerochen hat. Wenn man von draußen rein kam, musste man irgendwie mit den schmutzigen Schuhen durch eine Art Keller. Es roch noch Schuhcreme, Bohnerwachs, Hagebuttentee und Puddingsuppe. Den Schlafsaal, in denen unzählige Betten standen (meins war auf den linken Seite, ziemlich dicht an der Tür) habe ich noch vor Augen. Das Zimmer durfte man nach 18:00 Uhr und in der Mittagszeitschlaf nicht verlassen. Auch nicht, um auf die Toilette zu gehen. Ich musste aber und die Strafe folgte.

    Geduscht oder gebadet wurde einmal die Woche, die Unterwäsche durfte nur danach gewechselt werden. Ich sehe auch noch den Kiosk vor mir, wo man von seinem kleinen Taschengeld was zu Naschen kaufen konnte. Die anderen Kinder haben von zu Hause Pakete bekommen – für mich war nie was dabei. Ich hatte unendlich Heimweh und dachte, ich müsse für immer da bleiben. Selten war man mit der Gruppe draußen an der frischen Luft, nur an den Wandertagen. Zu zweit in Reih und Glied in den Ort. Die Zeit an der Nordsee habe ich nur als Albtraum in Erinnerung. Ich wurde ein paar Jahre später nochmal verschickt – nach Braunlage. Diese Zeit habe ich als im Gegensatz zu SPO als schön in Erinnerung.

  • anja sagt:

    Ich war im Urlaub und daher längere Zeit nicht auf meiner Seite, entschuldigen Sie bitte, es ist keine Absicht gewesen! Anja Röhl

  • vera frankenberger sagt:

    Hallo Anja Röhl,
    ich hoffe sie hatten einen schönen Urlaub und danke für die Mühe die sie sich machen! Meine Eltern haben darmals das Angebot der Krankenkasse BEK gerne angenommen mich zu „Erholung“ zuverschicken.Habe Dank meines Vater noch den gesammten Briefverkehr.Mein Kinderkurheim „Carola“in Schönau am Königsee lag an einem Weiher mit vielen Spielgeräten ,unter anderen einen Drehpilz ,Bolzplatz Rutsche einen Geräteschuppen …Wir nannten
    es Poolhaus und einen Schwimmbecken was ich wieder gefunden habe.Meine Erholung bestand daraus 6 Wochen in der Ecke vom Speisesaal zustehen,weil ich nicht Milchreis und co essen wollte.Einmal in der Woche war Wiegetag was Horror für „Alle“ Kinder war.Wehe man hat nicht zugenommen oder ab….! Bestrafungen wegen Bettnässen oder laufen auf dem Gang waren Nächten auf einer Holztruhe zuverbringen.Klar haben wir Ausflüge gemacht und auch ich habe ein Foto mit Schlitten auf dem Jenner.Wie ich hier lese sind einige Berichte Ähnlich und auch nach solanger Zeit für die ehemaligen Verschicken KInder immer noch ein Trauma.Deshalb nochmal Danke das Sie für dieses Thema, diesen Raum lassen.
    Liebe Grüße Vera F.

  • Hallo Frau Röhl
    Ich war ca 1967 /68 im Winter im Kloster Wessobrunn
    Zur „Erholung“ . Suche Kontakt zu Personen
    Die ähnliche Behandlung erfahren hat , wie ich
    Mit freundlichen Grüßen Sabine Klingel

  • Thomas sagt:

    Ich war 1968 im Alter von knapp fünf Jahren für sechs Wochen „verschickt“ in einem Kindererholungsheim im Cuxhavener Stadtteil Duhnen. Die Erinnerungen sind sehr bruchstückhaft, um so mehr sind die wenigen Bilder ins Gedächtnis eingebrannt.

    Leider war ich ziemlich zu Beginn an den Windpocken erkannt – das wurde hier in den Kommentaren ja schon mehrfach geschildert … Bei mir hat die Genesung offenbar recht lange gedauert, genaues weiß ich nicht mehr; gefühlt war ich drei von den sechs Wochen krank.

    Ich erinnere mich sehr deutlich an eine Wanderung mit der Gruppe: Nach meiner Genesung ging es auf dem Deich an der Küste entlang. Ich muss wohl noch recht geschwächt gewesen sein, so dass ich bei starken Gegenwind nicht mithalten konnte. Hilfe oder Trost erhielt ich nicht, im Gegenteil: Ich wurde von den Betreuerinnen ungeduldig ermahnt, mich nicht so anzustellen. Ich konnte nur mit größter Anstrengung ein Bein vors andere setzen, so sehr ich mich auch gegen den Wind stemmte, und kämpfte verzweifelt darum, nicht den Anschluss zur Gruppe zu verlieren. Schöner Stoff für wiederkehrende Alpträume …

    Zweite Szene: Wir Kleinen mussten Mittagsschlaf halten, ob wir wollten oder nicht. Der Schlafsaal mit vielen Stahlrohrbetten war nur vereinzelt belegt. Unter meinem Bett wurde menschlicher Kot gefunden, und ich als vermeintlicher Verursacher (sprich: zu Unrecht beschuldigter) bekam Handfeger und Schaufel in die Hand gedrückt. Vor allen Kindern musste ich unters Bett kriechen und die Kackwurst beseitigen. Dass ich dies als ungerecht und zutiefst entwürdigend empfunden habe, muss ich wohl nicht betonen.

    Dritte und letzte Szene: Meine Mutter holt mich am Hamburger Hauptbahnhof ab. Ich freue mich, dass sie meine Lieblingsspeise vorbereitet hat. Fortan bin ich kein „schlechter Esser“ mehr – zumindest ein Erfolg der Maßnahme, denn nun ist mir offenbar bewusst, wie gut ich es zu Hause habe.

    Nach zwei Fehlgeburten bekomme ich wenige Monate später ein Brüderchen, im Jahr darauf noch eines. Falls meine Abwesenheit entlastend hierzu beigetragen haben sollte, so erhält diese Erfahrung wenigstens diesen Sinn. Wenn auch um den möglichen Preis langfristiger gesundheitlicher und psychischer Kosten – das ist natürlich spekulativ, ließe sich aber durchaus noch detaillieren.

    Ach, und als meine Mutter ein paar Jahre später mir gegenüber äußerte, eventuell auch meine kleinen Brüder „verschicken“ zu wollen, soll ich ernst und bestimmt gesagt haben: „Tu das nicht, Mami. Tut – das – nicht!“ Meine Eltern waren beeindruckt und haben meinen Rat befolgt.

    Ich bin interessiert an einem Berliner Vorbereitungstreffen teilzunehmen.

  • K. N. sagt:

    Sehr geehrte Frau Röhl,

    mit Interesse lese ich über Ihre Recherche sowie die veröffentlichten Kommentare dazu.

    Ich bin selbst Betroffener und kann nur sagen, danach war alles anders!

    Keine Ahnung ob ich 4 od. 5 Jahre alt war. Ich habe an diese Zeit keine Erinnerungen mehr, ausser der Zugabfahrt am Bahnhof Düsseldorf und meinen Teddybären.

    Danach, 6 Wochen später, war alles weg. Mein Teddy, meine Unversehrtheit, mein Vertrauen. Mein Selbst hatte sich gravierend verändert.

    Es ist ein schreckliches Trauma!

    Von daher wäre ich sehr dankbar, wenn Sie mich in Ihren Verteiler aufnehmen könnten.

    Ich möchte nicht mit meinem Namen genannt werden.

    Vielen Dank für Ihr Engagement!

    Beste Grüße

  • Bärbel Schwarz sagt:

    Ich erinnere mich noch mit Schrecken das Kinderheim in Plön. Ich war das erste Mal 1962 dort mit 6 Jahren. Für ganze 6 Wochen.
    Wie meine Vorgänger schon schrieben war es furchtbar.

    Ich habe besonders die Einsamkeit in Erinnerung.
    Auch gab es „Essen als Strafe“ – alles was ich damals essen musste (Milchsuppe, Milchreis, Rosinen u.v.m.)

    Viele andere Kinder bekamen Pakete von Zuhause – ich leider nicht.

    Ich dachte als kleines Kind, ich komme nie wieder nach Hause. Einmal waren meine Eltern zu Besuch und erzählten mit, dass sie in der Zeit im Urlaub gewesen wären und meine Klagen über das gezwungene Essen konnten sie auch nicht verstehen. Zuhause musste ich auch essen was auf den Tisch kam, schrecklich.

    Im Alter von 14 Jahren war ich noch einmal dort, es war alles noch genauso schlimm.

    Um allen zu entgehen bin ich mit 17 Jahren Zuhause ausgezogen, eine Befreiung.

  • Rita sagt:

    War mit meiner Schwester 1961in Bad Rothenfelde. Wir haben auch solche Erfahrungen gemacht. Meine Schwester ist für eine Aufarbeitung sehr dankbar!! Ich war mit 4 Jahren noch zu klein. Erinner mich aber noch sehr gut!!!

  • Ute sagt:

    Ein freundliches Hallo,

    auch ich, jetzt 64 Jahre, bin mehrmals als kleines Kind verschickt worden.

    In Bad Rothenfelde war ich 2 mal, in Königsfeld 3 mal und in Niendorf/Ostsee 1 mal.

    Vieles kann ich bestätigen was hier schon geschrieben wurde, u.a. kann ich mich auch noch an eine große Badewanne erinnern, die durfte man keinesfalls anfassen, da war Strom drauf. Mal mehr, mal weniger, als Kind saß man darin im Wasser. Ich glaube im Nachhinein wurde da mit Stromstößen experimentiert. Vieles schleppe ich, wie die meisten hier im Unterbewusstsein mit mir herum und ich habe das Gefühl es wird jetzt im Alter schlimmer. Phobien und Unsicherheiten und auch die blöde Angst vor Strom. Sollte noch ein Tagungsplatz frei sein, würde ich mich auch freuen, dabei sein zu dürfen.

  • marina Heib sagt:

    Ich bin gerade durch ein Buch an meine Zeit in einem Kinderlandverschickungsheim erinnert worden und stieß dann auf diese Seite.
    1966 – im Alter von sechs Jahren – war ich wegen Bronchitis sechs Wochen über die Caritas in einem katholischen „Erholungsheim“ in Bad Reichenhall, vermutlich in dem gleichen, das hier schon in einem Kommentar erwähnt wurde. Ich kann bestätigen, welch ein Horror das war. Kinder, die ins Bett gepinkelt hatten, mussten sich gemeinsam ausziehen und wurden in einer langen Reihe im gekachelten Waschraum mit einem Schlauch abgespritzt, aus dem eiskaltes Wasser kam, gerne auch mitten in der Nacht. Es war kalt und danach Haare trocknen saß nicht drin. Viele wurden krank. Ebenfalls habe ich mehrfach erlebt, dass Erbrochenes wieder aufgegessen werden musste. Und wieder erbrochen wurde. Die Schläge, die es zudem gab, waren fast harmlos gegen diese speziellen Foltermethoden, ich kann es nicht anders nennen. Als ich nach Hause kam und meiner Mutter davon erzählte, wurde mir nicht geglaubt. Ihr schien es einfach zu unfasslich. Mit der Zeit dachte ich selbst, dass ich das alles schlimmer abgespeichert hatte als es war. Doch nun, wo ich diese ganzen Berichte hier lese, weiß ich, dass meine Phantasie nicht mit mir durchgegangen ist.
    Ich finde es sehr gut, wenn auch dieses dunkle Kapitel aus deutscher Heimgeschichte an die Öffentlichkeit kommt. Vielen Dank für diese Seite und all die Betroffenen, die mir erlaubt haben, ihre erschütternden Erinnerungen zu lesen.

  • Magdalena Nau sagt:

    Im Sommer 1967, nach dem Tode meines Vaters, fuhren wir alle zur „Kur“. Ich war damals im Sommer lange sechs Wochen im Kloster Wessobrunn! Fürchterlich!

  • Armin sagt:

    Sehr geehrte Frau Röhl

    Auf der Suche nach meinem verschwunden Kuscheltier …..

    …habe ich hier die anderen gebogenen Kinderseelen gefunden.

    Danke, das Sie hier diese Tafel aufgestellt haben. Mögen noch viele Betroffene ihr inneres Leiden erkennen und sich nicht mehr einsam fühlen.
    So viele vergossene Kindertränen an diesem Ort.

    Meine Eltern haben mich mit 4 oder 5 Jahre nach Wyk auf Föhr verschickt.
    Es kam ein fremdes gebrochenes kleines Kinderherz nach Hause.
    Meine Erinnerungen an den Aufenthalt im Verschickungsheim waren all die Jahre sehr diffus und meldeten sich erst viel später als Flashbacks zurück. Zuerst dachte ich was sind das für schlimme Träume – Nein meine Erinnerungen pulsten zurück in mein Leben. Des schlechte Essen und der Zwang alles aufessen zu müssen – wer sich übergab musste sein Erbrochenes essen. Die ewige andauernden Spaziergänge mit einem unerträglich Durst. Verletzung der Intimsphäre in den Waschräumen durch ältere Kinder. Die jetzigen Erinnerungen an die Nächte in den Schlafräumen sind ein Matyrium. Wer einnässte wurde verspottet und musste in einem kalten Raum ohne Bettzeug warten. Die ganze Nacht über waren neben mir auch die andere kleinen Kinder am weinen. Der schlimmste Schmerz war aber das Heimweh. Niemand fand einen Trost und ich mein einziges Kuscheltier nicht mehr. Es blieb für mich unerklärlich verschwunden. Schrecklich! Die Briefe von den Eltern wurden vor allen anderen Kindern vorgelesen. Bis heute leide ich unter Verlustängsten und fehlender innerer Nähe und habe eine andere soziale Wahrnehmung im Alltag.
    Bin dankbar über die die mich ertragen.

    So etwas darf sich niemals wiederholen

    Gruß aus Berlin
    Armin

  • Rosemarie Niemann sagt:

    Durch Zufall bin ich auf diese Seite geraten.
    Es muß 1961 gewesen sein. Ich wurde verschickt ins fränk. Muggendorf.
    Ich weiß, dass ich die Bahnfahrt mit Schild um den Hals allein angetreten hatte.
    Es muß die erste Klasse gewesen, wo ich mich damals befand.
    Als verängstigtes Kind wurde ich gesehen.
    Gut, kann ich mich an den tägl. Mittagsschlaf erinnern Wenn ich nicht einschlafen konnte, wurde mir das Kissen aufs Gesicht gedrückt.. Ich hatte viel geweint, vor Heimweh!
    Einen liebevollen Ton vermisste ich.

  • Klaus sagt:

    Diese Seite habe ich durch Zufall erreicht. War zwischen 1964 und 1968 (6. – 11- Lebensjahr) viermal zur „Verschickung“ in Bad Sachsa, Bad Pyrmont, Wyk auf Föhr und Norderney. Armins Anmerkung zum Essen von Erbrochenen kann ich bestätigen. Bei mir war es die ekelige Haferschleimsuppe mit Vitaminpille auf nüchternen Magen. Dazu wurde ich von einer alten Nonne gezwungen. Allerdings landete der Teller auf dem Boden und ist zerbrochen.

    Nachts auf die Toilette zu gehen war auch verboten. Dies mündete im Verbot von Getränke. Voller Freude habe ich mich gerächt, in dem ich mit voller Absicht es habe laufen lassen. Besser wäre es gewesen den Teppich einzusauen.

    Die Verschickung fand überwiegend in der Schulzeit statt, sodass ich viele Unterrichtsstunden versäumt habe. Bei einem Aufenthalt gab es auch Unterricht, allerdings war der nicht kompatibel zum Stoff in der Schule. Mir wurde das nicht geglaubt und ich wurde als Lügner hingestellt.

    Das Essen war recht durchwachsen. Der Umgang mit uns Kindern war nicht altersgerecht und – besonders das ältere Personal – war im Umgang mit Kindern fies. Ich führe dies heute auf die faschistische Gesinnung zurück. Da jüngere Personal hatte einen anderen Umgang und das fand ich gut. Nicht gut war, dass ich mir bei einem Aufenthalt sofort die Windpocken habe eingefangen.

    Die Folgen dieser Verschickungen war ein schlechter Hauptschulabschluss und der Verlust der Zugehörigkeit der Klassengemeinschaft in der Schule. Alles nur wegen den Folgen einer nicht erkannten und falsch behandelten Hausstaubmilben Allergie die als Asthma Bronchiale behandelt wurde.

  • Klaus sagt:

    Ergänzung: Bestätige Susanne K. Auch ich wurde vom Gesundheitsamt zu den „Kuren“ gezwungen. In der Folge bin ich dann schulisch abgestürzt. Meine Sprachbehinderung (Stottern) könnte imo auch damit in Zusammenhang stehen. Wobei ich sich diese wesentlich gebessert hat. Trotz Berufsausbildung zum Bürokaufmann bin ich in Hartz IV gerutscht.

    Wir können die Erlebnisse nicht rückgängig machen und mit der Beweiskraft is es auch so eine Sache. Wir waren damals Kinder und die dafür Verantwortlichen haben sich psychisch an Kinder vergangen. Wie hoch ist die Quote derer, die unbehandelt an Traumata leiden? Gewiss war nicht alles mies, aber positive Erlebnisse können dies nicht annähernd ausgleichen.

  • Norbert sagt:

    Anfang 1972, ich war gerade Sieben geworden, wurde ich für 6 Wochen ins Kinderkurheim Quisisana nach St.Peter Ording geschickt. Meine ältere Schwester war mit von der Partie.
    Gesehen haben wir uns dann in all den Wochen genau 2x und auch das nur im Vorbeigehen, da wir in streng voneinander getrennten Gruppen waren.

    Darüber hinaus kann ich alle negativen Schilderungen wie lieb- bis herzlose Behandlung, fiese Strafen für Lächerlichkeiten wie z.B. Nichtschlafen undsoweiter leider bestätigen.
    Überblickend würde ich sagen, es war mehr wie ein Straflager (nur dass ich leider nicht wusste, wofür ich verurteilt worden war).
    Ich dachte lange Zeit, ich wäre mit meinen Empfindungen der Einzige bzw. ich sei als Kind vielleicht empfindlicher als Andere gewesen.
    Heute weiß ich, dass meine lebenslangen Empfindlichkeiten wohl eher damit zu tun haben, was man mit uns damals angestellt hat.

  • Arno sagt:

    Liebe Anja, danke für das Projekt und den Kongress in Sylt im November. Ich war 13 mal
    weg. Norderney, Borkum, Spiekeroog, Bad Reichenhall, Sankt Peter Ording, Sylt. Norderney und Borkum mehrmals. Ich verarbeite das ganze gerade auf meien Art. Anbei ein Schlüsselerlebnis zw. dem 9. und 10. Lebensjahr. Viele Grüsse Arno

    Kinderland

    Zwischen 04.00 Uhr und 06.00 am Morgen sind Bahnhöfe schummrige Vasallenplätze,
    die Nacht dünstet noch vor sich hin.
    Heute war es anders am Gleis, es war hell erleuchtet, da stand auch dieses schwarze Ungetüm, groß schwarz fauchend, für die Modellbahn zu Hause ein Kindertraum, hier leibhaftig einfach nur ein schwarzer fauchender Drache.
    Wir waren schon selbst in diesen jungen Jahren alte Bekannte, doch diese Reise sollte einen anderen Verlauf nehmen als die vorherigen.
    Es war Oktober 1967.
    Der Zug hatte mit seinen Anhängseln ein Sondergleis, Sonderzonen mit Rotkreuz-Schwestern, zu denen Erwachsene mit ihren Kindern pilgerten, die dann einen Ausweis umgehängt bekamen, danach trennten sich auch deren Wege, als den Kindern ihre Abteile zugewiesen wurden.
    Das Bild sollte sich entlang der langen Strecke vielmals wiederholen. Viele Kinder waren zum ersten Mal alleine unterwegs mit Proviantbeuteln und Taschentüchern.
    Die Düsternis des anbrechenden Tages hinter der Silhouette des vom Zugrauch verblassenden Doms sollte anhalten, sich verändern zu bleigrau.
    Der Tag dümpelte ratternd dahin in einer auf- und abschwellenden Kakophonie. Spätnachmittags kam dann Wasser in Sicht, als wir in Norddeich ankamen und ausstiegen.
    Weiter ging es dann zum Fähranleger, an denen einige hochseetüchtige Nussschalen vor sich hin dümpelten und das ganze staunende Kindergeschrei in ihren Bäuchen aufnahmen.
    Zielhafen – Norderney, eine aus heutiger Sicht sicher große schöne ostfriesische Insel, damals einfach nur unerreichbar weit weg von zu Hause.
    Die Überfahrt war angenehm, weil die Fähre kein Wasser aufnahm, sondern sicher über die Nordsee stampfte; dafür füllten sich die ausgegebenen Tüten mit den unverdauten Resten von Obst, Süßem und Saurem.
    Die meisten waren bereits von der Reise erschöpft und zum ersten Mal in ihrem Leben sahen sie das Bleigrau der Nordsee, hörten das Geschrei der Möwen, die im Kielwasser der Fähre hinabstießen wie Bussarde, um dann blitzschnell wieder aufzusteigen.
    Erschöpfung, Müdigkeit, Allein gelassen sein auf den tanzenden bleiweiss-grauen Nordseekronen, rundum, alles fremd an Gleichaltrigen und Aufsichtspersonen zwischen zwei fremden Ufern.
    Irgendwann landeten wir dann im Hafen, torkelten von Bord, und nach dem allgemeinen Sammeln fuhren wir los. Unser neues „Zuhause“ für die nächsten geplanten sechs Wochen war ein riesiger alter Backsteinbaukomplex, der aus mehreren Häusern bestand.
    Gebaut in der Mitte des 19. Jahrhunderts für Kuren in der rauen Seeluft besonders bei Atemwegserkrankungen, aber auch bei Unter- oder Übergewicht, Exzemen und anderem.
    Es gab unterernährte Kinder aus Berlin, Übergewichtige aus dem Süddeutschen, viele kamen aus dem Ruhrpott, wo der Tag manchmal schwärzer war als die Nacht, oder aus Gegenden mit Kalkabbau, wo eine Steinstaub-Dunstglocke über dem Blau des Himmels lag.
    Nun … hier waren wir jetzt, wurden vor dem Gebäude in Gruppen eingeteilt, und dann ging es in dieses Backsteinverlies. Zunächst in den hallenartigen Speisesaal, später in unsere Schlafsäle mit bis zu 40 Metallbetten eng aneinander.
    Nach de Betteneinteilung ging auch bald das Licht aus, mit einer Nachtwache vor den Türen. Alles war anders. Ich kannte das nun schon, aber das Wimmern höre ich bis heute.
    Morgens nach dem Aufstehen wurden die Bettnässer, Bettschisser aussortiert. Strafen gab es noch nicht, aber Ermahnungen. Dann später in den Speisesaal, schon auf dem Weg drehte sich der Magen um bei dem Geruch nach dieser ekelhaften warm-süßen Milchsuppe, danach eine dicke Scheibe Brot aus dem Münsterland mit Marmelade wie im Krankenhaus.
    Die Milchsuppe musste gegessen werden, egal wie, blieb sie nicht, wo sie hin sollte, gab es eben neue. Davon war genug vorhanden, zum Nachschlag.
    Der Alltag ab jetzt, jeden Morgen Besuche der Schwestern, Pinguine wegen ihrer Ordenstrachten, mit Medikamenten. Unter- und Übergewichtige wurden jeden 2. Tag gewogen, die einen wurden zusätzlich drei Mal am Tag mit Lebertran beglückt, die andern mit Sport und Obstphantasien.
    Einmal in der Woche ging es ins Wellenbad. War toll, viele konnten gar nicht schwimmen.
    Sonntags Rosinenbrot, ein Ei und ab in die Kirche. Zwischen verschiedenen Anwendungen in der Woche … lange Spaziergänge an den Strand, die Dünen oder auch nach der zweiten Woche in die Stadt. Die Andenkenläden freuten sich. Briefe oder Karten nach Hause, Post im Allgemeinen, alles war streng organisiert, kontrolliert.
    Päckchen waren geöffnet, wenn sie ankamen, Geld nahmen die Schwestern in Verwahrung. Zumindest konnten wir nach spätestens zwei Wochen die Betten exakt nach den Anleitungen richtig machen.
    Zwischen Milchsuppen-Exzessen, Höhensonne, Turnen, Wellenbad, Inselschule, modernem stahl gefülltem Schlafsaal, Käfighaltung mit nächtlichem Düngen ,verging die Zeit dann doch, zumindest die ersten sechs Wochen.
    Wegen einer schweren Grippe durfte ich in die Verlängerung und das … war dann ganz anders. Krankenstation. Wochenlang, der November ging vorbei, die Vorweihnachtszeit fing an.
    Mittlerweile waren ja die meisten zu Hause, Neue waren angekommen, von denen ebenfalls die meisten noch vor Weihnachten wieder zu Hause waren. Dann kam Weihnachten.
    Im großen Spielzimmer war ein Tannenbaum aufgestellt, Tische an den Wänden, auf denen Gebäck stand, es gab für Kinder koffeinfreien Milchkaffee, es wurde gesungen, im Eingang stand eine große Tanne und dann bekamen wir die Päckchen von zu Hause und konnten uns damit beschäftigen.
    Das war der Heilige Abend, wie ich ihn noch nicht erlebt hatte. Draußen türmten sich im Sturm, der seit Tagen über die Insel fegte, Schnee und Eis. In der Brandungszone türmten sich riesige Eisschollen. Fähren zum Festland fuhren nicht mehr. So wurde aus Weihnachten … Silvester und Neujahr.
    Der Januar ging dahin. Und dann, Anfang Februar wurden meine Koffer gepackt … Es ging zur Fähre und nach Norddeich zurück und mit dem fauchenden Ungetüm und einem flauen Gefühl zurück nach Hause. Mitten in der Woche. Auf den Bahnhof ausgespuckt warteten meine Eltern.
    Viel hatte sich verändert nach vier Monaten. Was sich dauerhaft veränderte, war, dass Weihnachten fortan keine Bedeutung mehr hatte. Der Glanz, das Besinnliche, war weg und kam nie wieder. Eine von vielen Begebenheiten, die sich verändert hatten. Zu Hause gab es den Weihnachtsbaum noch, obwohl es schon fast Karnevalszeit war.
    Freude kam da nicht mehr auf … und zwei Tage später war er auch entsorgt. Die Geste … ein Alibi. Das wieder Ankommen schwer in allem, was nun wieder Familienalltag war.
    Meine Emanzipierung hatte jetzt, nach diesen Erlebnissen, eingesetzt, und fortan würde ich auf der Suche sein nach etwas, das ich in mir verloren hatte …

    Arno G. März 2018

  • Astrid sagt:

    Liebe Anja Röhl, durch Zufall kam ich auf Ihre Seite.Was ich dort las,hat mich total gefesselt.Auch ich wurde im Jahr 1974 im Alter von 9 Jahren in das Kinderkurheim von Frau Schiller auf Borkum(Haus Allenburg) verschickt,weil ich so blass und schmächtig war! Ich habe nur gruselige Erinnerungen an diesen Aufenthalt! Schon die Zugfahrt mit mehreren Kindern und einem Betreuer war scheußlich.Wir mussten in der Bahnhofsmission Tee trinken,der ekelhaft schmeckte,so ging die Reise los.Auf Borkum begann dann eine sechswöchige schlimme Zeit für mich. Jeden Tag verging ich vor Heimweh und war gefühlt die gesamte Zeit am Weinen.Niemand interessierte sich für meine Gefühle! Als ein Päckchen von zu Hause mit der Handschrift meiner Mutter und allerlei Süßigkeiten ankam,war der Gipfel der Traurigkeit erreicht,denn ich durfte nichts davon behalten. Wir mussten essen,egal ob wir Hunger hatten oder nicht.Es gab mehrfach Brotsuppe,vor der ich mich ekelte,aber sie musste gegessen werden. Eines nachts mussten sich fast alle Kinder übergeben und hatten Durchfall,aber es waren nur einige wenige Toiletten vorhanden.Der blanke Wahnsinn! Heute, im Alter von53 Jahren,erinnere ich mich noch an alle Namen der sogenannten Betreuer,aber es waren wohl eher eine Art Gefängniswärter.Nach dieser schrecklichen sogenannten Kur,wobei es das Wort Martyrium eher trifft,hatte ich gravierende Verlustängste, die mich bis zum heutigen Tag begleiten. Von da an war für mich klar, niemals würde ich einem Kind derartiges zumuten. Meine Mutter wusste es wohl damals nicht besser,ich mache ihr keinen Vorwurf! Vielleicht gibt es ja auch noch andere Kurkinder,die in diesem Haus ähnliches erlebten. Viele liebe Grüße und Hut ab,Frau Röhl, dass Sie sich dieses Themas annehmen!

  • Christiane Arbert sagt:

    Liebe Gudrun Dietrich, Kommentar am 8. Nov. 18
    ich war 1964 oder 1965 als 11 oder 12 jährige für ein paar Wochen in Langeoog. Es war das Ev. Kindererholungsheim „Loccumer Hospiz“. Leider habe ich nur sehr wenige Erinnerungen. Ich weiß nur, dass ich es schlimm fand. Ich glaube, mir wurde eingeredet, ich hätte mich schlecht benommen (obwohl ich sicherlich eher ein angepasstes Kind war). Meine Mutter beschwerte sich in einem Brief an mich, dass ich nur von Essen, Schlafen und spazieren gehen geschrieben hätte und sonst nichts. Briefe und Postkarten wurden zensiert, und ich musste meinen Brief/Karte neu schreiben (der Inhalt war nicht genehm). Ich erinnere mich in eine dunkle Besenkammer eingesperrt worden zu sein. An eine lange Bettreihe, und daran, dass ich mittags nicht schlafen konnte, wir aber still die Zeit abliegen mussten. Ich erinnere mich nicht an Strandspaziergänge, überhaupt das Meer gesehen zu haben. Ich las später einen Kommentar meiner Oma, ich sei wohl sehr „still“ nach meiner Rückkehr gewesen.
    Ich glaube, das Heim war nicht so schlimm wie so viele hier von anderen Heimen berichten. Ich erinnere mich nicht an Schläge oder Mißhandlungen oder Erbrochenes aufessen zu müssen. Allerdings musste ich wohl auch lange am Tisch sitzen bleiben, weil ich nicht aufessen konnte. Aber das ist so dunkel und vage. Sollte ich mich an weitere Vorgänge erinnern, werde ich noch einmal schreiben.
    Es hat mich zutiefst entsetzt, was Kindern alles angetan wurde!
    Liebe Grüße
    Christiane

  • Peter D. sagt:

    Ich war im Winter 69 oder 70 im Kinder KZ Brilon. Belegt wurde das Haus von der Barmer Ersatzkasse. Eine zusammenhängende Erinnerung habe ich heute nicht mehr. Aber ein paar Dinge sind mir in Erinnerung geblieben. Das Haus lag recht einsam in einer schönen Umgebung mit Blick über ein Tal.
    Bei der Ankunft wurden uns alle persönlichen Dinge abgenommen. Insbesondere das Taschengeld. Das Taschengeld bekamen wir am Tag unserer Abfahrt „zurück“, damit wir es gleich in Geschenke für unsere Lieben daheim eintauschen konnten. Dazu gehörte auch ein Bild mit Pony, was ein Fotograf jeweils von allen Kindern gemacht hatte. Dann haben sie uns allerlei Müll angedreht, bis alles Geld verbraucht war.
    Geprägt war der Aufenthalt von militärischem Drill, Bloßstellung und willkürlichen, drakonischen Strafen für Nichts. Stundenlanges in der Ecke stehen und Isolation von der Gruppe. Es gab brutalen Esszwang, öffentliches Wiegen mit der Androhung einer Verlängerung, wenn man nicht genug zunähme. Abgeduscht wurden wir mit einem Wasserschlauch im Keller. Alle Kinder standen nackt im Treppenhaus und die Kellertreppe hinunter bis in die Waschküche. Das Wasser war viel zu heiß und ich wurde verbrannt. Das ganze Prozedere war erniedrigend und ich habe mich unglaublich geschämt. Ich bin mir nicht ganz sicher, vor Allem weil mir als damals naiver Neunjähriger aus wohlbehütetem Elternhaus einfach die Vorstellungskraft dafür fehlte, aber ich erinnere mich an ein „komisches Gefühl“ bei diesen Duschveranstaltungen. Vermutlich wurden wir da befingert und es waren erstaunlich viele Leute anwesend, die ich sonst nie im Haus gesehen habe, darunter auch zwei Männer. Aus heutiger Sicht vermute ich, dass sich da ein paar Pädophile an den nackten Kindern aufgegeilt haben. An einen direkten Übergriff kann ich mich aber nicht erinnern. Ich denke, ich hätte das auch nicht als solchen erkannt oder benennen können. Da hätte ich noch nicht einmal Worte für gehabt. Nur dieses Gefühl, was ich selbst heute nicht genau beschreiben kann.
    Was ist geblieben und hat es mir dauerhaft geschadet?
    Geblieben ist der Blick auf den gegenüberliegenden Berghang. Ich war im Winter dort. Ständig zogen Wolkenfetzen durch das trübe Tal und die Bäume am Hang gegenüber. Ich habe die ganze Zeit aus dem Fenster auf diesen Berg gestarrt. Bis heute beschleicht mich Beklemmung, wenn irgendwo in den Mittelgebirgen einen ähnliches Panorama entdecke. Ein Gefühl von unendlicher Einsamkeit und hoffnungsloser Verlassenheit.
    Es gibt eine Essmacke, die ich auf den Aufenthalt dort zurück führe. Ich kann es nicht leiden, wenn mir bei Tisch jemand etwas auf den Teller tut und bestimmte Speisen verursachen mir ekel.
    Es gibt einen Traum, den ich dort geträumt habe. Diesen Traum träume ich heute noch manchmal. Geblieben sind auch die bereits geschrieben Erinnerungen und Gefühle, die ich auch Heute nicht genau beschreiben kann.

    Ich habe aber nach dieser Zeit dort nicht an irgend welchen Folgen gelitten. Außer vielleicht daran, dass aus einem dünnen Hering ein fetter Mops geworden ist. Das könnte eine Folge der Kindermast gewesen sein. Aus damaliger Sicht, war das sicher ein grandioser Erfolg.
    Ansonsten kann ich mich nicht an Albträume oder sonstige schreckliche Dinge erinnern, die mich verfolgt hätten. Ich habe das vermutlich als normal empfunden. Meine Unwissenheit hat mich wahrscheinlich auch irgendwo geschützt. Mir war es wohl eher peinlich, dass ich mich nicht geschickt habe. So ein großer Junge hat Heimweh wie ein kleines Kind. Da habe ich mich wohl eher für geschämt.

    Erst als ich erwachsen war konnte ich die Dinge anders bewerten und einordnen. Sicher war es ein traumatisches Erlebnis. Das es ein bleibendes Trauma bei mir hinterlassen hat, würde ich jetzt mal verneinen. Aber dieses Gefühl der unendlichen Verlassenheit, ist mir beim Schreiben dieser Zeilen wieder sehr präsent. Und sicher hat diese Zeit dort auch das Potential gehabt, bleibende Schäden zu hinterlassen.
    Letztendlich reflektiert habe ich diese Zeit nur, weil es dazu von außen Impulse gab. Berichte in Medien und auch bei Erzählungen von Zeitgenossen, die sich an Ihre Zeit in der Kinderverschickung erinnerte. Nicht alle Berichte meiner Zeitgenossen waren wirklich negativ. Meine Erinnerungen waren bis dahin auch eher wertfrei. Erst in der distanzierten Betrachtung ist mir klar geworden, was man uns damals angetan hat.
    Zusammengefasst würde ich sagen, ich wurde definitiv körperlich und seelisch misshandelt. Eventuell auch sexuell missbraucht. Das es vermutlich tausenden Kindern in dieser Zeit ähnlich ergangen ist und es keinerlei Aufklärung gab, scheint aus heutiger Sicht nahezu unvorstellbar. Durch Krankenkassen finanzierte Kinderquälerei und Eltern die das noch als eine Art Privileg empfunden haben. Vermutlich war genau das der Grund, warum es keinen Aufstand gab. Das konnte ja einfach nicht sein. Mein Kind hat sich halt nur nicht geschickt…..

  • Conny sagt:

    Nach so vielen Jahren beschäftige auch ich mich mit meinem Aufenthalt in einem Kinderkurheim. Muss so Ende der 60ziger – Anfang der 70ziger gewesen sein. Es war ein echter Alptraum und lange habe ich das wohl verdrängt.
    Zwangsessen- und schlafen, tägliches Wiegen, Salinenbäder und Höhensonne, damit man gesund aussieht. Ich habe Hilferuf-Briefe an meine Eltern geschrieben, die aber wohl nie abeschickt wurden. Pädagogik fand nicht statt, dafür waren Strafen an der Tagesordnung – vielleicht der Grund, warum ich dann später Erzieherin geworden bin. Ich war so unglücklich dort!

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